Mittwoch, 4. April 2018

Die Schattenlinie


Joseph Conrad ist Weltliteratur, die meiner Meinung nach irgendwie ins Vergessen geraten ist. Es muss auch bei mir schon Jahre her sein, dass ich sein Buch Herz der Finsternis gelesen habe. Irgendwie ist auch vom Inhalt nicht mehr viel geblieben, weshalb ich mir nun vorgenommen habe, das Buch bald erneut zu lesen. Ich hatte auch ganz vergessen, wie gut Conrad schreiben kann. Als ich per Zufall dann auf der Hanser Homepage die Neuübersetzung seines Buches Die Schattenlinie sah, wollte ich es unbedingt lesen, da ich Conrad doch sehr positiv in Erinnerung hatte. 

Stilistisch gesehen, würde ich Conrad mit Flaubert gleichsetzen, so haben doch beide eine dichte Erzählweise, die Figuren bleiben aber oft unausgeschmückt und beide neigen zur Melancholie. Bei Conrad liegt dies mitunter daran, dass sein eigenes Leben recht turbulent verlief. Auch vor Selbstmord schreckte er nicht zurück, diesen aber überlebte er glücklicherweise dann doch noch. Allgemein bekannt ist aber die Tatsache, dass der Schriftsteller an Depressionen litt und erst als alter Mann mit seinen Büchern wirklich Erfolge verbuchen konnte. So litt er stets an Geldnot und erst als er sich dazu entschied, auf einem Schiff anzuheuern, ging es finanziell langsam bergauf für ihn. In seinen Büchern verarbeitet er dann die Erlebnisse auf hoher See und so fallen fast alle Geschichten dann autobiografisch aus. Die Literaturwissenschaft hat überaus viele Parallelen zum Leben und den Büchern Conrads nachgewiesen und dies ist auch bei dem Buch Die Schattenlinie nicht anders. 

Im Nachwort des Buches kann man den biografischen Hintergrund der Erzählung nochmals nachlesen und auch die Anmerkungen des Autors fügen noch einiges Wissenswerte über die Entstehung der Erzählung bei. Beides las ich doch sehr gern und insgesamt fand ich diese Informationen dann recht interessant. Hilfreich war auch das angeführte Glossar mit allen in der Geschichte vorkommenden nautischen Begriffen und diese zwei Lesezeichen sind auch farblich an die Buchgestaltung angepasst. Ein rundum schön verarbeitetes Buch. 

Die eigentliche Erzählung ist mit 182 Seiten eine kurze Geschichte, die sich um einen jungen Seemann dreht, der seine erste Fahrt als Kapitän eines Schiffes anzutreten hat. Die Reise steht von Anfang an unter keinem guten Stern, bevor das Schiff überhaupt in See sticht, wütet unter der Mannschaft das Tropenfieber und der junge Kapitän muss sich erstmals beweisen. So begibt sich der verträumte Mann auf das vom Tod begleitete erste Kommando und gerät mit dem Schiff dann in eine Flaute, wo es Tag um Tag nur noch im Kreis dahintreibt. Genug Zeit, um in düstere Stimmung zu verfallen, denn die begleitet den Leser das ganze Buch über. Teilweise hatte ich beim Lesen das Gefühl als hielte ich einen Roman aus dem viktorianischen England, ganz im Stile der gothic novels, in der Hand. Ich hatte Conrad als Schriftsteller gar nicht so düster in Erinnerung, aber wer mich kennt, der weiß ja, dass er damit zumindest bei mir genau ins Schwarze getroffen hat. 

Drei hohe Fenster blicken auf den Hafen. In ihnen war nichts zu sehen als die dunkelblau glitzernde See und das blassere Blau des Himmels. In der fernen Tiefe dieser Blautöne konnte ich den weißen Fleck eines großen Schiffes ausmachen, das gerade eingelaufen war und auf der äußeren Reede vor Anker ging. 

Und so verstreichen die Tage, bis nur noch zwei Mann vom Fieber verschont werden und der Kapitän sich überlegen muss, wie es weitergeht. Inzwischen muss er sich auch mit dem Geist seines Vorgängers rumschlagen und als er dann entdeckt, dass die an Bord gebrachte Medizin sich als nutzloses weißes Pulver entpuppt, trägt dies einmal mehr dazu bei, dass sich die Gedanken aller an Bord ins Unermessliche verdüstern. Eine zahnlose Hexe hat das Schiff ohne sein Wissen im Hafen von Bangkok verflucht. Vor diesem Hintergrund entfaltet sich ein inneres Reifen, das den Kapitän zum verantwortungsbewussten Handeln zwingt und ihn durch Verzweiflung und Enttäuschung wachsen lässt. 

Es ist das Vorrecht der frühen Jugend, ihren Tagen voraus zu sein, in der herrlichen Fortdauer einer Hoffnung zu leben, die kein Innehalten kennt und keine Selbstbetrachtung [...] Die Zeit schreitet auch voran, bis man nicht weit voraus eine Schattenlinie sichtet, die einen mahnt, man müsse auch das Reich der frühen Jugend hinter sich lassen. 

Die Schattenlinie erweist sich als Entwicklungsroman vom unerfahrenen Jüngling zum schicksalserprobten Mann, der den Leser bangen und hoffen lässt, dass letztendlich doch alles ein gutes Ende finden möge. Spannend und voller Details aus dem Seefahrerleben schöpft Conrad nicht nur einmal aus eigenen Erfahrungen, die den Roman trotz Hang zum Übernatürlichen authentisch wirken lassen. Letztendlich sind es lebendige, leidende Menschen, von denen der Roman handelt. 

Ich habe die Geschichte regelrecht verschlungen und war von der ersten Seite von Conrads klarer und ausdrucksreicher Sprache begeistert. Von dem Buch habe ich mir eine Abenteuergeschichte erwartet und bekam diese auch. Darüber hinaus liebe ich alte Seefahrerromane und so hat mich Conrads Kurzerzählung ganz gut unterhalten. Die Hauptfigur bleibt aber, wie auch die Erzählung selbst, ein kleines Rätsel. Als Leser kann man ihn absolut nicht einschätzen. Zwar hat man Anteil an seinen Gedanken, diese bleiben aber auf ein paar düstere, sinnliche Eindrück, die durch die Wahrnehmung und durch Gefühle entstehen,  beschränkt. 

Fazit

Die Schattenlinie ist anspruchsvoll erzählt, begeistert durch eine düstere und abenteuerliche Stimmung und durch eine unermessliche Spannung, die den Leser bis zum Schluss fesselt und an die Erzählung bindet. Ganz große Literatur! 

★ verschlungen!

Montag, 26. März 2018

Andere Stimmen, andere Räume


Truman Capote kennt man vor allem aufgrund seines Erfolgsromans Frühstück bei Tiffany, aber sicher auch wegen dem exzentrischen Lifestyle, den er zu Lebzeiten führte. Er tourte mitunter mit den Rolling Stones durch die USA, arbeitete als Drehbuchautor, musste mehrmals ins Gefängnis, trieb sich im damals angesagten und doch so verschrieenen Nightclub Studio 54 rum und verfiel schließlich den Drogen und dem Alkohol, bevor er als einsamer, von Halluzinationen geplagter Homosexuelle im Alter von 59 Jahren starb. Sein Debütroman Andere Stimmen, andere Räume fand beim ersten Erscheinen nur sehr wenig Anklang, das bedeutet aber nicht, dass das Buch nicht lesenswert ist. Im Gegenteil. Andere Stimmen, andere Räume überzeugt vor allem durch die poetische Schreibweise des Autors und durch seinen Südstaaten-Flair. Was es sonst noch mit diesem recht unbekannten Capote-Buch auf sich hat, erfährt ihr in den nächsten Zeilen.

Truman Capotes Debütroman beschäftigt sich einmal mehr mit dem Thema des Erwachsenwerdens und hat wie alle seine Romane viel Autobiographisches zwischen den Zeilen versteckt. Der Protagonist Joel Knox entspricht so ganz und gar nicht seinem Umfeld. Er gleicht mehr  einem schwächlichen Weib als einem anständigen, von harter Arbeit geplagtem Südstaatenjungen: mädchenhafte Zartheit, gesträhntes Haar und ein verträumter Blick führen nun mal dazu, dass er sich total isoliert fühlt. Was treibt er also den ganzen Tag so vor sich hin?

Radclif musterte den Jungen über den Rand seines Bierglases hinweg, und was er sah, gefiel ihm nicht. Er hatte so seine Vorstellungen, wie ein richtiger Junge auszusehen hatte, und dieser hier verstieß irgendwie dagegen. Er war zu hübsch, zu zart, zu hellhäutig. 

Nach dem Tod seiner Mutter kommt der erst 13-jährige Joel Knox nach Alabama zu seinem Vater und seiner Stiefmutter. Dort angekommen, muss er erst mal lernen, in der Einöde zu leben und bekommt die Aufgabe, sich um seinen Vater zu kümmern, der liegt nämlich todkrank im Bett und ist ohne fremde Hilfe nicht lebensfähig. Für einen 13-jährigen sicher kein leichtes Unterfangen. Im Verlaufe der Erzählung freundet er sich mit seinem Cousin Randolph an, der homosexuell ist und seine Tage rauschig im Halbschatten zubringt. Zu diesem Jungen entwickelt er eine intime Zuneigung und verliebt sich auch ihn. Außerdem gibt es da Idabel Thompkins, die mehr Junge als Mädel ist. Auch in sie verliebt sich Joel. Die Leserschaft erlebt wie hier Geschlechterrollen und Sexualität miteinander verschmelzen, keine Figur scheint homogen zu sein, alle schwimmen hier und dort mit und hängen irgendwie in der Luft. Diese unfesten Zonen, aber auch das Verschwimmen von Traum und Wirklichkeit machen das Buch zu einer Lesekost, die gewöhnungsbedürftig ausfällt. Noch dazu kommt, dass es keine wirkliche Handlung gibt und alles in einer Art geschildert wird, die von Eindrücken bestimmt wird.

Ein einsamer Landstrich ist das; und in den morastigen Niederungen, wo Tigerlilien, groß wie Menschenköpfe, blühen, gibt es lumineszierende Baumstümpfe, die im dunklen Moorwasser aufleuchten wie die Leiche Ertrunkener; oft regt sich weit und breit nur der winterliche Rauch, der sich aus dem Schornstein eines halb verfallenen Farmhauses  kräuselt, oder ein steifflügeliger Vogel, stumm und pfeiläugig, der über schwarzen, menschenleeren Fährenwäldern kreist.

Zwar gefielen mir diese Eindrücke sehr gut, weil schon beim Erstwerk Capotes deutlich wird, wie talentiert er als Schriftsteller war, aber insgesamt hätte ich mir dann doch eine struktuiertere Abfolge mit einer klaren Handlung gewünscht, ich tue mir da allgemein schwer mit solchen Büchern, in denen der Leser sich selbst überlassen wird und alle Einzelheiten selbst zusammenbauen muss, um einen Sinn hinter dem Erzählten zu erkennen. .

Dennoch habe ich das Buch sehr gerne gelesen, das liegt vor allem daran, dass ich einfach mag wie Capote schreibt. Obwohl seine Bücher im Vergleich zu anderen Autoren sehr einfach geschrieben sind, hat er eine besondere Art Dinge zu schildern. Er schafft es schnörkellos aber doch poetisch über Dinge zu schreiben und seine Sätze wirken irgendwie wie kleine Zauberstücke, die erst beim Lesen ihre volle Wirkung entfalten. Oft habe ich einfach die Sätze für sich gelesen ohne den semantischen Hintergrund erfasst zu haben, denn wie oben geschildert, war es für mich schwer das Buch zu lesen und eine Handlung mit Sinn dahinter zu sehen! 

Autobiographisch ist bei disem Werk vor allem der Bezug zu den Südstaaten und natürlich die Auseinandersetzung mit der menschlichen Sexualität, die dem Autor oft zum Verhängnis wurde. Aber auch die Gestaltung der Hauptfigur lässt Parallelen zum Autor vermuten, der ja selbst zierlich und blass war.  

Fazit: 

Capotes Roman ist nicht immer eindeutig zu verstehen, Joel spinnt sich seine Welt zusammen: Traum, Realität und Fantasie vermischen sich mit der Landschaft der Südstaaten zu einem skurrilen Roman, den man nicht einfach so in Worten fassen kann. Für Leser, die auch ohne Struktur gut auskommen.

★ ok

Sonntag, 18. Februar 2018

The Rum Diary


 Letztes Semester habe ich ein freies Wahlfach besucht, wobei ich mich viel mit teilnehmenden Beobachtungsstudien beschäftigt habe und über Umwege sozusagen auf Hunter S. Thompson gestoßen bin. Er war einer der Vertreter des Gonzo-Journalismus. Dabei begaben sich die Autoren und AutorInnen unter das Volk und legten vor allem Wert auf die subjektive Darstellung von erlebten Milieus. So vermischen sich autobiographische und fiktive Erlebnisse mit Polemik, Sarkasmus, Dialektsprache (Fäkalsprache, Slang usw), Zitaten und Poetik zu einem ganz eigenem Schreibstil. Wer vielleicht das Rolling Stone Magazin kennt, wird wissen, dass es genau durch diese Schreibweise so bekannt wurde. 

Mir gefiel dieser Schreibstil auch bei anderen amerikanischen Büchern besonders gut, also wollte ich dann unbedingt etwas von Thompson lesen. Sein wohl bekanntestes Buch ist Fear and Loathing in Las Vegas, das ich allerdings noch nicht gelesen habe. Während ich also im Internet nach weiteren Werken des Autors suchte, fand ich dann The Rum Diary und weil der Winter dieses Jahr schon lange dauert und ich bereit bin für Sommer und Frühling (hab schon alle Festivals rausgecheckt, die ich besuchen möchte, wuhu) hab ich wieder mal ein Sommerbuch gebraucht und so landete The Rum Diary in meinem Warenkorb.

The Rum Diary spielt genau in der oben erwähnten Welt des Gonzo-Journalismus. Zu Beginn des Buches lernen wir den Journalistem Paul Kemp kennen, der sich durch kurzfristige Jobs über Wasser hält, indem er hier und da einen Artikel für eine Zeitung verfasst. Es ist gerade Winter und der Protagonist seufzt über trübes New Yorker Wetter. Als er schließlich ein gut bezahltes Angebot erhält, verschlägt es ihn nach Puerto Rico, wo er sich zunächst einmal tagelang besäuft. Und überhaupt scheint auf dieser Insel jeder dem Rum verfallen zu sein. Am nächsten Tag trudelt er dann in der Redaktion ein, wo er den den Chef der Zeitung Lottermann, den fatalistischen Fotoreporter Bob Sala und den als verrückt geltenden Addison Yeamon kennenlernt. Durch die Begegnung mit besagten Typen wird der Protagonist in so manche Abenteuer verwickelt, da er auf nicht ganz legale Weise über Casinos, Migranten und Nutten Artikeln schreiben soll und ab und an wird er auch in eine Schlägerei verwickelt. 

Das ganze Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben und schildert einfach die Erlebnisse des Protagonisten, die für die damalige Zeit typisch waren. Der Protagonist fungiert hier sozusgen als Thompsons Alter Ego. In den 60er - Jahre reiste der Autor selbst als Sportjournalist nach San Juan und verarbeitet in The Rum Diary seine Erlebnisse und Eindrücke aus dieser Zeit. Der Erzählstil hat mich an Mafia-Filme erinnert und ich habe irgenwie die Welt, wie sie auch in "The Fellas" oder "Der Pate" gezeigt wird, wiedergefunden. 

Insgesamt fand ich die Handlung dieses Buch nicht besonders spannend, weil nicht viel passiert, außer einer Schlägerei hier und da und das ständig präsente  Saufen, das sich von der erste bis zur letzte Seite durchzieht. Allerdings mochte ich die realistische Schilderung der Insel mit ihren Plätzen und Orten, dem Klima und den Menschen. Das Buch hat irgendwie eine Sehnsucht bei mir ausgelöst und ich wollte unbedingt nach Südamerika reisen. Die Atmosphäre der beschriebenen Zeit ist total lebendig und das Buch ist sehr einfach geschrieben. Eine leichte Lektüre für zwischendurch! Mir fehlte aber leider der Tiefgang! Der Protagonist wirkt oberflächlich und das, was er denkt während er alleine trinkt, hat mehr gelangweilt! Hätte mir einfach insgesamt mehr Tiefgang gewünscht! 

★ ok

Donnerstag, 18. Januar 2018

Die Kameliendame



Die Kameliendame ist wohl einer der schwülstigsten Romane, den die französische Literatur zu bieten hat. Die Franzosen lieben den Pathos und nicht selten enden dann die Romane aus dem Land der Bon Amour recht tragisch und mit viel Drama. Zugegeben ist mir das teilweise zu dick aufgetragen. Als ich dieses Buch unterm Weihnachtsbaum fand, dachte ich still und heimlich, oh! nein, nicht noch ein Dumas! Hat mir doch sein Buch Der Graf von Monte Christo schon einige Probleme bereitet, weshalb ich das Buch dann auch nicht zu Ende gelesen habe. Darüber werde ich eventuell noch rezensieren. Bei dem Buch die Kameliendame hat aber dieser recht pompöse und zur Oppulenz neigende Schreibstil irgendwie ganz gut gepasst. Die Tatsache, dass in der story sogar autobiographische Züge versteckt sind, machte es im Vergleich zum Grafen von Monte Christo dann nicht so unglaubwürdig und abschließend konnte mich das Buch dann auch begeistern. Was es noch über diesen kurzen Roman zu sagen gibt, erfährt Ihr nun in den nächsten Zeilen. 


Dumas liebt den Überfluss. Es kann gar nicht genug Prunk, Geld und Wohlstand in den Büchern vorkommen. So verkehren auch seine Figuren in besseren Kreisen und geben sich ganz und gar ihrer Verschwendungssucht hin. Dass man mit Geld nun alles kaufen kann, sogar die Liebe, von dem erzählt die Geschichte der Kameliendame, die mitunter auch seine eigene ist. In seinen Mittzwanzigern verliebte sich Dumas selbst in eine Kurtisane und so wirkt die erzählte Geschichte dann auch recht glaubwürdig, was man ja seinen anderen Geschichten nicht nachsagen kann.  


Das Herzblatt des Protagonisten heißt Marguerite Gautier, die eine heiß umworbene Kurtisane ist, die man(n) nur mit einer bestimmten Sorte von Blumen beschenken darf, nämlich mit Kamelien. Daher rührt auch der Name des Buches. Marguerite ist zwar nicht von Haus aus betucht, gebildet oder mit den Manieren einer Dame ausgestattet, aber sie hat andere Qualitäten und weiß ganz genau, was zu tun ist, damit Männer in die Spendierhosen schlüpfen. So manch einer ist an seiner Freigebigkeit zu Grunde gegangen, denn Marguerite muss mann sich erstmals leisten können. Davon kann bald auch der Protagonist Armand Duval ein Liedchen singen. Nun ja, es dauert nicht lange, da hat er schon Schulden angehäuft und mit dem Vater einen Zwist angefangen, aber natürlich brennt in Frankreich das Feuer der Leidenschaft umso heißer und so setzt Armand alles aufs Spiel und gewinnt Marguerites Herz, was aber dieses Liebesdrama erst recht ins Rollen bringt. Marguerite versucht fortan ihr Leben zu ändern und mit Armand ein neues Leben zu beginnen. Die Vergangenheit soll ruhen und das Leben der Kurtisane schließlich ihr Ende finden. 

Allerdings macht der Vater ihnen einen Strich durch die Rechnung und Marguerite trennt sich von Armand und kehrt auf Wunsch des Vaters ohne Armand zu informieren in ihr altes Leben zurück. Hui, ja, das gibt Stress. Armand ist daraufhin so verletzt, dass er in tiefe Rache verfällt und Marguerite das Leben zur Hölle macht, bevor er schließlich am Sterbebett ihre wahren Beweggründe für die Trennung erfährt. 

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Die Geschichte ist lebendig geschrieben, bleibt spannend bis zum Schluss und hat die richtige Portion Drama, um nicht zu langweilen oder langatmig zu wirken. Darüber hinaus handelt es sich bei diesem Buch um einen Klassiker, der für sich steht. Es gibt wohl genügend Gründe, weshalb das Buch auch 2018 noch seine Leserschaft findet. Das Leben im Rotlichtmilieu hat auch heutzutage an Faszination nichts eingebüßt und so fragt man sich natürlich, wie denn diese Menschen so leben, was sie tun und den ganzen Tag treiben. Dies war auch im Frankreich des 18. Jahrhunderts nicht anders. Davon erfährt man ganz nebenbei auch so manches. Geschildert wird, wie die Menschen lebten und speisten, womit sie ihre Freizeit verbrachten und wonach sie strebten und trachteten. Ganz spannend fand ich auch die Figuren in dieser Lektüre. Den Protagonisten Armand, der sich ganz seiner Leidenschaft hingibt, für die Liebe alles bereit ist zu opfern und auf der anderen Seite seine Kontrahentin Marguerite, für die zumindest zu Beginn alles nur ein Spiel zu sein scheint, bis sie dann schließlich auch ihrer Leidenschaft verfällt. Und so brennen die beiden für die Liebe und verbrennen sich an diesem Feuer letztendlich. Ein echter französischer Roman halt, was habt Ihr denn erwartet?

Das Buch ist demnach sehr lesenswert und ich hatte es dann in wenigen Stunden durch, weil sich dann Dumas Flammen auch auf mich ausgebreitet haben und ich einfach wissen musste, wie die Geschichte endet und ob diese verheerende Liebe eine Chance hat. Lesen, lesen, lesen! 

★ verschlungen!

Montag, 25. Dezember 2017

Briefe vom Weihnachtsmann


Tolkiens Buch Briefe vom Weihnachtsmann hab ich eigentlich schon letztes Weihnachten bekommen, aber zeitmäßig ist es sich leider nicht ausgegangen, dass ich das Buch dann lese. Und so lag es nun ein ganzes Jahr auf meinem SUB. Als ich dann auf Bellas Blog die Leseaktion zu diesem Büchlein fand, musste ich mitmachen. Das Buch hat mir so gut gefallen und ich hab es sehr gerne gelesen. Aber ich lese Tolkien sowieso schon immer sehr gern und mag seine Geschichte einfach total. Wer noch nie ein Buch von ihm gelesen hat und nur die Filmtrilogien Herr der Ringe und Hobbit kennt, sollte das schleunigst ändern! Ich finde die Bücher um so viel besser als die Verfilmungen!!! Von Herr der Ringe (Film) war ich sogar ziemlich enttäuscht damals! 

Für die Kinder von J.R.R Tolkien war Weihnachten bestimmt eine aufregende Zeit, denn jedes Jahr erhielten sie Briefe vom Weihnachtsmann, die ihnen mit Worten und Bildern vom Leben auf dem Nordpol berichteten. Tolkien hat dabei seine Briefe immer mit lustigen und atmosphärischen Geschichten gespickt, die er sich für seine Kinder eigens ausgedacht hat. 1920 traf der erste Brief bei den Kindern ein und diesem Brief folgend, trudelte dann regelmäßig (20 Jahre lang!!!) Post vom Nordpol ins das Haus Tolkien ein. Wie genial ist das denn bitte? Und auch die Kinder schrieben regelmäßig an den Weihnachtsmann und teilten ihm seine Wünsche mit. Diese Briefe legten sie dann an den Kamin und wenn gerade niemand im Zimmer war, verschwanden sie einfach. 

Inhaltlich drehen sich die Geschichten um den Weihnachtsmann und seine Gehilfen, beispielsweise dem sympathischen Polarbären, der zwar immer etwas ausheckt und dem Weihnachtsmann so manche Probleme einbringt indem er die Vorräte verschlampt oder sich verirrt und dann muss der Weihnachtsmann die ganzen Geschenke selbst verpacken und verladen. Dennoch ist auch diese Figur total liebenswürdig gestaltet. Auch Schnee-Elben, Wichtel und Konolde tauchen in den Geschichten immer wieder mal auf. Dazu gibt es auch immer schöne illustrierte Bilder. 

das Buch enthält alle Briefe und Zeichnungen,
die von 1920 - 1943 vom Autor angefertigt wurden 

Mir hat das Lesen dieses Buches sehr viel Spaß gemacht! Tolkien ist einfach ein Genie und womöglich der beste Geschichtenerzähler, den es gibt! Dieses Buch ist sowohl für Kinder als auch für Erwachsene großer Lesespaß und ich kann mir gut vorstellen, dass ich das Buch nächstes Weihnachten wieder hervorhole und dann darin lese, denn auch dieses Weihnachtsbuch kann kapitelweise gelesen werden. Mit der Veröffentlichung dieses Buches ist Klett-Cotta und der Hobbit Presse ein schöner Streich gelungen, das Buch wird wahrscheinlich auch noch in 10 Jahren verkauft werden, was man ja von vielen Büchern, die heutzutage erscheinen, kaum erwarten kann. 


Tolkiens Buch eignet sich sehr schön zum gemütlichen Lesen, es kann an einem Tag ausgelesen werden und entführt in eine zauberhafte Weihnachtswelt an den Nordpol und berichtet über Elfen, Kobolde, Polarbären und manch andere Winterwesen und ist ganz im Tolkien Stil geschrieben. An manchen Stellen musste ich sehr schmunzeln über  die liebenswürdigen Figuren und die Schreibweise. Wer also Herr der Ringe oder den Hobbit gern gelesen hat, dem wird auch dieses kleine Weihnachtsbuch gut gefallen. 

★ verschlungen!

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Schöne Weihnachtsbücher

Ein guter Mix aus Klassik, Krimis & Märchenhaftem

Ach ich mag Weihnachten einfach total. Meistens kann ich es kaum erwarten bis die ersten Adventmärkte ihre Tore öffnen und das ganze lecker Essen, das es dann gibt, ist einfach unschlagbar. Auch die Gemütlichkeit, die mit dem Weinter und dem Advent einkehrt, ist mir mehr als willkommen. Kuschelige Decken, Duftkerzen und lauschiges Licht von geschmückten Häusern und Bäumen, dazu ein heißes Getränk oder ein wohltuendes Schaumband mit einem Buch in der Hand, das kann schon was. Was ich allerdings nicht mag, ist der Kitsch, weshalb ich immer darum bemüht bin, meine Weihnachtsdeko so minimalistisch wie möglich ausfallen zu lassen. Zu viel Krimskram kann ich nicht leiden! Das bezieht sich auch auf Geschenke. Meistens schenke ich nur Bücher her und freue mich auch sehr, wenn ich selbst welche geschenkt bekomme. Für dieses Jahr habe ich mich aber schon selbst mit Büchern beschenkt und mir einige schöne Weihnachtsbücher zum Lesen zugelegt. 

Vielleicht ist auch für Euch was dabei ;) Einige habe ich ja schon in den letzten Tagen vorgestellt, einige werde ich aber erst am Weihnachtsabend lesen. 



Mit dem Buch Christmas with the Savages hatte ich letzte Woche schon gemütliche Lesestunden und kann das Buch wirklich sehr empfehlen. Es ist eine lauschige Weihnachtsgeschichte, die sich an einem Tag lesen lässt, weil das Buch nur knappe 180 Seiten hat und mit einigen schönen Illustrationen versehen ist. Die komplette Rezension kann hier nochmals nachgelesen werden. Auch Dickens Wintergeschichten haben mir viel Spaß gemacht. Am Kamin kann schön kapitelweise gelesen werden, weil die Geschichten nicht zusammenhängen und außerdem eignen sich die Erzählungen auch zum Vorlesen. Die ausführliche Rezension ist hier nochmals abrufbar.

Seit Anfang Dezember lese ich Tolkiens Buch Briefe vom Weihnachtsmann und tausche mich dazu regelmäßig in einem Forum aus. Die Aktion fand ich auf Bellas Wonderworld Blog.  Bellas Leserunde war wie eine Art Adventskalender, wo jede/r bis zum Heiligen Abend nur ein Kapitel aus dem Buch lesen durfte. Bald ist das Buch also ausgelesen, vielleicht schaffe ich es ja dann die Rezension am Heiligen Abend auf dem Blog zu veröffentlichen. 

Ein Buch, das ich mir über die Feiertage vorgenommen habe, ist Little Women, das in Amerika ein Klassiker ist. Das Buch spielt um die Weihnachtszeit herum und ist im Deutschen unter dem Titel Bettys Schwestern zu finden. Die Geschichte erzählt vom Leben dreier Schwestern, die um die Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges leben und behandelt viele sozialkritische Themen, wie Armut, Habgier und Neid. Auf dieses Buch bin ich schon sehr gespannt, denn über diesem Aspekt soll es auch sehr weihnachtlich sein. 

Auf meinem Stoß an Weihnachtsbüchern dürfen auch weihnachtliche Krimis nicht fehlen. Da greife ich dann sehr gerne auf alte Britische Krimis zurück. Sie enthalten immer eine große Portion Nostalgie und meistens sind dann auch immer alle Familienmitgliedern zum Fest versammelt und der Leser bekommt viel weihnachtliche Stimmung ab, bevor das Buch dann mittels Wendung (die eben durch den Mord passiert) in einen Krimi übergeht. Georgette Heyer mag ich als Erzählerin sehr gerne und als ich im English Bookshop dann ihr Buch A Christmas Party entdeckte, musste es einfach mit. Mir gefiel das Umschlagbild schon so gut. Ich freue mich also schon darauf mit Inspector Hemingway von Scotland Yard auf die Suche des Mörders zu gehen. 

Bei alten englischen Krimis darf natürlich auch mein Lieblingsdetektiv Hercule Poirot nicht fehlen. Ich finde den Titel schon allein so britisch. The Adventures of the Christmas Pudding verspricht also wieder eine gemütliche Weihnachtserzählung zu werden, die sich auf einem alten englischen Gut abspielt und da erwarte ich mir allerlei Leckereien, wie Christmas Pudding. 

Neil Gaimans Buch Norse Mythology ist zwar nicht weihnachtlich, aber es passt trotzdem gut in diese Zeit. Ist denn die Weihnachtserzählung von Jesus, Maria und Josef nicht auch nur ein schöner Mythos? Die anderen Gaiman Bücher haben mich inhaltlich nicht so angesprochen, aber nordische Mythologie liebe ich sehr und habe diesbezüglich schon einiges gelesen. Umso gespannter bin ich also auf Neil Gaimans Version der Göttersagen und erhoffe mir, einmal zur Abwechslung nicht immer die üblichen Stories zu finden, sondern vielleicht etwas, das ich noch nicht so kenne. 

Und weil ich von Dickens einfach nie genug kriegen kann, hab ich am 13. Dezember dann zum Geburtstag diese schöne Penguin Clothbound Ausgabe von A Christmas Carol and other Christmas Writings bekommen. Darüber habe ich mich auch wahnsinnig gefreut. Zwar habe ich schon eine schöne Ausgabe vom Barnes & Noble Verlag der Weihnachtsgeschichte von Dickens, aber irgendwie wollte ich auch die vom Penguin Verlag dann haben. Mir gefallen weiße Bücher so gut und bei Leineneinband kann ich sowieso nie widerstehen. 

Habt Ihr schon eines der von mir vorgestellten Bücher gelesen oder lest Ihr total andere Lektüre zur Weihnachtszeit? Mich würde interessieren, welche Geschichten Euch die Weihnachtszeit versüßen. 

Montag, 18. Dezember 2017

Am Kamin (Wintererzählungen)

Aufbau Verlag / 5.Aufl. 2015 / 269 Seiten

Nachdem meine Spiegelreflexkamera nun endgültig den Geist aufgegeben hat, gibts hier mal vorerst (und schon seit einiger Zeit, wie vielleicht dem einen oder der anderen aufgefallen ist) Handyfotos. 

Ich bin einer der größten Dickens-Fans, den es gibt. Schon als Kind liebte ich seine Geschichten sehr, weshalb es für mich kein Weihnachten gibt ohne Geschichten des in Landport geborenen Schriftstellers. Dickens wuchs in armen Verhältnissen auf, weshalb sich seine Erzählungen meist der niederen Schicht des viktorianischen Englands widmen. Kinderarbeit, Hunger, Not und Armut sowie Kriminalität sind der Stoff aus dem die Erzählungen gewebt sind. Zumeist enden die Geschichten dann wie es in der viktorianischen Literatur oft der Fall ist, mit moralischen Weisheiten und Belehrungen. Ich mag sowas einfach. Dickens Tiefgründigkeiten und das Trachten nach Gerechtigkeit und die lebenslange Sehnsucht nach einer menschlicheren Gesellschaft gefallen mir einfach total gut, weil ich persönlich vielleicht dieselben Werte teile. 

Weihnachten am Kamin vereinbart zumeist Dickens Shortstorys, die durch das Werk Complete Ghost Stories erstmals an die Öffentlichkeit gelangten. Und wie man schon aus dem Namen herauslesen kann, sind viele dieser Erzählungen Kurzgeschichten, die dem gothic novel Genre zuzuordnen sind, da kann es dann schon mal vorkommen, dass Kobolde einen griesgrämigen Totengräber entführen und diesen zur Reue zwingen. Auch wird der Tod in einer anderen Geschichte personifiziert und ganz in der Dickens-Manier (die immer einen Hauch Humor innehat) hat es sich dieser zur Aufgabe gemacht, einen Verzweifelten von der Schönheit des Lebens zu überzeugen. 

So begegnen wir in diesem schönen Büchlein 12 Geschichten, die sich Leute in England um die Weihnachtszeit erzählten, während man sich versuchte am Kamin zu wärmen, denn zumeist war nur ein Raum beheizt und die Menschen im 18. Jahrhundert mussten eng zusammen rücken, wenn sie den Winter überleben wollten. Die Winter waren damals lang und kalt und viele hatten nichts zu essen und mussten  die Zeit bis zum Sommer und den Tagen, wo es wieder wärmer werden sollte, mit Geschichten totschlagen. 

Neben der Geschichte mit den Kobolden und dem Totengräber fand ich die Erzählung von den vier Gespenstern sehr lesenswert. Sie hat irgendwie auch einen mystischen Touch  und handelt mitunter von einer edlen geheimnisumwitterten Dame, die einem Künstler bei der Zugfahrt begegnet und ihn bittet, ein Portrait von ihr zu malen. Es stellt sich dann heraus, dass sie einer, der vier Geister ist. 

Wirklich weihnachtlich ist aber fast keine der Geschichten. Natürlich wird Weihnachten hier und da erwähnt, bleibt aber vermehrt im Hintergrund. Vielleicht liegt ein Duft nach gerösteten Kastanien und anderen guten, gemütlichen Dingen in der Luft, denn es sind ja Wintergeschichten, aber man könnte das Buch auch an jedem anderen Tag lesen. 

Fazit: 

Mich haben Dickens Erzählungen wieder in das viktorianische England entführt und ganz im Stile dieser Zeit handeln die Geschichten von Geistern und Toten, von Armut und Magie. Sie sind konzipiert Spannung und Staunen zu verbreiten und man kann sie sehr gut vorlesen aber auch allein lesen, außer man hat Angst vor Gespenstern :) 

★ verschlungen!
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