Montag, 16. Oktober 2017

Die Hexen von Eastwick

343 Seiten / Hrsg. 1984 / a Fawcett Crest Book Verlag

Im Herbst lese ich gerne mysthische Bücher. Hexen, Zauberer und alle möglichen Fantasyfiguren dürfen dann gerne in den Geschichten auftauchen und ihr Unwesen treiben. Irgendwie ist der Oktober auch ein magischer Monat, die Blätter fallen von den Bäumen, es wird schon recht früh dunkel, über den Baumkronen liegt in der Früh der Nebel und an mancherort gibt es schon den ersten Frost. Dann kann man es sich zu Hause gemütlich machen mit einem Schmöker und Tee und Kuchen. John Updikes Buch Die Hexen von Eastwick kommt da sehr gut in Frage. Mit der bekannten Verfilmung, die immer zu Halloween in Fernsehen ausgestrahlt wird, hat dieses Buch übrigens nur sehr wenig gemein. Im Film wurde lediglich das erste Kapitel übernommen und auch das ist nicht deckungsgleich mit der von John Updike erzählten Geschichte.

Der Inhalt des Buches ist eigentlich schnell zusammengefasst: Die drei Hexen Jane, Alex und Sukie sind alle geschieden und fristen ein langweiliges Dasein in der kleinen idyllischen Stadt Eastwick  vor den Toren von Neuengland.  Alle drei verfügen über magische Kräfte, die auch immer wieder eingesetzt werden. So beschwört zum Beispiel Alex ein Gewitter, um den Badestrand von Jugendlichen zu räumen und ihn ganz für sich und ihren Hund zu haben.

Glücklich mit ihrer Situation ist keine von ihnen und so sind sie eigentlich stets auf der Suche nach einem potenziellen Ehemann, bis eines Tages der Kunstsammler Daryl van Horne in die Nachbarschaft zieht und das Lenox-Herrenhaus in Eastwick kauft. Er scheint der Mann zu sein, auf den jede der Hexen gewartet hat, und deshalb fangen sie alle etwas mit ihm an. Als die erwachsene Tochter eines Liebhabers der Hexe Sukie, Daryl heiratet, bringen die drei Hexen das Mädchen aus Eifersucht auf magische Art und Weise mit einer Voodoo-Puppe um. Aber das ist nicht alles, schließlich handelt es sich bei diesem Buch um eine amüsante Tragikomödie und es stellt sich heraus, dass der potenzielle Ehemann eigentlich in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Generell bringt der neue Nachbar einigen Zwist in das Leben der Hexen und so beschwört sich schließlich jede ihren eigenen Mann herbei, was natürlich einige Probleme mit sich bringt. 

Das Buch stellt einen kritischen Beitrag zur Frauenbewegung dar. Der feministischen These folgend, dass dem Erfolg und Glück der Frauen letztlich nur ihre Abhängigkeit von den Männern im Wege steht, ließ John Updike seine drei Hauptfiguren nicht an diesem Umstand verzweifeln, sondern versetzte sie mit magischen Kräften und einer ordentlichen Portion Frauen-Power. Zwar ist jede der Hexen geschieden, aber auf Sex will dennoch keine von ihnen verzichten, so fangen sie im Laufe der Erzählungen einige Affären mit verheirateten Männern an und bringen viel Chaos in das Leben der Eastwicker. Und wie es nun einmal ist, werden die Hexen in ihrem Tun immer skrupelloser und nutzen ihre Macht schamlos aus. Hier wird quasi ein Statement gesetzt, das auch das weibliche Wesen in Frage stellt. Denn Macht kann auch in Frauenhänden zu Chaos führen. Generell kommt mir das von ihm gezeichnete Frauenbild etwas übertrieben vor, denn bei Updike ist irgendwie jede Frau ein triebgesteuertes Wesen, das keinen Tag ohne Sex überleben kann. Eigenartig wird auch das freundschaftliche Verhältnis unter den Frauen dargestellt, so als ob Freundschaft zwischen Frauen gar nicht erst möglich wäre, da ja sowieso alle nur in Konkurrenz stehen um einen Mann. Vielleicht war aber diese so betonte Übertiebenheit beabsichtigt, das kann ich aber im Nachhinein als Leserin nicht beantworten. Was weiters an den Charakteren als eigenartig vernommen werden kann, ist, dass sie manchmal in Selbstgesprächen verharren und über Dinge sinnieren, die wohl kaum jemand im echten Leben denken würde. Nun ja, im echten Leben gibt es aber auch keine Hexen mit Zauberkräften. 

Was an diesem Buch besonders heruassticht, ist die dichte Erzählweise des Autors, die konstant beibehalten wird bis zur letzen Seite. Da ich hier die englische Originalausgabe habe, möchte ich noch kurz erwähnen, dass dieses Buch als Nicht-Native-Speaker etwas anspruchsvoll zu lesen ist und teilweise musste ich sehr oft nach Vokabeln googlen, die so nicht in meiner Alltagssprache vertreten sind. Auch hatte ich so manches Problem beim Feststellen, welche Person nun gemeint ist, da das Buch so anfängt, dass der Leser sofort mitten im Geschehen ist, ohne dass die Personen wirklich vorgstellt werden. Erst mit dem Fortlaufen der Handlung gelingt es dann die drei Protagonistinnen voneinander zu unterscheiden. 

Insgesamt bleibt Die Hexen von Eastwick aber eine amüsante Lektüre, die im Herbst spielt und einige Überraschungen parat hält. Die Figuren in diesem Buch sind sehr eigenartig, triebgesteuert, übertrieben selbstbewusst und schlittern doch in von ihnen eigens verursachte Miserien. Da man aber die Lektüre nicht so ernst nehmen kann, übersieht man das gerne und an manchen Stellen verliert sich Updike in sprachlichen Beschreibungen, die etwas übertrieben wirken, das sei ihm aber verziehen.

sehr lesenswert :)

Donnerstag, 12. Oktober 2017

M Train - Erinnerungen

Kiepenheuer&Witsch / März 2016

Wenn ich Patti Smiths Buch M Train mit einem Satz beschreiben müsste, dann käme vermutlich something with meaning über meine Lippen. Ich kann gar nicht wirklich sagen, warum ich dieses Buch letztendlich lesen wollte, denn ich bin kein wirklicher Fan von Patti Smiths Musik. Leser meines Blogs dürften allerdings mitbekommen haben, dass ich sehr gerne Memoiren lese und nachdem ich mir im Internet einige Kurzbeschreibungen zum Inhalt durchgelesen hatte, wollte das Buch dann nicht mehr ausgelassen werden. Tatsächlich liest sich diese 328 lange Lektüre wie eine Art Tagebuch und indirekt lernt man durch das, was Patti Smith hier zu Papier gebaracht hat auch die Person der Smith genauer kennen. Man muss also kein Fan von Patti Smith sein, um diese Lektüre zu lesen und gut zu finden. 

Als hätte Patti Smith dem punk-lifestyle ewige Treue geschworen, schreibt sie hier frei nach Schnauze und ohne irgendwelche literarischen Regeln zu befolgen einfach über das, was ihr so in den Kopf fällt. Die 18 Kapiteln wirken dabei wie zusammengefasste Notizen, die sie während sie irgendwo auf den Bus warten musste oder ähnliches nieder geschrieben hätte. Und durchaus ist das Buch auch so entstanden, denn das meiste wurde in einem Cafe verfasst, während Patti mutterseelen allein mit ihren Gedanken und einer Schale Olivenöl, Toast und Kaffee über ihr Leben und die Welt sinnierte. Es ist ein echter Zeitroman, der Einblicke in die verschiedensten Abschnitte von Patti Smiths Leben enthüllt, das vom Standpunkt einer fast 70-Jährigen in die Vergangenheit führt, aber auch im Hier und Jetzt ist die Reise der Autorin nicht vollendet.  Stets wundert sie sich über das Leben und versucht auch als alte Frau es noch irgendwie zu begreifen. Und sosehr wir teilhaben an der Melancholie einer Frau, deren ganzes Leben bereits verpufft ist, sosehr ist dieses Leben doch auch voller Schönheit und Memories. Und dabei schreibt Patti eigentlich nur über ihre Leidenschaft zum Kaffee, zur Literatur und Büchern, die sie selbst las und nicht missen möchte und über Krimiserien. Immer wieder beteuert sie, wie schwer es ist über nichts zu schreiben und doch ist dieses Nichts, etwas, das voll gepackt ist mit Erinnerungen, Emotionen, Leidenschaft und Trauer. So kann ein einfacher schwarzer Mantel, versetzt durch eine eigene Biographie, doch schon etwas ganz Besonderes werden. 

Foto-Credit: New York Times

Wer schon einmal einen Songtext von Smith aufmerksam gelesen hat, der weiß, dass ihre von der Beat-Generation beeinflussten Texte und Gedichte wirklich gut geschrieben sind. Eine echte Poetin, mit der richtigen Denkweise. So erzählt sie auch in M Train manchmal verklärt, manchmal simple und dann wieder wortreich und mit der richtigen Portion Gefühl über Frida Kahlo, das Reisen, die Liebe, William S. Burroughs, die Bronte-Schwestern und eigentlich alles, das sie zu der Person gemacht hat, die sie nun mit fast 70 ausmacht. Smith hat irgendwie ein totales Gespür für den Klang und die Magie der Worte, nicht umsonst wurde sie für das synkopische Vertonen ihrer Texte  in der Musik so gefeiert. 

Mir hat Pattis Buch sehr gut gefallen, ihre Denkweise und ihr Leben sind total interessant, sie muss eine echt coole Persönlichkeit sein. Keines der 18 Kapiteln ist langweilig und eher kurz gehalten. Man ist mit der Lektüre relativ schnell durch, da es einfach angenehm geschrieben ist und oft Raum nach oben bleibt. Nach dem ein oder anderen Kapitel legt man mal ein Päuschen ein und schweift selbst zu den von Patti geschilderten Themen ab. Von mir gibt es für dieses Buch eine klare Leseempfehlung!

verschlungen!

Dienstag, 26. September 2017

Stockholm im Herbst

Ein paar Metrostationen außerhalb vom Centrum entfernt, findet man idyllische Plätzchen in Stockholm

Hej, hej! Vergangene Woche war ich in Südschweden unterwegs. Als ich im hohen Norden ankam, wurde ich von einer recht herbstlichen skandinavischen Landschaft begrüßt. Auf dem Weg vom Flughafen in das Stadtinnere hatte der Nieselregen die schwedische Hauptstadt in einen düsteren Ort verwandelt, das machte der Stadt aber nichts, denn Stockholm sah auch verregnet total schön aus!!. Was ich  so alles gemacht habe dort, erfährt ihr in den nächsten Zeilen.  

Stockholm einmal anders

Das verregnete Wetter lud am ersten Tag zum Bummeln ein. Mit neuen Lederstiefeln und schwarzem Regenschirm trottete ich also in der Stadt herum und ganz schnell wurde mir bewusst, warum die Stadt als Venedig des Nordens betitelt wird. Über zahlreiche kleinere und größere Brücken sind ganz viele Inseln miteinander verbunden und diese ergeben dann die Stadt. Das ergibt ein ganz eigenes Feeling und macht die Stadt total einzigartig finde ich. So lief ich erstmals planlos herum und mischte mich unters Volk, das ist meiner Meinung nach auch die beste Möglichkeit, um die Gegend zu erkunden. Mir fielen gleich die vielen schicken Cafes auf und als meine Füße schließlich müde wurden, nahm ich in Waynes Coffe Platz. Für ca 100 Kronen gibt es einen großen Bio-Kaffee und ein leckeres Bio-Sandwich mit Bio-Salat und Dressing. Sehr lecker!!!


Waynes Coffee ist aber nur eines von vielen Kaffeehäusern in der Stadt, schließlich ist Schweden auf Platz 2 des weltweiten Kaffeekonsums hinter Finnland und so braucht man nirgendswo ein Cafe suchen. Das Espresso House, Schwedens Antwort auf Starbucks, hat allein in der Innenstadt über 17 Filialen. Kaffeetrinken hat in Schweden eine große Tradition und unter dem Begirff Fika findet sich eine eigene Kaffeekultur wieder. Sowohl in der Arbeitswelt als auch privat wird mehrmals täglich Fika gemacht, also Kaffeepause. Man verabredet sich dann in einem der vielen Kaffees oder ladet Freunde und Bekannte nach Hause ein. Zum Kaffee serviert man dann kleine schwedische Köstlichkeiten und vor allem Kuchen ist beliebt. Kanelbulle (Zimtschnecken), Kladdkaka oder Marodskaka sind typische Kaffeekränzchen Begleiter. Mir ist auch aufgefallen, dass viele Jugendliche Fika machen,  das ist in Schweden nicht nur etwas für alte Omis mit Stricksachen.

Am späten Nachmittag ging es dann für mich in die Långholmsgatan 42 für ein Treffen mit meinen schwedischen Freunden. Dort befindet sich die Lions Bar. Für gewöhnlich ist das Biertrinken in Skandinavien ein teurer Spaß, für ein kl. Bier zahlt man da schon mal 6 - 7 Euro. Nicht aber in der Lions Bar. Ich war total erstaunt, als die freundliche Kellnerin uns das Bier, um umgerechnet knappe 3,50 € servierte. Weitere preisgünstige Bars und Pubs in Stockholm findet man unter diesem Link.

Am nächsten Tag war ich am Abend wieder verabredet und wollte auf ein Konzert gehen. Davor hatte ich aber noch den ganzen Tag Zeit, mir etwas in der Stadt anzusehen. Über der Stadt hing noch der Nebel, aber nach und nach brach dann schließlich doch die Sonne durch. Die Altstadt, mit dem bekannten Viertel Gamla Stan, entpuppte sich als ein Touristenparadies, wo es an diesem Tag nur so von Menschen wimmelte. Ich mag das ja eher nicht so. Also verließ ich das Treiben nach einem kurzen Spaziergang wieder und beschloss was essen zu gehen. In Gamla Stan gibt es ganz viele kleine Kunstläden, Spezialwaren, Porzellanläden und ganz viele hippe kleine Bars und Restaurants. Empfehlen kann ich darunter Barrels Burger & Bier (da sollte man übrigens nicht übersehen, dass man warten sollte, bis einem ein Platz zugeteilt wird) und das Geronimo's FGT. Letzeres überzeugt vor allem durch die schöne Einrichtung, die an ein amerikanisches Diner mit Rock n Roll Flair ala Pulp Fiction erinnert. Auf der Karte gibt es verdammt leckeres veganes Mexian Food, Cocktails und zu später Stunde trällert man Karaoke-Songs bis spät in die Nacht. Das Geronimos ist aber auch unter den Locals sehr beliebt und deswegen sollte man nicht versäumen einen Tisch zu reservieren. Ich war mit einem Bekannten dort und wir sind bei der Bar gesessen, das aufgrund der oberhalb ausgestopften Eulen auch seinen eigenen Flair hatte. Vegan und ausgestopfte Tiere? Soll einmal einer die Hipster verstehen !


Einen Spaziergang ist auch die Museumsinsel Djurgården wert. Hier hab ich sehr viel Zeit verbracht. Auf Djurgården befinden sich alle großen und wichtigen Museen der Stadt. Das Nordisk Museum, das Vasa Museum, das Biologiska Museum, Skansen und viele mehr. Man könnte einen ganzen Tag hier verbringen und von Museum zu Museum hoppen. Da meine Zeit begrenzt war, hab ich mir nur das Vasamuseum angesehen, das das bekannte Vikingerschiff beherbergt. Auf meiner Liste wäre auch das schöne Biologiska Musett gewesen, es hatte aber leider geschlossen. Wie mir ein Bekannter erklärt hat, soll es in nächster Zeit auch geschlossen bleiben, da es keinen wirklichen Führer mehr findet, der alte Herr, der es bis dato in seine Hände nahm, ging leider in Pension. Nichtsdestotrotz lohnt es sich dort vorbeizuschauen, weil das Museum komplett aus Urwaldholz besteht und das große Eingangstor verzaubert mit den alten Schnitzereien im wikingerzeitlichen Kunststil, der der nordischen Mythologie huldigt. Das schöne Museum wurde 1893 vom Konservator Gustav Kolthoff gegründet und ist vom Architekten Agi Lindgren  im Stile einer Stabkriche  entworfen worden.

wunderschöne Schnitzereien zieren das große Eingangstor des Museums
Eine Insel weiter liegt entlang der Strandvägen das Restaurant- und Museumsschiff Ångbåtsbryggan im Hafen. Entlang der Strandvägen lässt es sich flanieren, viele kleine Strandbars säumen den Hafen. Im Sommer pulsiert hier das Leben. Während ich in Stockholm war, hatten die Strandbars aber fast alle geschlossen. Aber ich mag Schiffe und Meer und bin dort gern rumspaziert.

 
Den Abend hab ich wieder mit Freunden in einigen Bars verbracht. Wer gerne Metal & Rock hört, der sollte im Pub Anchor oder im Coppendales vorbeischauen. Allerdings liegen hier die Preise für Bier bei 6€ für ein Pint. Stockholm hat eine große Musikszene, so spielen eigentlich fast täglich irgendwo Bands ohne dass man dafür Eintritt zahlen muss. Apropo Bands, ich konnte es mir natürlich nicht nehmen lassen beim Grab vom ehemaligen Sänger der Black Metal Band Bathory vorbeizuschauen. Der Friedhof befindet sich vom Stadtzentrum Gamla Stan ungefähr 7 Stationen mit der Metro in Richtung Sandsborg. Grüne Linie - Nr. 18. Der Sänger teilt sich dort das Grab mit weiteren Familienmitgliedern und es liegt in der Nähe vom Eingang, Bereich 1. Auf der Homepage www.findagrave.com wird einem im Falle des Nichtfindens weitergeholfen :)


Ich war 4 Tage in Stockholm und hab mich ein bisschen in die Stadt verliebt. Stockholm bietet viel Sehenswertes und die Menschen sind sehr entspannt dort. Ich habe viele neue Leute kennengelernt und viel Party gemacht, viel gesehen, viel angeschaut, mich verliebt und tättowieren lassen :) Eine Erinnerung, die für immer bleiben wird. Stockholm ich komme wieder, vielleicht schon im Winter :) 

Collect memories not things!

Mittwoch, 13. September 2017

Seven Gothic Tales

Penguin Verlag / first published 1934 / Republished 2003 / 364 Seiten

Hand hoch, wer hätte gewusst, dass Isak Dinesen oder wie sie wirklich hieß, Karen Blixen die Autorin von Jenseits von Afrika ist? Ich muss gestehen, ich wusste es nicht. Ihr Buch 7 Gothic Tales habe ich beim Stöbern auf thebookpeople.com gefunden. Es war mir völlig unbekannt, aber nach dem Lesen der Kurzbeschreibung, ließ ich mir das Buch dann bequem per Post zukommen und erhielt dann wenige Tage später eine gebrauchte Ausgabe, die sogar mit dem Originalstempel des Karen Blixen Museeum (Dänemark) versehen ist. In Wirklichkeit handelt es sich bei diesem Buch aber gar nicht so ganz um "gothic tales", denn es beinhalten eigentlich nur ganz wenige Geschichten dann auch tatsächlich Elemente dieses Litaraturgenres. Tatsächlich sind es mehr phantastische Geschichten, da ist dann zur Abwechslung mal die deutsche Übersetzung 7 phantastische Geschichten viel treffender als der original englische Titel. Karen Blixen schrieb diese Geschichten nicht in ihrer Muttersprache Dänisch, sondern wählte bewusst Englisch als Erzählsprache. Was es sonst noch über dieses Buch zu sagen gibt, erfährt Ihr nun in den folgenden Zeilen: 

Irgendwie ist es gar nicht so einfach dieses Buch zu bewerten. Als Leserin fühle ich mich aber leider in die Irre geleitet und muss deswegen schon einfach mal überlegen, wie ich das Buch nun bewerte. Nun ja, es befinden sich 7 Geschichten darin, wovon mir gerade mal 2 wirklich gefallen haben.

Den Einstieg macht die Erzählung The Roads Round Pisa, die sich auf 52 Seiten erstreckt. Ich fand die Geschichte sehr verwirrend und hätte sie nicht als Einstieg in das Buch gewählt. Erzählt wird die Geschichte von einem impotenten Prinzen, der seine Stellung gefährdet sieht, weil er seine Gattin betreffend Liebesglück nicht ganz zufrieden stellen kann. In seiner Miserie sucht er seinen Freund Graf Nico auf, den er dann für Liebesangelegenheiten in die Dienste seiner Frau stellt. Komischerweise trifft aber die besagte Dame derselbe Geistesblitz und an ihrer Stelle liegt eine Freundin für sie im Bett. Der Graf aber lässt sich nicht täuschen und wirft seinem Freunde vor, sich nicht an die Abmachungen gehalten zu haben und der Prinz, der sich irnoischerweisee Prince Potenziani nennt, wird aufgefordert sich zu duellieren. Die Geschichte ist in 9 kleinere Unterkapitel unterteilt und gibt in jedem Kapitel die Sicht aus der Perspektive einer anderen Figur wieder. So eröffnet das erste Kapitel (The smelling-Bottle) die Welt des Prinzen Potenziani. Ich habe diese Geschichte wie bereits erwähnt etwas verwirrend empfunden und es war nicht so leicht dem Plot zu folgen. Auch dass die Geschichte in Italien spielt und eher ohne das typische Setting für gothic novels, bestehend aus regnerischen Tagen, einsamen Landschaften oder verlassenen Schlösser, auskommt, hat mich gestört und ich empfand die Geschichte irgendwie in einem Buch, das sich 7 gothic novels nennt, als Fehl am Platz.

Mehr diesem Literaturgenre ensprechend ist dann die nächste Geschichte, die mir auch am besten gefallen hat. The Old Chevalier handelt von einer tragischen Liebe, wobei aber feministische Aspekte in den Mittelpunkt treten. Mit der Schilderung eines verregneten Paris um 1987  wird man in die Geschichte eingeführt. Ein junger Mann trifft auf der Straße eine geheimnisvolle Frau, die gehüllt ist in die schönsten Kleider dieser Zeit. Dem Leser bzw der Leserin wird die Frau als unschuldige, bezaubernde, junge Frau mit engelhaftem Wesen vorgestellt. Völlig von dieser Frau in den Bann gezogen, nimmt der Mann sie in sein Apartment mit und bemerkt, dass ihre Kleider völlig durchnässt sind. Dann umschreibt Karen Blixen die zarten Stoffe, die Mieder, das Korsett und die Geschichte verwandelt sich, wie auch schon die vorherige, in eine erotisch literarische Erlebnisphantasie. Nachdem die beiden ein Liebsabenteuer gemeinsam verbringen, lässt die junge Frau den Mann ohne irgendwelche Emotionen zurück und verschwindet im Dunkeln der Nacht. Was bei dieser Geschichte auffällt, ist wie selbstbewusst die junge Frau sich dann letztendlich entpuppt. Für mich war diese Erzählung besonders stimmig. Ein verregnetes Paris, alte Kleider, Kerzenschein, eine misteriöse Frau und ein Wein von dunklem Rot, hier hat einfach alles gepasst und ich habe das von mir so geliebte gothic novel setting bekommen, das ich auch von diesem Buch erwartet habe.

Auch die nächste Geschichte The Monkey verdient mehr denn alle anderen das Attributiv gothic. Sie handelt von einer Priorin, die ganz im Stile des faustischen Paktes ihre Seele an den Teufel verkauft und so machens einbüßen muss. Leider hat mich diese Geschichte irgendwie gelangweilt, bzw fiel es mir einfach schwer mich auf die Geschichte einzulassen und ihr zu folgen, was mitunter ein Grund dafür war, dass ich sie dann letztendlich abbrechen musste. Dies war auch bei der folgenden Geschichte The Deluge at Norderney notwendig, die von einer Flut handelt und mehr dem Fantasy-Genre entspricht.

The Supper at Elsinore hingegen präsentiert wieder eine Gothic-novel-Erzählung par excellance. Sie schildert die Begebenheit zweier Schwestern, die sich eines Abend mit dem Geist des verstorbenen Bruders Mortin unterhalten. Erzählt werden seine Abenteuer als Pirat und Waffenschmuggler  auf hoher See. Die Geschichte kontrastiert die Leben der beiden Schwestern Elizabeth und Fanny, da Fanny nie ein wirklich aufregendes Leben hatte und macht deutlich, dass Erlebnislücken auch mittels fiktiver Erzählungen gefüllt werden können. Man muss quasi nicht selbst auf Abenteuer gehen, um ein abenteuerliches Leben zu führen. 

Den Abschluss des Buches machen dann die Kurzgeschichten The Dreamers und The Poet. In ersterer tauchen wir ein in das tragische Leben einer Opernsängerin oder Diva, die ihre Stimme nach einem Hausbrand verliert und danach unermüdlich auf der Suche nach einer neuen Identität durch die Welt zieht. Am Schluss stirbt die Helding nach einigen gelebten Abenteuern und am besten findet man selbst heraus, welche Identität sie letztendlich dann annimmt. The Poet war die zweite Geschichte, die mir wirklich gefallen hat, weil sie von einer tragischen Liebesgeschichte ganz im Stile Shakespeares handelt. 


Fazit: 

Irgendwie konnte mich das Buch nicht vollkommen begeistern. Zu weit entfernt vom angekündigten Genres bewegen sich die meisten Geschichten darin. Auch konnte ich bei der ein oder anderen nur vage die Handlung erschließen, da sie mich verwirrt zurückließen. Loben kann ich zwei Erzählungen in diesem Buch, wobei The Old Chevalier mein Favorit bleibt. Karen Blixens Schreibstil hat mir zwar gefallen, aber ich hätte mir für dieses Buch dann einfach mehr Gothic-Novel-Elemente gewünscht. 

  naja...

Donnerstag, 24. August 2017

Madame Bovary


Flaubert muss wohl im Geheimen ein Misanthrop gewesen sein. Wer Flaubert schon gelesen hat und dennoch der Meinung ist, dass der Mensch auch Gutes in sich bewahrt, dem kann ich fast nicht glauben. Flaubert lebte immer sehr zurückgezogen und pflegte längerfristig betrachtet als einzigen sozialen Kontakt den Briefwechsel zu seiner damaligen Liebschaft. Recht früh verschrieb er sich der Analyse der tiefen Abscheu vor der Menschheit und schrieb in seinen Büchern immer wieder über sie. Dass gerade auch sein Roman Madame Bovary zu seiner Zeit einen Skandal ausgelöst hat und gegen die guten Sitten verstoßen hatte (Flaubert musste dafür ins Kittchen), können Leser aus diesen Tagen wohl kaum mehr nachvollziehen. Nichtsdestotrotz hat es dieses Buch mit seinen so ausgeprägt gestalteten Figuren in sich. Nichts an Madame Bovary ist leichtfüßig oder beiläufig. Jeder Satz macht Sinn und wurde an der richtigen Stelle platziert und formuliert. Man könnte meinen, das Buch ist wie eine Symphonie komponiert worden!

Inhalt:

Der 1857 veröffentlichte Roman Madame Bovary schildert die Liebschaften der gelangweilten Arztgattin Emma Bovary und zählt zu den kritischen Gesellschaftsromanen. Die erzählte Zeit ist um 1900 (also eigentlich 1800) angesetzt und spielt sich in der Normandie ab. Die Protagonistin, eine junge und verträumte Frau, heiratet ganz naiv den biederen Landarzt Charles Bovary in der Hoffnung auf ein beschauliches Leben. Aber schon bald nimmt ihr die Ehe die Luft zum Atmen und die junge Emma flüchtet sich in die berauschende Scheinwelt der Literatur. Ohne Ahnung und Aufklärung wie denn so eine Ehe im Alltag verläuft, wird Emma immer trauriger darüber, dass ihre Ehe nicht so ist wie in den Büchern, die sie liest. Um die innere Leere zu füllen, stürzt sie sich in Liebesabenteuer, die aber letztendlich nicht das gewünschte Glück bringen von dem sie insgeheim träumt und der Leser bekommt ab ca der Mitte des Buches mit wie Emma geistig und körperlich verfällt und schließlich freiweillig aus dem Leben scheidet.

Meine Meinung:

Madame Bovary ist ein sehr gutes Buch, das aber vermutlich nicht jeden Leser glücklich machen wird. Flaubert ist mit diesem Roman zumindest für mich ganz große Literatur gelungen und zwar im Stile der alten Schule. Wem Paranthesen, rhetorische Stilfiguren aus der Antike, wie Tropen (Stilmitteln, die für eine Figur statt der Bezeichnung eine Ersatzbezeichnung setzen, meist mythologisiert) und die realistische Schilderung unbestechlicher Sachlichkeiten Vergnügen bereiten, der wird dieses Buch lieben. Wer allerdings Probleme mit solchen Termini hat, da kann ich mir gut vorstellen, dass ein solcher Leser oder eine solche Leserin Madam Bovary sehr anspruchsvoll finden wird und vermutlich nicht mal bis zur Hälfte lesen. Bis zur Hälfte nämlich zaht sich die Lektüre und man wartet vergeblich darauf, dass irgendein Knaller passiert, der zumindest etwas Spannung in die bis ca zur Seite 200 geschilderte Welt bringt. Nüchtern, ganz im Stile des Realismus, schildert Flaubert die Lebenssituation von Emma und ihrem Mann Charles Bovary. Dabei werden unschöne Details nicht ausgeklammert und die Figuren werden dem Leser komplett lieblos nach der Reihe vorgeführt. Außerordentlich ist dabei Flauberts Auge für Landschaften und Natur. Wortreich umschreibt er die Umgebung und geht auch auf Kleidung, Aussehen und Eigenheiten der Figuren sehr detailliert ein. Ich mag sowas ja sehr gerne. Am liebsten hätte ich tagelang Flauberts Landschaftsmalerien, die in diesem Falle durch Worte passieren, gelesen.

Ab der Hälfte des Buches nimmt die Erzählung dann Fahrt an und Emma und ihr inneres Seelenleben rücken in  den Vordergrund. Vom Liebhaber verlassen, verfällt sie in Depressionen und wird sogar Bettlägrig. Durch ihre Krankheit werden Schulden angehäuft und Charles Bovary wächst dem Leser irgendwie ans Herz. Wie er alles Erdenkliche versucht, um seine geliebte Emma zu retten, das ist irgendwie rührend. Spätestens ab hier kann man das Buch dann nicht mehr aus der Hand legen. Dramatisch setzt ein Ereignis nach dem anderen ein und man vermutet schon, dass diese Geschichte kein gutes Ende mehr nehmen wird.

Fazit:

Madame Bovary besticht durch eine wortreiche Sprache und durch Flauberts eigenartigen Schreibstil, den man eben mag oder nicht. Anspruchsvoll und wortreich entführt er den Leser nach Frankreich, ins 19 Jahrhundert und nimmt kein Blatt vor dem Mund, um die damalige Gesellschaft ganz kritisch auf Papier zu bringen. Für mich ist der Roman große Literatur, er erfüllt jedes Literatenherz und ist purer Lesegenuss, wenn man denn nun auf sowas steht. Leser, die lieber moderne Literatur lesen und Probleme mit mythologischen Begriffen aus der Antike habe, werden das Buch vermutlich nicht besonders mögen. Meine Rezension bezieht sich allerdings auch auf die Ausgabe von 1985, eventuell gibt es schon modernere Überstzungen, die ohne dem auskommen. Einfach mal ausprobieren und Flaubert lesen! Von mir gibt es die ganze Punktezahl und das Buch kommt in meine Top 100 Liste.

Rory Gilmore Reading Challenge 63 gelesen von 300

verschlungen!

Sonntag, 13. August 2017

DIY: Furnier lackieren


Mit diesem Beitrag hab ich sehr lange gewartet und das begründet. Vor dem Lackieren wusste ich nämlich nicht, ob die Farbe auch hält! Normale Möbel umstreichen ist eigentlich keine große Hexerei. Das zu bearbeitende Stück wird abgeschliffen und neu lackiert. Nun hab ich zum ersten Mal versucht ein Möbelstück umzulackieren, das nicht zu 100% aus reinem Holz besteht. Dieses kleine Vintage-Nachtkästchen hab ich einmal auf dem Flohmarkt erstanden. Es gefiel mir auf den ersten Blick, aber mit der Farbe und Optik war ich nicht ganz so zufrieden und wollte es umlackieren. Nur gabs ein kleines Problem dabei: Es besteht aus Furnier. Alle Möbelstücke mit Furnier sind mit einer Echtholzschicht versehen. Diese kann man abhängig von der Beschaffenheit und Verarbeitung streichen.Wie man das ganz leicht macht und was es über die Haltbarkeit der gestrichenen Furniermöbel noch so Wissenswertes gibt, verrate ich Euch nun: 


Auf diesem Bild seht Ihr wie das Nachtkästchen vorher ausgesehen hat. die Farbe war schon sehr verblasst und hier hab ich auch die Metallgriffe abgenommen. Die Metallgriffe waren zwar schön, aber hatte ihre besten Tage auch bereits hinter sich. Im Baumarkt hab ich einen goldenen Metalllack gefunden, mit dem ich die Griffe am Schluss einfach eingesprüht hab und sie sahen wieder wie neu aus. Hält bombenfest! Das Kästchen wurde letzten Dezember von mir umgestaltet und die Griffe sind nach wie vor noch schön. Wie man auf dem Bild unten erkennen kann, sehen sie nun wieder frisch und neu aus!



Für das Streichen von furnierten Möbeln empfehlen sich wasserbasierte Acryllacke. Bevor man aber mit dem Acryllack drüber geht, ist eine Grundierung zu machen. Auf dem Foto seht ihr welche Farben und Lacke ich dabei verwendet habe. Der Lack in der Spraydose ist für die Griffe und hat einen schönen antiken Goldton. Die Farben gibt es alle im Bauhaus, da kann man sich auch beraten lassen.


Aus Pressspan bestehende Möbel mit Furnier müssen vor dem Lackieren bearbeitet werden. Da die Holzschicht nur zwischen 0,3 und 6 Millimeter dünn ist, ist dabei unbedingt die individuelle Stärke der Furnierschicht zu berücksichtigen. Sie Oberfläche wird nur angeschliffen, dabei verwendet man einmal ein grobkörniges Schleifpapier und beim zweiten Mal schleifen dann ein feineres. An schwierigen Stellen wie Ecken, Kanten und Rändern ist dabei besondere Sorgfalt geboten, damit die dünne Furnierschicht nicht versehentlich beschädigt wird. Vor dem Schleifen sollte die Oberfläche gut gereinigt werden. Ich habe einfach Putzmittel mit Alkohol verwendet, Spiritus.


Nachdem das Kästchen abgeschliffen ist, wird es nötig sein, dieses erneut zu reinigen. Aufgrund der intensiven Stauberwartung empfehle ich das irgendwo draußen zu machen. Bei mir war es leider so, dass ich das Kästchen im Dezember gestrichen habe und weil es damals zu kalt war, haben meine Eltern mir erlaubt den hauseigenen Keller dafür zu benutzen.



Nachdem die Grundierung aufgetragen ist, lässt man diese mind 24h trocknen bevor man mit dem Acryllack drüber geht. Stellen, die nicht lackiert werden sollen, kann man mit Malerkreppe abpicken. Mein Kästchen wurde nur außen lackiert.



Sobald die Grundierung getrocknet ist, kann man auch schon mit dem Lackieren loslegen. Bei meinem Kästchen habe ich ca 4 mal drüber lackiert und immer einen Tag fürs Trocknen dazwischen gelassen. Nach dem 4. Mal lackieren muss der Acryllack aushärten, das kann je nach Lack 1 Monat dauern. Lässt man den Lack nicht vollständig aushärten, kann er bröckeln und dann war die ganze Arbeit umsonst.Beim Lack auftragen ist es wichtig, dass er zügig aufgetragen wird und mittels nass-in-nass-Methode. Nass-in-nass lackieren bedeutet, dass nach dem ersten Lackauftrag keine komplette Trocknung der Lackschicht erfolgt. Der weitere Lackauftrag erfolgt nach kurzer Ablüftezeit direkt auf die noch nasse, vorherige Lackschicht, ohne Zwischenschliff.


Über die Haltbarkeit kann ich sagen, dass ich recht zufrieden bin. Das lackierte Nachtkästchen steht jetzt seit fast einem Jahr bei mir im Zimmer und dient als Ablage für Kaffeetassen, Bücher, Uni-Skripten und Kuchenteller :) Bis jetzt ist noch nichts runter gebröckelt und das Kästchen strahlt nach wie vor im schönsten Weiß. Mir ist nur aufgefallen, dass manche Flecken, darunter Kaffee, etwas schwer zu reinigen sind. Sie gehen nur mit chlorhaltigem Putzmittel weg. Die Arbeit hat sich aber auf jeden Fall gelohnt und man hat ein Einzelstück zu Hause !

Habt Ihr denn auch schon mal ein Möbelstück selbst umgestaltet und welche Erfahrungen habt Ihr damit gemacht? 

Montag, 7. August 2017

Mittsommermord

dtv Verlag / 605 Seiten / erschienen 2004

Bei Henning Mankell fühle ich mich einfach zu Hause. Jedes Mal wenn ich ein Buch des schwedischen Autors aufschlage, bin ich spätestens nach drei gelesenen Zeilen ein Teil seiner Geschichten. Vor meinem geistigen Auge eröffnet sich mir dann die schwedische Schärenlandschaft mit roten Ferienhäusern, Dünen und kräftig leuchtenden Lupinenfeldern. Fast alle Orte, die in den Büchern vorkommen, gibt es wirklich und ein paar davon hab ich sogar schon besucht :) Ich kann mich bei seinen Büchern so gut auf die beschriebene Welt einlassen und liebe seine detailliert gestalteten Figuren. Sie sind teilweise so echt, dass man das Gefühl hat, irgendwo in Südschweden wohnt tatsächlich  dieser kauzige Kommissar, der sich in den Büchern Mr. Wallander nennt. 

So manche schöne Lesestunde hab ich mit dem introvertierten Ermittler  verbracht und von den insgesamt 11 Krimifällen aus der Wallander-Serie fehlen nicht mehr viele Bücher und dann hab ich sie auch schon alle gelesen. Man kann die Bücher übrigens auch ohne chronologischer Abfolge lesen, aber ein paar Stellen in dem ein oder anderen Buch beziehen sich dann doch auf Vergangenes. Dies ist aber für die Erschließung der Handlung nicht so wichtig. Ich persönlich habe auch nicht alle Bücher chronologisch gelesen. 

Mittsommer ist Wallanders 8. Fall. Es spielt wie der Name schon vermuten lässt zu Mittsommer und erzählt die Geschichte eines Serienmörders, der im Sommer in Schweden sein Unwesen treibt und es auf glückliche Menschen abgesehen hat. Wer schon einmal ein Buch von Mankell gelesen hat, der weiß, dass der Autor in seinen Büchern eine eher atmosphärische Welt kreiert und ohne viel Blut und Verfolgungsjagden auskommt. Dennoch sind seine Bucher total spannend und ich kann sie meistens nicht mehr aus der Hand legen, bis ich sie durch habe. Während also die Menschen in Mittsommer sich auf das große Fest vorbereiten, ins Grüne fahren oder Blumen für den Mittsommerkranz sammeln, finden Wanderer bei einem Spaziergang die Leichen dreier Jugendlicher. Deren leblöse Körper sind mit Miedern, Hemdkrausen und Perücken herausgeputzt worden. Natürlich handelt es sich um Mord. Gleichzeitig wird ein Polizeikollege Wallanders mit zerschossenem Gesicht in seiner Wohnung gefunden und der Kommissar hat alle Hände voll zu tun. Denn nach der Reihe tauchen immer mehr Leichen auf und sie scheinen alle zu einem Mörder zu passen. Wallander stürzt sich in die Ermittlungen und muss feststellen, dass er so manches über seinen Kollegen nicht gewusst hat. 

Auch dieses Buch ist wie alle anderen Krimis von Mankell gut und logisch geschrieben. Wer sich ein bisschen mit dem Autor beschäftig hat, der weiß, dass es für ihn nicht reichte, einfach nur einen spannenden Krimi zu schreiben mit unerwarteten Wendungen. Mankell war ein Moralist, ein 68er und ein Mensch, der sich für die Aufklärung und das Gute einsetzte und somit findet man auch in seinen Büchern immer auch bei den Figuren und Wertevorstellungen die Gedanken eines linken Moralisten wieder. Sein Kommissar Mr. Wallander ist stets um Aufklärung bemüht und kämpft unermüdlich für das Gute. Dabei ist er selbst nicht perfekt. Alkoholiker, Diabetike, Grübler, Introvertiert und geschieden. Ein Mensch mit vielen Facetten und so wird es aufgrund der Hauptfigur schon niemals langweilig in Mankells Krimis. Auch Mittsommermord besticht durch Spannung, Moral, eine gute Schreibweise, eine interessante Geschichte und war für mich persönlich wieder ein totales Lesevergnügen, das mich direkt nach Südschweden katapultiert hat. Nach dieser Lektüre hab ich richtig Lust bekommen noch etwas aus dieser Reihe zu lesen und vl gibt es schon bald eine weitere Rezension zu einem Wallander Fall auf meinem Blog !

verschlungen!
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