Mittwoch, 31. Mai 2017

White Line Fever



Lemmy Kilmister war der Sänger der britischen Rockband "Motorhead" und einer meiner liebsten Gestalten aus der Rockszene. Leider verstarb der Sänger im Dezember 2015 nach einem kurzen Krebsleiden in Los Angeles und ich glaube, es ist kaum jemandem entgangen, da im Fernsehen viel darüber berichtet wurde. Ich kann mich glücklich schätzen seine Band Anfang der 2000er Jahre noch live erlebt zu haben. Lemmy war zeit seines Lebens single und nicht verheiratet. Er erklärte, dass die große Liebe seines Lebens immer Susan Bennett gewesen sei und dies auch immer bleiben werde. Sie verstarb im Alter von 19 Jahren an einer Heroin - Überdosis, weshalb der Sänger diese Droge sein restlichen Leben ablehnte. "White Line Fever" ist ihr gewidmet, auf der ersten Seite ist zu lesen: Dieses Buch ist Susan Bennett gewidmet, die es hätte sein können. Bekannt wurde er dennoch durch seinen exessziven Alkoholkonsum, dem er auch seine rauchige Stimme verdankte.

Seine Autobiographie, die er mit Hilfe von Janiss Garza niederschrieb, ist eine sehr lesenswerte Lektüre und gibt viel Privates über den britischen Sänger preis. Mitunter widmet er ein eigenes Kapitel seiner großen Liebe und der Leser wird charmant in diese tragische Liebesgeschichte eingeführt. Ich habe bis dato viele Biographien gelesen, aber wenige sind so sympathisch wie Lemmy es zu sein scheint. In einem lockeren Ton plaudert der Sänger und erzählt vom Arbeiterviertel, in dem er aufwuchs und dann nimmt er den Leser mit in die Anfänger seiner Rockertage. Lemmy folgt aber keiner chronologischen Erzählweise, er schreibt, was ihm gerade einfällt. 

Bevor ich die erste Seite aufschlug, war ich schon gefasst auf Sex, Drugs & Rock n Roll und dies bekam ich auch. Interessant fand ich dabei auch, wie Lemmy über Frauen denkt. Er hatte einen respektvollen Umgang mit den Ladys in seiner Nähe und arbeitete immer wieder mit Künstlerinnen wie Nina Haagen, Tina Turner und nahm später sogar eine Punkband, die rein aus Frauen besteht, unter Vertrag. 

Die Zeit der 60er und 70er-Jahre muss wohl eine wilde und interessante Zeit gewesen sein (ich lebe in der falschen Zeit, take me to the 70ies!!!). Es gab kaum einen, der damals nicht von der Bühne kippte, aufgrund von zu viel Drogen und Alkohol. Viel Raum widmet er demnach alten Erinnerungen, Geschichten von den Tourtagen mit Ozzy Osbourne und anderen Rockgiganten. Wer also über den Tod von Lemmy überrascht war, wird sich nach der Lektüre wundern, wie dieser Mann überhaupt 70 geworden ist. 

Für mich war dieses Buch ein knackiges und kurzweiliges  Lesevergnügen, das gespickt ist mit witzigen Schwarz-weiss-Fotos, die neben wild dreinblickenden Rockern auch süße Kinderfotos beinhalten. Ein kleines Zuckerl bietet dann die Discographie am Ende des Buches, mit allen Songs der Band. Das Buch endet mit einem Nachwort, in dem der Sänger dem Leser noch eine tolle Lebensweisheit mit auf dem Weg gibt, aber das liest man am besten selbst nach!

Fazit:

"White Line Fever" ist ungeheim spannen für alle Musikfans, da Lemmy aus dem Nähkästchen plaudert und so einige Rauschgeschichten von Kollegen aus der Musikerszene ausplappert. In einem lässigen Ton vermittelt Lemmy dem Leser aber auch, was er durch manche Rauschgeschichte nicht alles gelernt hat. Diese 293 Seiten sind 100% Rock n Roll!!

Pssst: Dieses Buch gibt es zb beim österreichischen Online-Händler MORAWA. Erwirbst du das Buch unter diesem Link, unterstützt du gleichzeitig den österreichischen Buchhandel :) Hier klicken und gemütlich stöbern!

verschlungen!

Freitag, 12. Mai 2017

Es geht uns gut


Heute mal ein Buch, das ich so wahrscheinlich nie und nimmer gelesen hätte. Erstens, weil ich keine Bücher mag, in denen die Handlung entweder kurz vor oder nach 1934 - 1945 spielt. Und zweites, weil ich den Autor nicht kannte. Komischerweise fand ich das Buch in Helsinki am Busbahnhof liegen und hab es dann mitgenommen. Zufälle gibt es ja....Falls also jemand dieses Buch vermisst, schreibt mir ^^ Arno Geigers Buch wurde zwar erst 2005 veröffentlicht, aber wenn man das nicht weiß, könnte es sich auch ohne Diskussion um ein Protowerk der Nachkriegsliteratur handeln. Ausgenommen ist lediglich die Sprache, die bei Romanen nach 1945 ja eher karg und auf das Notwendigste beschränkt bleibt. Mr. Geiger hingegen erinnert teilweise an T.C Boyle, so haben beide einen sehr geschwätzigen Ton und die Sätze sind bis ins Unendliche ausgeschmückt. Eigentlich mag ich das ja auch, aber Arno Geigner trieb mich phasenweise in den Wahnsinn! Warum und weshalb das so war, erfährt ihr nun in den nächsten Zeilen:

Bei diesem Buch ist es außerordentlich schwierig sich auf ein Minimum zu beschränken, wenn man versucht seinen Inhalt zusammenzufassen oder gar wiederzugeben. Es passiert so viel und Arno schreibt und schreibt und die vielen Details machten es manchmal mühsam dran zu bleiben. Oberflächlich gesagt, handelt das Buch von einer Familie und ist somit in das Genre "Familiensaga" einzuordnen. Es fängt eigentlich auch ganz harmlos an, im ersten Kapitel erbt der Protagonist Philipp Erlach das Haus seiner Großmutter in einer Wiener Vorstadt und setzt mit dem ersten Betreten der alten Gemäuer eine Erzählung in Gange, die sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt. Genaugenommen 70 Jahre lang. 

Während der Autor zeitlich hin und her springt, erfahren wir von Alma und Richard, die während der NS-Zeit ein Kind bekommen und nichts mit der politischen Ideologie dieser Zeit zu tun haben wollen. Schon alleine diese beiden Figuren sind so ausgeschmückt und haben eine detailreiche Geschichte. Alma beispielsweise gibt ihr Medizinstudium auf, um sich um den Nachwuchs kümmern zu können, weiters hilft sie ihrer Mutter bei der Leitung einer Wäscherei und muss sich mit der Untreue ihres Ehemannes herumschlagen. Später vergräbt sie sich in Bücher und bekommt ein eigenes Bienenhaus.

Dann erzählt Arno Geiger von Peter, der die letzte Hitlerjugend durchmacht, und von Ingrid, die dann schließlich Philipp und Sissy auf die Welt bringt. Den Hauptplot übernimmt aber die Geschichte von Philipp, der ein kompletter Taugenichts ist. Die Figur des Philipps ist leider nicht sonderbar spannend, aber wenn Arno Geiger seine Darstellung nicht immer wieder unterbrochen hätte, wäre vielleicht auch etwas mehr aus ihm geworden. Generell fand ich diese ständigen Unterbrechungen, wo der Autor von einer Figur zur anderen springt, damit auch ja alle zum Zug kommen, sehr störend und manchmal musste ich das Buch dann einfach entnervt weglegen. Lesegenuss sieht anders aus! 

"Schon bei seiner Ankunft am Samstag war ihm aufgefallen, dass am Fenster unter dem westseitigen Giebel der Glaseinsatz fehlt. Dort fliegen regelmäßig Tauben aus und ein. Nach einigem Zögern warf er sich mit der Schulter gegen die Dachbodentür, sie gab unter den Stößen jedesmal ein paar Zentimeter nach. Gleichzeitig wurde das Flattern und Fiepen dahinter lauter. Nach einem kurzen und grellen Aufkreischen der Angel, das im Dachboden ein wildes Gestöber auslöste, stand die Tür so weit offen, dass Philipp den Kopf ein Stück durch den Spalt stecken konnte. Obwohl das Licht nicht das allerbeste war, erfasste er mit dem ersten Blick die ganze Spannweite des Horrors. Dutzende Tauben, die sich hier eingenistet und alles knöchel- und knietief mit Dreck überzogen hatten, Schicht auf Schicht wie Zins und Zinseszins, Kot, Knochen, Maden, Mäuse, Parasiten, Krankheitserreger (Tbc? Salmonellen?). Er zog den Kopf sofort wieder zurück, die Tür krachend hinterher, sich mehrmals vergewissernd, dass die Verriegelung fest eingeklinkt war". (Seite 7)

Das wohl Besondere an diesem Buch oder zumindest erkläre ich mir damit die Preise, die es abgeräumt hat, ist, dass es ein kleines Stückchen Zeitgeschichte in sich trägt und Kritik an der NS-Ideologie ausübt. Die vielen Erlebnisse der Figuren kommen der Realität sehr nahe und der Einbezug ihrer Erinnerungen gibt dem Buch etwas Authentisches und teilweise hat man das Gefühl, dass es so in der Art und Weise tatsächlich geschehen haben musste. Nichtsdestotrotz hat mich die Geschichte einfach viel zu sehr gelangweilt und der Funke wollte einfach nicht über springen. Die Figuren sind trotz ihrer Details nicht interessant. Am Schluss habe ich mich gefragt, was dieses Buch wohl für einen Zweck erfüllen soll? Als Zeitroman taugt es irgendwie nicht und aufgrund der vorherrschenden Langeweile erfüllt es leider auch den Unterhaltungszweck nicht. Lieber Arno Geiger, was soll das??? 

Fazit:

Für dieses Buch vergebe ich zwei Sterne, ein Stern für die Sprache Geigers, immer wieder bin ich auf Wörter gestoßen, die ich noch nie gehört habe oder schon seit Ewigkeiten nicht mehr irgendwo gelesen habe. Den anderen Stern verdient Arno Geiger dafür, dass er Langeweile wirklich künstlerisch gestalten kann und das muss einer ihm mal nachmachen (Sorry für den Sarkasmus) 

naja...

Freitag, 5. Mai 2017

Vegetarische Paella

Que aproveche!

Eigentlich handelt es sich bei Paella um ein deftiges Fleischgericht. Traditionell sind viele verschiedene Fleischsorten enthalten, darunter Meeresfrüchte. Das Rezept ist sehr alt und entstammt der Küstenregion Spaniens (Andalusien). Um als Vegetarierin bei diesem nasskalten Wetter trotzdem etwas Sonne auf meinen Teller zu bringen, habe ich das Rezept einfach vegetarisiert. Haha existiert dieses Wort überhaupt? Die Paella lebt von Gewürzen! So wie ein Gulasch eine ganz bestimmte Note hat, hat auch die Paella ihre. Die wohl wichtigste Zutat ist daher das Paellagwürz. Meine Schwester hat mir letzten Sommer ein leckeres Paellagewürz aus Spanien mitgenommen. Normalerweise kaufe ich meine Gewürze immer im Ausland, da es hierzulande oft das, was ich brauche nicht gibt. Wie man auf dem Bild erkennen kann, ist auch mein Paprikapulver aus Ungarn. In vielen Größstädten gibt es ungarische Lebensmittelgeschäfte, in diesen bekommt man dann natürlich auch dieses unverwechselbare ungarische Paprikapulver. Schon allein diese speziell rote Farbe bringt gute Laune ins Haus! Was braucht man denn nun so für eine vegetarisierte Paella? 

Die Safronsa-Gewürzmischung besteht aus Paprikapulver, Pfeffer, Kurkuma, Thymian, Safran, Lorbeeren und Knoblauch


Zutaten:

1 Tasse Reis 
(Risottoreis, wenn kein Paellareis vorhanden ist)
1 El Tomatenmark
1 Tl Paprikapulver
1 gelbe Paprika
2 Karotten
1 kl. Schale Erbsen
ein paar braune Champignons
Petersilie, frisch
Salz und Pfeffer
700 ml Gemüsebrühe
1 El Butter
1 El Paellagewürz oder Safran
Olivenöl
1 kleine Zwiebel 


Ich bereite mir wie immer die Zutaten zuerst vor. Das Gemüse waschen und gut abtrocknen. Zwiebel schälen und in feine Würfel schneiden. Etwas frische Petersilie hacken. Champignons und Karotten in feine Scheiben schneiden, Paprika würfeln. Zu der Gemüsebrühe das Paellagwürz geben und gut verrühren. 

In einer weiten Pfanne einen guten Schuss Olivenöl heiß werden lassen, die Zwiebel darin glasig dünsten. Dann den Reis dazugeben und mit dem Paprikapulver bestreuen und anbraten. Das Tomatenmark dazugeben und gut unterrühren. Den Reis eine weitere Minute braten und mit etwas Brühe ablöschen. 

Die Karotten dazugeben und das Wasser verkochen lassen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Nun gibt man immer wieder etwas Brühe dazu, dabei den Reis aber immer zuerst anbrennen lassen. (Natürlich nicht verbrennen lassen). Im Unterschied zum Risotto darf die Paella ruhig ein bisschen ohne Wasser brutzeln bevor man wieder Brühe drüber gießt. Das wiederholt man nun die restlichen 10 Minuten und gibt dann das andere Gemüse dazu und gießt nochmals mit Brühe auf. 

1 El Butter in den Reis rühren und mit der restlichen Brühe fertigkochen. Zum Schluss mit Petersilie und Zitronenscheiben garnieren. Die hab ich dieses Mal leider vergessen ! Die Paella sofort servieren. 

Zusätzlich habe ich noch einige Musiktipps, die man beim Zubereiten hören kann. Das macht Spaß und so lässt sich die Zeit aushalten bis der Reis dann fertig gekocht ist ^^ 

1) Bebe - Mi guapo    2) Jose Alfredo Jimenez - Vamonos   3) Buena Vista Social Club: Chan Chan   4) Héroes del Silencio - Entre dos tierras

Sonntag, 30. April 2017

Der seltsame Fall des Dr. Jekyll & Mr. Hyde

dtv Verlag, ungekürzte Fassung, 121 Seiten

Hatte ich schon einmal erwähnt, dass ich den dtv-Verlag super finde? Ich liebe die Taschenbücher und Klassiker. Beim dtv Verlag kann man nichts falsch machen. Sie sind die einzigen, die Bücher immer in der Originalverfassung drucken, ohne Kürzungen. Auch bei diesem kleinen Buch von Dr. Jekyll & Mr. Hyde ist das der Fall. Außerdem gibt es oft zweisprachige Ausgaben, die sowohl die Originalsprache als auch die Übersetzung beinhalten. Das ist natürlich nur bei kürzeren Werken möglich.  Solche Bücher gibt es zb zu allen Werken von Shakespeare.

Die Erzählung von Dr. Jekyll & Mr. Hyde ist bestimmt an den meisten Menschen nicht vorbei gegangen, egal ob Leser oder nicht. Man kennt auch den Inhalt und weiß natürlich schon vor dem Lesen, dass Dr. Jekyll und Mr. Hyde ein und dieselbe Person sind. Auch die Entstehungsgeschichte zu dieser Novelle ist recht misteriös. Robert Louis Stevenson soll sie in einem Kokaintraum geträumt und dann zu Papier gebracht gebracht haben. Weil seine Frau aber die Geschichte nicht mochte und sie als "nonsense" empfand, ließ sie sie verbrennen. Im Anschluss darauf verbrachte der Schriftsteller die nächsten drei Tage damit die Geschichte erneut zu schreiben. Zum Glück würde ich sagen, denn die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. 

Am meisten mochte ich das Setting. Wir befinden uns im viktorianischen England, die Geschichte spielt etwa um 1886 und hat eine schaurig schöne Atmosphäre. Die Erzählung beginnt mit einem nächtlichen Spaziergang zweier Freunde und verwandelt sich nach und nach in eine Mistery-Erzählung, wobei sie auch ein Krimi sein könnte. Spannend wird es als Mr. Utterson sich näher mit seinem Freund Dr. Jekyll zu beschäftigen beginnt. Dabei stößt er an einen seltsamen Bekannten des Doktors, der ihm zum Rätsel wird. Als dann zusätzlich einige Morde passieren und ihm klar wird, dass man den Doktor und seinen Bekannten nie zusammen sieht, begibt er sich auf die Suche nach der Wahrheit. 

Über die Figuren kann ich nur sagen, dass sie typisch für Literatur aus dieser Zeit sind. Wir haben einmal die reichen Edelmänner aus der Oberschicht, die alle sehr gepflegt und gebildet sprechen, im Studierzimmer sitzen und beim Kamin Tee trinken. Vor der Tür wartet ein düsteres London mit Straßen voller Schatten. Dieses Setting hat die Geschichte dann um einiges lebendiger gemacht und es ist für den Leser sehr einfach in die Erzählung einzutauchen und ein Teil ihrer zu werden. Gespannt liest man weiter und fragt sich natürlich wie dieses Dilemma wohl enden wird. Dann gibt es auch die andere Seite Londons, wo das Grauen wartet, weil es von Bettlern, Mördern und Prostituierten wimmelt. Dr. Jekyll ist einerseits widersprüchlich, andererseits versucht er dennoch sich für das Gute zu entscheiden. Er ist aber in seiner Art und Weise ein angenehmer Protagonist und für den Leser nicht weniger misteriös als seine andere Hälfte Mr. Hyde. Oft wurde bemängelt, dass in diesem Buch nur Männer vorkommen und in den Verfilmungen hat man dann zusätzlich einige Frauen eingebaut, aber für mich war das nicht unbedingt störend bzw habe ich in dieser Geschichte keine Frauen vermisst.

Bei diesem Klassiker wird auch die Botschaft ganz offen diskutiert, die Hauptfigur kämpft mit seinen moralischen Ansichten und wirft sie über Bord, indem sich Dr. Jekyll in den bösen und gewissenslosen Mr. Hyde verwandelt. In meinem Buchclub hat das Buch für interessante Diskussionen gesorgt. Das Thema ist sehr spannend und die Tatsache dass das Buch endet, ohne dass der Leser wirklich weiß, was mit Dr. Jekyll letztendlich dann wirklich passiert, macht es noch spannender. 


Fazit:

Dr. Jekyll und Mr. Hyde reiht sich ein in die wunderbare Reihe der Bücher von Robert Louis Stevenson. Es ist eine schöne und kurze Geschichte, die obwohl die Handlung wahrscheinlich bekannt ist, sehr lesenwert ist. Nicht nur wegen der schaurig schönen viktorianischen Atmosphäre, sondern auch, weil man teil hat an den interessanten Gedanken der Figuren, die Fragen eröffnen mit denen man sich dann auch selbst beschäftig.

Unsere Buchclub-Fragen zu diesem Werk waren:

  1. Wie hat dir das Setting in diesem Buch gefallen? Welcher Mitteln bedient sich Stevenson in dieser Lektüre um eine düstere und beklemmende Atmosphäre zu erzeugen?
  2. Bist du ein Liebhaber dieser Literaturgattung, warum ja, warum nein? (gothic novels, schwarze Romantik)
  3. Der Hauptplot in diesem Klassiker ist, dass das Gute und das Böse im Leben porträtiert werden. Dr. Jekyll versucht zwar mit allen Mitteln ein gesittetes Leben zu führen, kann aber nicht widerstehen, sich immer wieder in Mr. Hyde zu verwandeln. Entspricht das der menschl. Natur? Können wir deiner Meinung nach wirklich nicht nur als gute Menschen leben und brauchen vl auch das Böse?
  4. Wie realistisch ist diese Geschichte für dich? Handeln und denken die Charaktere wie es Menschen üblicherweise tun? Welche Beispiele sind dir in Gedächtnis geblieben?
  5. Wenn man sich die Figur des Dr. Jekyll ansieht und seine Beziehung zu Mr. Hyde analysiert, was war bzw ist besonders auffällig?
  6. Hast du durch die Geschichte etwas über die Zeit erfahren, in der das Buch spielt? Was weißt du noch über das Viktorianische Zeitalter? Könntest du dir vorstellen in dieser Zeit zu leben?
  7. Warum ist das Buch auch heute noch aktuell?
  8. Würdest du das Buch weiter empfehlen? Warum?
  9. Welche anderen Bücher von Robert Louis Stevenson hast du gelesen und was fällt dir spontan zum Schriftsteller ein??

verschlungen!

Montag, 17. April 2017

Was liest du?

das Bild wurde von Tobis Blog Lesestunden entnommen


Tobi vom schönen Blog Lesestunden hat wieder einmal einen Fragebogen zusammengestellt und möchte dadurch herausfinden, welche Bücher andere Blogger so lesen und weil ich gerade etwas Zeit habe, mache ich einfach auch mal mit :) Heute geht es um Lieblingsbücher, Buchtipps und Lieblingsautoren. Da hab ich ja einige im Regal stehen. Hier also nun meine Antworten:

Ok, es geht ganz einfach los. Was ist dein absolutes Lieblingsbuch?


Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil ich einfach zu viele gute Bücher gelesen habe. Eine kleine Auswahl ist unter meiner Topliste zu finden. Nun ja, aber wenn ich mich jetzt für ein Buch entscheiden muss, dann schreibe ich an dieser Stelle einfach mal Goethe's Faust. Ich finde die Psychologie in diesem Werk sehr faszinierend. Goethe stellt darin den modernen Menschen sehr treffend da. Die Figur des Dr. Faust will immer mehr, mehr Wissen, mehr Geld, mehr Sex. Um an das zu gelangen, zerstört er sogar das, was ihn am Leben hält. Dieses Buch ist einfach grandios und beweist, warum Goethe ein Genie war ! Wer es noch nicht gelesen hat, sollte dies baldigst nachholen! 


Okay: Welche fünf Bücher sind deine absoluten Lieblingsbücher?

  1. Goethe: Faust
  2. Henry David Thoreau: Walden 
  3. Tolkien: Herr der Ringe
  4. Bram Stoker: Dracula 
  5. Jack London: Ruf der Wildnis


Welche Neuerscheinungen erwartest du sehnsüchtigst?


Manche werden es schon vermutet haben, aber ich bin kein Fan von Neuerscheinungen. Vielmehr habe ich noch eine ewig lange Liste an Klassikern, die gelesen werden will. Außerdem mache ich auch bei der Rory Gilmore Reading Challenge mit, da dürfte ich noch einige Zeite beschäftigt sein, die Bücher von der Liste zu lesen. Das macht mir aber großen Spaß, weil ich so schon einige Bücher entdeckt habe, die ich sehr mochte und so wahrscheinlich nie gelesen hätte.


Welche fünf Bücher sind schon am längsten auf deinem Stapel ungelesener Bücher?


Diese Frage erinnert mich daran, dass mein SUB einfach viel zu groß ist!!!! Für 2017 habe ich mir vorgenommen, keine neuen Bücher anzuschaffen, damit der SUB endlich wieder kleiner wird. Hm...also wenn ich mir den so ansehe, liegt schon ewig lange dort: Erich Kästners "Fabian", Betty Smiths "A tree grows in Brooklyn", Stefan Zweig "Maria Stuart", Katherine Mansfield "The garden party", Victor Hugo "Die Elenden" und Leo Tolstois "Anna Karenina". 


Welche fünf Bücher von deinem Stapel ungelesener Bücher wirst du als nächstes lesen?


Das kann ich so nicht beantworten. Ich lese immer nach Laune, je nachdem wie meine Stimmung ist, entscheide ich dann über dieses oder jenes Buch. 


Welches Buch hat die schönste und bewegendste Liebesgeschichte?


Also ich mag eigentlich keine Schnulzen. Sehr gerne lese ich dramatische Liebesgeschichten, wo es drauf und drunter geht. Deswegen würde ich sagen, hat Shakespeares "Romeo & Julia" die beste Geschichte. Sie wird auch nach dem 200. Mal nicht langweilig. Dieses Werk schaue ich mir auch immer wieder gerne mal auf der Bühne an. Es fällt immer total unterschiedlich aus. Kann ich sehr empfehlen!  


Welche Fantasy Reihe ist dein Favorit?


Wenn ich mal einen Blick in mein Bücherregal werfe, sehe ich da nicht viele Fantasy-Bücher. Ich habe mal vor Jahren versucht mehr aus diesem Bereich zu lesen, aber irgendwie waren die meisten Bücher immer dasselbe: Tolkienkopien. Ein paar hat es dennoch gegeben, die mir wirklich gut gefallen haben, als da wären: Harry Potter (Gesamtwerk), G.R.R Martin (Das Lied von Eis und Feuer), C.S Lewis (Die Chroniken von Narnia), Christopher Paolini (Eragon) ... so mehr fällt mir nicht ein.


Welches Buch von welchen Autoren/welcher Reihe sollte endlich geschrieben werden?


Fällt mir momentan nichts ein dazu.


Was ist das anspruchvollste Buch, dass du jemals gelesen hast?


Friedrich Nietsche  "Also sprach Zarathustra". Dazu muss ich aber sagen, dass ich damals noch etwas jünger war und noch keine Uni besuchte. Um dieses Buch zu lesen, bedarf es einen gewissen Grundwortschatz und eine bestimmte Denkweise. Darüber hinaus sollte man sich auch schon mit Nietsches Philosophie irgendwie beschäftigt haben, sonst kann man jeden Satz 10 Mal lesen und versteht dennoch nichts.  


Welches Buch fandst du am aller schrecklichsten?


Hui! Da gibt es einige!!! Nicht besonders viel konnte ich mit J.KK Rowlings Roman "Ein plötzlicher Todesfall" anfangen. Bei diesem Buch finde ich das Attribut "schrecklich" total passend. Ein weiteres Buch, das ich abgebrochen habe ist "Hundert Jahre Einsamkeit" von Marques, weil ich es total langweilig empfunden habe.


Welches Buch würdest du gerne einmal lesen, aber wagst dich noch nicht ran?


"Die Elenden" von Victor Hugo. Aufgrund der beachtlichen Seitenanzahl kam es aber dann immer wieder nicht zum Zug. Bei so vielen Seiten muss man sich schon Zeit nehmen für ein Buch und diese Zeit habe ich momentan leider einfach nicht. Dennoch möchte ich es eines Tage lesen!

Was ist das spannendste Buch, das du je gelesen hast?


Vor 4 Jahren war ich auf Sprachreise in Bologna und hatte Agatha Christies "4:50 from Paddington" mit. Während alle anderen irgendwo draußen saßen und in der warmen Sonne Gelato genossen, lag ich in meinem Zimmer und las dieses Buch. Ich wollte unbedingt wissen, wie es ausgeht und konnte es nicht aus der Hand geben :)  


Welches Buch hat dich am meisten aufgerührt?


Ein Buch über das ich sehr lange nachdenken musste, war John Krakauers "Into the Wild". Ich fand es total faszinierend wie der Protagonist für seine Ideale sogar in den Tod geht. Das Buch ist außerdem sehr informativ und gut rechechiert. Es fällt allerdings ganz anders als der Film aus. 


Was ist das beste Sachbuch in deinem Schrank?


Ich brauche Sachbücher auch immer wieder für mein Studium, weshalb ich auch sehr viele rumstehen hab. Die lese ich natürlich dann nicht unbedingt in der Freizeit oder weil ich gerade Lust auf lesen habe. Daneben besitze ich aber auch sehr viele Sachbücher, die nichts mit meinem Studium zu tun haben. Noam Chomski "Language and Mind" hat mir gut gefallen.


Was ist dein schönstes Buch in deinem Schrank?


Hm...ich finde die Barnes & Noble Collection sehr schön, da gefällt mir eigentlich jedes Buch ganz gut. Romeo & Juliet schaut einfach traumhaft aus, aber auch die Dracula Ausgabe ist total schmucke. Und natürlich die Jane Austen 7 Novels Edition. Diese drei gefallen mir am besten.


Was ist das älteste Buch, das du je gelesen hast?


Vermutlich eines der Studienbücher aus der Germanistik Bibliothek. Weiß aber nicht mehr genau welches davon am ältesten war.


Welches Buch hat dich so richtig geärgert?


Geärgert hab ich mich über das Buch von Colin Meloy "Wildwood". Bevor ich mir das Buch kaufte, hab ich nur gute Rezensionen darüber gelesen. Außerdem sieht es so schön aus und wurde von der Frau des Autors gestaltet. In Wirklichkeit ist es eine Art Hipster-Kinderbuch. Die Geschichte selbst ist nichts, was es irgendwie nicht in ähnlicher Form schon vorher gab. Mich hat das Buch zu Tode gelangweilt, weshalb ich es dann auch verkauft hab. Schade!

Was ist dein liebster Klassiker?


Goethes "Faust" 


Was ist dein absoluter Favorit unter den Kinderbüchern?


Ottfried Preußler "Die kleine Hexe" 

Was ist der schönste Bildband in deinem Regal?


"Baumhäuser" von Andreas Wenning ist ein tolles Buch, in dem ich immer wieder gerne schmökere.


Welche Bücher sind ganz oben auf deiner Wunschliste?


Aus der Penguin Clothbound Classics Serie wünsche ich mir schon länger "Villette" von Charlotte Bronte und "The Portrait of a Lady" von Henry James. Diese beiden Bücher sind so schön! Weiters ist auf meiner Liste die Biographie über Amundsen aus dem Mare Verlag. Der dtv Verlag hat auch eine schöne Ausgabe von "Agnes Grey" von Anne Bronte, die ich sehr gerne in meiner Sammlung hätte :)


Wer ist dein absoluter Lieblingsautor?


Shakespeare

Welchen Autoren findest du am faszinierendsten?


Oscar Wilde. Er muss ein interessanter Zeigenosse gewesen sein :) Aber ich mag auch Charles Bukowski sehr gerne. Seine Bücher sind sehr einzigartig, humorvoll aber auch poetisch.


Welches Buch hat dein Denken am stärksten beeinflusst?


Henry David Thoreaus "Walden"

Wenn ein guter Freund/gute Freundin krank im Bett liegt, welches Buch empfiehlst du?


Das kommt natürlich auf den Freund/die Freundin an. Meine Freunde lesen ganz unterschiedliche Bücher. Die meisten lieben aber Fantasy und Sachbücher. Also müsste es etwas aus diesem Bereich sein.


Zu welchen Buch greifst du, wenn du Liebeskummer hast und dich trösten willst?


Ehrlich gesagt würde ich niemals zu einem Buch greifen, wenn ich Trost brauche. Da höre ich dann doch lieber Musik oder treffe mich mit guten Freunden.


Welches Buch hatte das schönste Setting?


Ich mochte "Der geheime Garten" von Francis Hodgson Burnett total gerne. Wer hätte nicht gerne einen geheimen, verwunschenen Garten nur für sich allein? Die Geschichte spielt auch im schottischen Hochmoor und ich liebe Schottland total. Konnte mir beim Lesen sehr gut vorstellen, wie es da so aussieht!

Aus welchem Buch hast du am meisten für dich mitgenommen?


Anne Saxtons Gedichtbände mag ich sehr. Ihre Gedichte sind sehr tiefgründig und teilweise melancholisch. Dennoch finde ich ihre Art und Weise zu Denken sehr interessant.


Welches Buch konnte dich sprachlich am meisten begeistern?


Als Linguistin gibt es für mich hier nur eine Antwort: Shakespeare, Shakespeare und nochmals Shakespeare !


Welche Romanfigur konnte dich am meisten begeistern?


Ich liebe Pippi Langstrumpf ! Pippi forever!!


Was ist dein teuerstes Buch im Regal?


Das ist mit Abstand Virginia Woolf "Orlando" aus dem Verlag Folio Society. Es kostet glaub ich 40€, ich hab es damals in Pfund bezahlt.


Welche Bücher hast du am öftesten erneut gelesen?


Jack London "Ruf der Wildnis", Goethes "Faust", Emily Bronte "Sturmhöhe", Bram Stokers "Dracula"


Was war dein erstes Buch, das du je gelesen hast und an das du dich erinnern kannst?


Wahrscheinlich die kleine Raupe Nimmersatt :-D


Du machst Urlaub in einem einsamen Haus am Meer. Welche Bücher nimmst du mit?


Ganz sicher etwas mit Meer. Ich mag das, wenn das Buch zum Thema passt. Außerdem gibt es so viele tolle Bücher, wo das Meer einen wichtigen Stellenwert hat. Es weckt auch immer gewisse Sehnsüchte bei mir und sorgt für eine ordentliche Portion Fernweh. 

Welche Bücher kannst du Schriftstellern empfehlen?


Alle, die unter dem Label "Topliste" auf meinem Blog zu finden sind!

Welches Buch hast du als grausamsten oder erschreckendsten empfunden?


Hm...da fällt mir momentan keines ein!

Welche Reihe an Büchern kaufst du alle ausnahmslos und sammelst du?


Finde die Ledereinband Ausgaben des Bertelsmann Verlags alle sehr schön. Man bekommt die Bücher aber nur noch gebraucht, aber immer wenn ich eines irgendwo sehe, nehme ich es mit! 


Von welchem Autoren hast du am meisten Bücher im Schrank stehen?


Das sind einige: Steinbeck, Charles Bukowski, Jack London, Bronte Schwester, Agatha Christie, Thomas Hardy, Shakespeare, Henning Mankell, Charles Dickens


Welches Buch sollte ich wirklich wirklich wirklich unbedingt lesen?


Vor kurzem habe ich die Autobiografie von Bruce Springsteen gelesen "Born to Run", dieses Buch hat mir sehr gut gefallen, ansonsten sind in der Rubrik Topliste meine Lieblingsbücher vertreten. Da könnte ich wirklich jedes total weiter empfehlen! 

Freitag, 7. April 2017

Als die Winter noch Winter waren


Ich bin mit meinem Beitrag etwas spät dran! Die Welt ist schon auf Frühling eingestellt, aber ich komme momentan zu gar nichts. Da ich auch gerade wieder umgezogen bin und noch Prüfungen schreiben musste, ist es auf diesem Blog etwas ruhig geworden. Und dabei hätte ich noch so viele tolle Beiträge zu posten...ich hoffe das bessert sich nun ein wenig.

Der Galiani Verlag war mir bis vor kurzem nicht bekannt, nun bin aber sehr froh, ihn über Umwege entdeckt zu haben. Durch Zufall ist mir die schöne Romeo & Julia Ausgabe ins Auge gestochen, weil ich aber schon so viele verschiedene Ausgaben von diesem Stück habe, konnte ich dann natürlich nicht aufhören auf der Homepage zu schmökern und entdeckte dieses schöne Buch von Bernd Brunners Kulturgeschichte über den Winter. Als Winterkind und Liebhaberin der kalten Jahreszeit musste ich das Buch dann unbedingt haben! Allein schon die Buchgestaltung kann sich meiner Meinung nach sehen lassen, dieses dunkle Blau mit den kühlen, silbernen Eiskristallen darauf macht einfach etwas her! Ein Kompliment an die Umschlaggestalter. Was kann man sich nun von diesem Buch erwarten?

Während der letzten Jahrzente hat sich unser Verhältnis zur kalten Jahreszeit durchwegs verändert. In manchen Gebieten schneit es schon seit Jahren nicht mehr und das Leben der Menschen wird im Vergleich zu früher nicht mehr von der Natur bestimmt. 2015 war das wärmste Jahr seit es Aufzeichnungen gibt, was das für den Menschen und die Natur bedeutet und wie das unsere Sicht zum Winter verändert hat, dem geht Brunner in diesem kleinen Lesebuch nach. Er begibt sich auf die Suche nach Geschichten und Belegen aus vergangener Zeit und wir Leser tauchen ein, in eine bezaubernde Welt voller Mythos und Spannung. Wir lernen Menschen kennen, wie den  Amerikaner Wilson A. Bentley, der angeblich über 5381 Fotografien von Schneeflocken anfertigte und damit bewies, dass keine der anderen gleicht. So erfahren wir viel Schönes, aber auch die Gefahren des Winters werden beleuchtet. Nicht zu vergessen ist auch der ökologische Aspekt, der mit dem Schmelzen der Gletscher eine ungewisse Zukunft darstellt.

Jedes Kapitel ist nur wenige Seiten lang, dafür sind die Informationen, die Brunner dem Leser in dieser Lektüre serviert, sehr gut recherchiert und von einwandfreier Qualität. Manchmal hat es mich an meine Uni-Skripten erinnert, da die Infos aber sehr interessant sind, habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man dieses Büchlein öfters aus dem Regal packt und immer wieder darin nachschlägt und schmökert.

Brunners Kulturgeschichte weckt oft eine Sehnsucht nach vergangenen Tagen, als die Winter noch Winter waren und man nur raus ging aus der warmen Stube, wenn man wirklich musste. Zum Holz holen zum Beispiel. Man hat einfach das Gefühl, dass die Winter früher viel schöner waren, da die Menschen gezwungen waren zusammen auszuharren und zusammenzuhalten.  Das Bedürfnis nach Wärme war einfach viel stärker gegeben, da man nicht einfach die Heizung anmachen konnte, so saß man in der warmen Stube und erzählte sich Geschichten. Das ganze Jahr über bereitete man sich auf den Winter vor, er hatte eine besondere Stellung im Leben der Menschen. Man sammelte Heu für die Tiere, legte Obst und Gemüse ein, musste Feuerholz anhäufen und sich vor der Kälte schützen, wenn man überleben wollte. "Als die Winter noch Winter waren" widmet sich der Geschichte einer Jahreszeit, mit allem, was irgendwie mit Winter zu tun und blickt am Ende vorausdeutend auf das, was noch kommen könnte.

Fazit:

Ein tolles Buch, sehr informativ, mit vielen interessanten Fakten zur kalten Jahreszeit. Der Autor schafft es aber trotzdem eine flüssig zu lesende Lektüre daraus zu machen, die gut unterhält und nicht langweilig ausfällt! Mir hat es sehr gut gefallen und ich habe viel gelernt beim Lesen !

sehr lesenswert :)

Donnerstag, 2. März 2017

Born to Run

HEYNE 2016 / 670 Seiten

Mit Rock n Roll ist das so eine Geschichte, wenn man einmal damit infiziert wird, lässt er einen auch nicht mehr so schnell wieder los. Ich bin dieser Musik eigentlich schon mein ganzes Leben verfallen. Angefangen hat es etwa im zarten Alter von 9 Jahren, ich kann mich noch genau erinnern, als mein Onkel mir die ersten MC Kassetten schenkte. Ich und meine Schwester verbrachten damals Stunden damit mit ihm in seinem senfgelben VW Golf II  herumzufahren und Rolling Stones, Bryan Adams und Bruce Springsteen zu horchen. Es sind für mich schöne Erinnerungen an vergangene Sommertage, Erinnerungen an eine einfache, glückliche Kindheit ohne Internet und Mobiltelefonen. Man verbrachte die Zeit draussen und wir fuhren eben herum und horchten Rock Musik, obwohl wir noch Kinder waren und nichts davon verstanden. Diese Tage haben aber vielleicht den Weg geebnet für eine lange Verbundenheit zu dieser Musik. Als Bruce Springsteens bekanntestes Album "Born in the USA" rauskam, war ich noch nicht einmal auf der Welt! Dennoch verbinde ich mit seinen Songs Erinnerungen an meinen Onkel und an die Anfänge der 90er Jahre. Mein Onkel lebt mittlerweile in Kanada und es sind bestimmt schon über 8 Jahre her, dass ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Als ich dann um die Weihnachtszeit die Autobiagraphie von Bruce in den Auslagen sah, musste ich das Buch einfach lesen. Die vielen guten Rezensionen im Internet machten es außerdem noch schmackhafter. Also ging ich in die nächste Buchhandlung, setzte mich in einen der freien Couchsesseln und las die ersten zwei Kapiteln und konnte mich nicht mehr von diesem Buch trennen. Leider kam dann der Uni Stress und die Prüfungszeit, sodass ich keine Zeit zum Lesen hatte und etwas länger für das Buch brauchte.

Bisweilen hat mich kein Buch so gerührt, dass ich nach dem Lesen der letzten Seite heulen musste, weil es entweder so traurig oder so schön war. Mr. Bruce Springsteen hat es geschafft! Warum dieses Buch nicht nur etwas für Fans ist, erfährt ihr in den nächsten Zeilen, aber vorher noch kurz etwas über den Mann, der es geschrieben hat!

Bruce Springsteen ist bestimmt kein Musiker, mit dem man seine Eltern als Teenager schockiert oder der aufgrund von einem skandalösen Leben oder Aussehen für Furore sorgt. Man wird weil man seine Musik hört keine große Aufmerksamkeit bekommen. Dennoch gehört er zu den ganz Großen und wurde auch in die Hall of Fame des Rock aufgenommen. Das, was seine Musik ausmacht, ist die minimalistische Art und Weise, wie er tiefgründige Songtexte vertont! Wer sich schon einmal einen Songtext von ihm gelesen hat, wird merken, dass Bruce eine detailreiche Sprache und Poetizität in seine Texte packt. Dabei beschäftigt er sich vor allem mit der Arbeiterklasse, derer ja seine Familie angehörte und in der er auch aufgewachsen ist. Ein Ideal der 50er Jahre und der Industriealisierung. Heutzutage gibt es irgendwie keine wirkliche Arbeiterklasse mehr, naja zumindest nicht mehr in dieser Art und Weise. Aber auch andere politische und gesellschaftlich kulturelle Ereignisse inspirierten Bruce zu dem ein oder anderen Songtext. Er ist der einfache Typ, der mit ausgeblichenen Jeansklamotten, Gitarre und Band auf der Bühne steht und für sein Publikum 3h!! Konzerte gibt, weil er einfach Spaß an der Rockmusik hat und weil er liebt, was er tut! 

In seinem Buch "Born to Run" begegnen wir genau diesem Typen, der total am Boden geblieben ist und uns etwas über sein Leben erzählt und das ist dann zufälligerweise das Leben eines Rockstars. Starallüren wird man aber auf keiner einzigen Seiten finden, es könnte irgendein x-beliebiger sein, der aus seinem Leben erzählt.  Bruce führt uns durch seine Kindheit in Jersey, erzählt von Außenseiter-Typen, denen er ja selber angehörte und nimmt uns mit in die Anfänge seiner Rockmusik-Zeit. Er schwärmt über Bands, wie es auch andere Teenager tun und wird von Elvis und Bob Dylan beflügelt selbst eine Gitarre in die Hand zu nehmen. Dabei spielen immer wieder politische und kulturelle Zeitgeschehen eine Rolle, auf die er dann auch eingeht, weil sie das tägliche Leben beeinflussten. Bis zu seinem ersten großen Hit und seiner ersten gut bezahlten Gage (die er nicht mal wirklich mitbekommt) soll es noch ein langer und steiniger Weg durch verschiedene Underground-Pubs werden. Er trampt von Jersey nach LA und wieder zurück in die Straßen seiner Kindheit, in das Arbeiterviertel, wo seine Eltern leben und wir Leser erfahren, was ihn zu diesem oder jenem Song inspirierte und wie diese entstanden sind.

"Meine Musik ist immer die eines Menschen gewesen, der seinen Platz in der Welt sucht, der wissen will, wohin sein Herz und sein Verstand gehören. Ich male mir ein anderes Leben aus und probiere es aus wie ein Kostüm. Ich versetze mich in eine andere Person, wandere mit ihr die sonnigen oder düsteren Straßen ihres Lebens entlang [...] so bin ich unterwegs mit einem Fuß im Licht, mit dem anderen im Schatten, und jeder Tag ist eine andere Herausforderung"

Dabei sind wir mittendrin in seinen Gedanken, die sich um die Menschen und das Leben auf dieser Welt drehen. Das ganze wird, obwohl Bruce schon seit seiner Teenager-Zeit unter Depressionen leidet, mit so einem lodernden Feuer erzählt, so voller Lebensfreude, dass es richtig anstecked ist. Mich hat dieses Buch mit all seiner Tiefgründigkeit zu Tränen gerührt und hätte es nicht fast 700 Seiten, würde ich es glatt nochmals lesen!

Für alle, die noch kein einziges Lied von Bruce Springsteen gehört haben, empfehle ich folgende Anspieltipps:

1) Atlantic City 2) Human Touch 3) Paradise 4) The Ghost of Tom Joad 5) Born to Run 

Fazit:

Das erste Buch, das mich zum Heulen gebracht hat, einfach weil es so schön geschrieben ist. Egal, ob man Mr. Springsteen mag oder nicht, ich empfehle es auf jeden Fall weiter, weil es eine Geschichte erzählt von jemandem, der in der Zeit zwischen 1950 und 1980 aufgewachsen ist und der sehr gut und tiefgründig über die Welt und das Leben nachgedacht hat!

Pssst: Dieses Buch gibt es beim österreischischen Online-Buchhandel MORAWA. Mit dem Erwerb des Buches über diesen Link unterstützt du den österreichischen Buchhandel. Hier klicken und gemütlich stöbern :) 

verschlungen!
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