Mittwoch, 8. Februar 2017

Ich mach Pause...


Liebe Leser/Innen! Dieses Semester auf der Uni war sehr intensiv für mich, irgendwie bin ich auch nicht recht viel zum Lesen gekommen. Deshalb mach ich einfach mal Pause! Morgen fliege ich wieder nach Finnland, darauf freue ich mich schon sehr! Dieses Mal geh ichs ganz entspannt an, auf dem Plan steht Freunde besuchen, auf das ein oder andere Konzert gehen und einfach Helsinki im Winter genießen, Pulla essen, ganz viel Kaffee trinken und Lesen ;) Im Gepäck befindet sich Arno Geigers Buch "Es geht uns gut", Bernd Brunners "Als die Winter noch Winter waren" und Dostojewskis "Schuld und Sühne". Wobei ich letzteres schon fast durch habe.

Am Freitag bin ich dann auf  der Release-Party von der Band Battlebeast, die ein neues Album herausgebracht haben. Die Gastgeberin ist niemand anderes als die Sängerin Noora selbst. 

(Schön, wenn man Freunde bei der finnischen Presse hat :-P) 

Bevor es aber in den schönen Norden geht, bin ich noch in Wien unterwegs und besuche die Nationalbibliothek, das nehme ich mir schon so lange vor. Dieses Mal klappt es hoffentlich...sollte nichts Unerwartetes passieren, könnt Ihr hier Ende Februar ganz tolle Bilder von einer der schönsten Bibliotheken weltweit bewundern, und das sag ich nicht nur, weil sie in Österreich liegt ^^

So ein kleiner Urlaub ist schon was Tolles! Allen, die leider nicht Pause machen können, wünsche ich trotzdem eine entspannte Zeit! Macht es Euch gemütlich mit einem spannenden Buch und einer Tasse heißem Kaffee.

Bis bald, Eure Tinka!

Ende Februar gehts hier dann mit der Rezension zu Dostojewski's Schuld und Sühne weiter ;)

Freitag, 3. Februar 2017

Meine Empfehlungen...


Bücherblogs gibt es ja mittlerweile wie Sand am Meer! Aber irgendwie gehen wir Blogger aus Österreich im weiten Netz unter. Bis dato habe ich nicht recht viele österreichische Literaturblogger gefunden. Deswegen ist es vielleicht auch wichtig, dass wir uns umso mehr vernetzen. Auf dem Blog Nana what else   gibt es schon eine kleine und feine Liste mit Blogs aus dem Land der Berge, sie enthält aber mehr Fantasy-Blogs und Young Adult Bücher verschlingende Blogger.  Mit diesem Post möchte ich auch meinen Beitrag leisten und 1. auf uns aufmerksam machen und 2. einige coole Blogs vorstellen, die sich eher mit anspruchsvollerer Literatur beschäftigen. Hier also meine Favoriten: 

Judith von Leseloop hat sich der Literatur aus Österreich verschrieben. Nach ihrem Studium der Germanistik, mit Schwerpunkt neuere deutsche Literatur, hatte sie schon fast die Freude am Lesen verloren. Doch mit ihrem Blog wollte sie Rezensionen veröffentlichen, die im Vergleich zum Studium nicht staubtrocken sind, und das macht sie meiner Meinung nach sehr gut und unterhaltsam. Arno Geiger's Buch "Selbstportrait mit Flusspferd" ist nur ein Beispiel. Aber überzeugt euch selbst. Von diesem Autor hab ich leider noch nichts gelesen, aber auf dem SUB schlummert schon seit längerem sein Buch " Es geht uns gut", vielleicht sollte ich es demnächst einmal befreien und lesen.

Ein Blog, der mir persönlich sehr gefällt und den ich auch öfters lese, ist der von Gabi. Sie nennt ihren Blog Blücher und bloggt schon seit 2007 über Bücher unterschiedlichen Genres. Man findet dort Meinungen zu Klassikern, Jugendbüchern, Fantasy, Krimis/Thriller, aber auch Gedichte und Science Fiction. Ich mag diese Mischung, da ist für jeden etwas dabei. Ihre Rezension zu Thomas Hardys Buch "Am grünen Rand der Welt" hat mir besonders gut gefallen ;) Leser meines Blogs wissen vermutlich, dass ich Hardy liebe, liebe, und liebe!

Nana wuselt seit 2011 mit ihrem Blog Nanawhatelse durchs Netz und steckt Menschen mit ihrer Liebe zu Literatur an. Die sympathische Salzburgerin ist Bloggerin mit Leib und Seele und schreibt am liebsten über Fantasy und Young Adult. Aber auch so manches alte Buch  hat sich schon auf ihren Blog verirrt. In einem ihrer Beiträge kann man eine der schönsten Bibliotheken Österreichs bewundern, die Stiftsbibliothek Admont. Zum Sterben schöne Bilder! 

Anjas Texte vom Wortlichter Blog haben ihre eigene Melodie. Sie schreibt über sich selbst:,,Ich möchte das meine Worte leuchtend sind, wie aus Licht gewebt. Sie sollen zum Denken anregen oder das Herz berühren. Sie sollen eine Quelle der Inspiration sein. In dieser Zeit, wo nichts von Dauer ist, sollen sie ein Ruhepol sein und gleichzeitig Kraft spenden". Ihre Rezensionen sind mit viel Feingefühl geschrieben und man bekommt einen guten Eindruck über die Bücher und ihr Wesentliches. Anjas Blog stellt laufend Neuerscheinungen vor und hat ein Faible für Liebesromane. Außerdem liebt Anja das Schreiben und lässt ihre Leser gerne an ihren Gedanken zu den verschiedensten Themen teilhaben, zb über Don Quichotte und die Liebe.

Book Broker ist Innsbrucks Buchblog Nr 1, so wurde er zumindest in einer Innsbrucker Tageszeitung gekürt. Evelyn bloggt dort über Themen der Literatur- und Kulturwelt. Als fertige Studentin der Vergleichenden Literaturwissenschaft und der Erziehungswissenschaft möchte sie mit ihrem Blog weiterhin ihrer Leidenschaft zu Büchern eine Stimme verleihen. Evelyn liebt Krimis, ihre Meinung zu Simon Beckett's neuem David Hunter Roman Totenfang ist auf jeden Fall sehr lesenswert. Ihr Blog ist aber auch schon wegen den schönen Fotos einen Besuch wert ;)

Einen interessanten Blog führt auch ein hungriger Bücherwurm namens Mariki. Schon alleine ihre Bibliothek ist umfangreich groß. Ihr Appetit verzehrt so ziemlich alles, was man als Buch drucken kann, wobei Neuerscheinungen zu ihrer Leibspeise gehören. Schaut doch mal bei Mariki vorbei.

Es wäre natürlich schön, wenn zu diesen von mir vorgestellten Blogs noch ein paar dazu kämen. Und wenn du selbst einen Blog hast, aus Österreich bist, freue ich mich über einen Link dazu im Kommentarfeld.

Dienstag, 24. Januar 2017

Schafe im Schnee

das Original erschien 2009 unter dem Titel Færeyskur dansur

oder vom Alleinereisen

Huldar Breiðfjörð ist Isländer und begibt sich auf eine Reise auf die 18 Färöer Inseln mit dem Ziel, den vermeintlichen Unterschieden zwischen Färingern und Isländern nachzugehen. Einen Monat ist er alleine unterwegs und trifft auf seinen Erkundungstouren auf schweigsame Fischer, störrische Schafe, zockende Deathmetal-Fans, Einsamkeit und schlechtes Wetter.

Es ist ein besonderer Menschenschlag auf den Färöern, der dem schlechten Wetter trozt und sich wohlfühlt in der Abgeschiedenheit und Einsamkeint. Über 300 Regentage verzeichnet man dort jährlich und an den regenfreien Tagen muss es nicht unbedingt trocken sein, denn dann versinken die schroffen Gipfeln im Nebel und nicht einmal Cafes gibt es, wo man sich aufwärmen kann. Nur wenige Touristen wagen sich hin, die überschaubare Auswahl an Unterkünften machts abgesehen von Torshavn (Hauptstadt) schwer ein Bett zu finden. Der Autor und Ich Erzähler findet sich daher in einer Wohngemeinschaft wieder. Dort bezieht er ein kleines Zimmer, die Küche teilt er sich mit den anderen Mitbewohnern, die alle Einheimische sind. Da gibt es zwei verrückte Deathmetaller, ein Pärchen und einen Straßenbauarbeiter, mit dem er sich schließlich auch anfreundet. Von dort macht er sich auf und streift wochenlang in der Hauptstadt herum, sucht das einzige Cafe auf, schlendert im Regen und findet sich in Untergrundkellern wieder, wo der berühmte Färöische Tanz getanzt wird.

Bei diesem Buch darf man keinen Reisebericht erwarten, der einen motivieren soll auf die Färöer Inseln zu fahren, es ist vielmehr ein Erlebnisbericht, der sich ergibt, wenn man alleine und ohne wirklichen Plan 1 Monat irgendwo verbringt, wo es nicht wirklich was zu tun gibt. Hier geht es mehr um die Reise selbst, das Reflektieren der eigenen Person und des Fremden. Primär erzählt Breiðfjörð von den Menschen und ihren Eigenarten. Ich würde sagen, dass die Art wie der Autor reist eine eigene Philosophie des Reisens darstellt, und zwar die des "slow-travelling" . Sie spielt sich jenseits von Massentourismus und Top-10 Attraktionen ab. Der Autor nutzt verschiedene Fortbewegungsmitteln, gibt sich dem Zufall und Chaos der Natur aus und entwickelt dabei einen eigenen Blick, den er in diesem kleinen Büchlein dokumentiert. Durch die neuen Freundschaften, die er dabei knüpft, erfährt der Leser indirekt etwas über die Geschichte, Wirtschaft und Kultur der Färöinger. Wie ein Schatten folgt man Breiðfjörð stets auf veschneiten Pfaden und lauscht die Gespräche mit und auch in den einsamen Stunden ist man gegenwärtig.

Meine Meinung:

Da ich kommenden Sommer eine Reise auf die Färöer Inseln geplant habe, lese ich momentan viele Sachbücher darüber und blättere in der Bibliothek durch so manches Fotobuch und bin ganz fasziniert von der schönen Landschaft und Einsamkeit. "Schafe im Schnee" geht dann noch tiefer und offenbart uns die wirkliche Welt der Färöern und ihren Menschen. Besonders gut gefallen hat mir der ironische Schreibstil, der einfach gewürzt ist mit nordischem Humor. Im Internet fand ich nur wenige Rezensionen zu diesem Buch und die, die ich gefunden habe, fallen oft sehr negativ aus. Ich bin aber froh, mir das Buch dennoch gekauft zu haben, weil es mir sehr gut gefällt. Es hat mich oft an meine Reisen erinnert, da ich auch seit letztes Jahr das Alleinereisen für mich entdeckt habe. Die Vorteile liegen darin, dass man viel offener auf Menschen zugeht und wenn man allein unterwegs ist, lernt man oft schräge Personen kennen und das Abenteuer ergibt sich ganz von alleine. Durch dieses Buch hab ich so einiges über die Färöeische Seele erfahren, das man so in keinem Reiseführer findet. Das Buch ist sehr lesenswert und würde von mir die Höchstpunktezahl erhalten, wäre da nicht dieses Kapitel Nr 32, das irgendwie für Verwirrung sorgt. Der Autor befindet sich darin wieder in Island, in einem Hotel und versucht ein Resümee der Reise zu ziehen, als er aber dann behauptet die Geschichte einer Reise zu erzählen, die nie stattgefunden hat, macht es das Buch irgendwie unglaubwürdig. Dieses Kapitel hätte meiner Meinung entfernt werden sollen!

Fazit:

Eine schöne literarische Reise, wer Schnee, Skandinavien & Einsamkeit liebt, der wird das Buch genüsslich lesen und sich über den Humor freuen. Ein Roman über slow-travelling und die Abenteuer, die sich dabei ergeben.

sehr lesenswert :)

Dienstag, 17. Januar 2017

Geheimnis in Weiss

Klett Cotta Verlag, 281 Seiten in Leinen gebunden

Weihnachten ist zwar schon vorbei, aber dieses kleine Büchlein passt trotzdem gerade sehr schön in die Zeit. Nicht nur, weil es einen so schönen winterlichen Titel hat, sondern auch, weil es einfach im Buch unaufhörlich schneit. Die Geschichte wurde schon 1937 publiziert und ist deshalb im eigentlichen Sinne keine Neuerscheinung, aber weil das Buch erst jetzt ins Deutsche übersetzt wurde, ist es irgendwie doch neu. Nur 280 Seiten lang, wurde es in Leinen gebunden und erzählt eine Mordgeschichte. Eine gemütliche Mordgeschichte. 

Inhalt:

Es ist kurz vor Weihnachten und ein Zug mit mehreren Passagieren bahnt sich seinen Weg durch die verschneite Landschaft Englands. Während der Bahnfahrt schneit es aber so heftig, dass der Zug im Schneetreiben in der Nähe des Dorfes Hemmersby steckenbleibt. Das lange Warten wird den Insassen bald zu blöd und sie machen sich auf, um den nächsten Bahnhof zu suchen. Jeder möchte natürlich noch vor Heiligabend zu Hause eintreffen. Doch der Weg stellt sich als schwierig heraus, vom ganzen Schnee sieht man überhaupt nichts und einige der losgezogenen Passagiere kränkeln auch. Als sie schließlich auf ein verlassenes Landhaus treffen, suchen sie Zuflucht dort, bemerken aber schnell, dass die Tür offen steht, der Kamin brennt und auch der Tisch ist zum Tee gedeckt aber von den Bewohnern fehlt jede Spur. Hier ist Seltsmes in Gange. Während die Eindringlinge versuchen hinter das Geheimnis zu kommen, passiert auch noch ein Mord. 

Meine Meinung:

Ach, ich liebe ja gemütliche Wintergeschichten, solche Bücher haben eine ganz eigene Stimmung. Im Kamin prasselt ein Feuerchen, irgendwo liegen kuschelige Wolldecken, am Herd köchelt ein Eintopf vor sich hin und zum Nachtisch gibt es lecker Kuchen. Vor dem Haus steht ein Schneemann und immer wird ganz viel Tee getrunken. Auch bei "Geheimnis in Weiss" tauchen wir ein in eine behagliche Winterwelt. J.Jefferson Farjeon führt uns langsam in seine Geschichte ein, es wird zu Beginn ein kalter Wintertag geschildert, wie man ihn oft aus dem Radio hört. Die Kinder freuts, die Autofahrer sind nicht besonders darauf vorbereitet und die Landschaft ist getaucht in einen weissen Zauber. Von den Protagonisten erfährt man zunächst einmal nicht viel, sie werden erst im Verlauf der Erzählung vorgestellt. Eine bunt zusammengewürfelte Truppe ist das, da gibt es einmal den etwas hochnäsigen und selbstbewussten Buchhalter Mr. Thomas, dann die beiden Geschwister David und Lydia, die irgendwie an ein altes Ehepaar erinnern, den alten Mr. Maltby, der für die königliche parapsychologische Gesellschaft unterwegs ist, eine Tänzerin namens Jessie und schließlich gesellt sich auch ein Nörgler hinzu. Alles sehr eigenartig. Man fragt sich natürlich weshalb genau diese schrägen Typen so zusammenfinden, aber einen wirklichen Grund scheint es nicht zu geben. Dass bei so einem Auftakt natürlich witzige Dialoge rauskommen, kann man sich schon im Vorhinein denken. (sehr unterhaltsam) Manchmal spitzen sich die Dialoge auch etwas zu und es wird im bissigen Ton miteinander gesprochen. Jeder ist schlauer als der andere, dann passiert ein Mord und plötzlich sind alle verdächtig.

Lange Zeit hat man einfach überhaupt keinen Tau wo diese Erzählung hinführen soll, der Autor offenbart dem Leser nur häppchenweise neue Informationen, die man wie ein Puzzle zusammensetzen muss, damit die Geschichte Sinn macht. Ganz in der Tradition von Agatha Christie, Dorothy L. Sayers oder Sherlock Holmes reiht sich ein Misterium an das andere und lässt den Leser lange im Dunkeln tappen. Ich habe sehr lange gebrauch um in die Geschichte reinzufinden, die Charaktere fand ich auch einfach sehr sonderbar, sie waren mir so nichtssagend. Teilweise sind sie auch sehr oberflächlich gestaltet, vielleicht weil sie nicht das wichtigste im Buch sind?

Ich muss auch erwähnen, dass dieses Buch natürlich Ende der 30er Jahre geschrieben wurde und auch die für damals üblichen gesellschaftlichen Normen mit sich bringt. An manchen Stellen haben dann einfach die weiblichen Figuren den Mund zu halten wenn der Mann spricht und sozial höher gestellte Passagiere dürfen ausreden, während andere deswegen nicht so ernst genommen werden.

Zusammenfassend hab ich diese kleine aber doch so obskure Geschichte gerne abends gelesen, sicherlich gibt es bessere Detektivgeschichten und Cozy Krimis, aber ich kenne kein anderes Buch, das so geheimnisvoll aufgebaut ist wie dieses hier.

Fazit:

"Geheimnis in Weiss" macht seinem Namen alle Ehre. Lange Zeit fragt man sich einfach, wo denn diese Erzählung hinführt. Jefferson Fahjeon hat ganz nach alter englischer Manier einen Cozy Krimi geschaffen, der zum Miträtseln einlädt und dadurch unterhält, dass er irgendwie auf eine charmante Art und Weise  altmodisch ist.

★ + 1/2

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Thérèse Raquin

erschienen 1867, 270 Seiten, dtv Verlag 

Mit Emile Zola hab ich mich in letzter Zeit sehr viel auf der UNI beschäftigt. Er gilt als Erfinder der naturalistischen Literatur und entwickelte den sogenannten Sekundenstil. Dabei werden Situationen akribisch beschrieben ohne eine subjektive Wertung einzubauen. Zola orientierte sich in seiner Literatur an wissenschaftlichen Methoden und hebte die Literatur somit von der Romantik ab. Besonders dabei war die Darstellung des Hässlichen in der Welt. 

Ich habe diesen Roman regelrecht verschlungen! Mit französischer Literatur konnte ich mich anfangs ja nicht so besonders anfreunden, aber alle Romane, die dem Naturalismus zuzuordnen sind, haben mich sehr begeistert. In Therese Raquin findet man fast in jedem Kapitel eine sehr realistische Schilderung der Welt, in der dieser Roman spielt. Wir befinden uns in Paris um 1870 herum und bekommen einen guten Eindruck über das Alltagsleben der Menschen damals. 

Inhalt:

Die Protagonistin Therese Raquin wächst bei ihrer Stiefmutter Madame Raquin und ihrem Sohn Camille in der französischen Provinz auf. Ihre Stiefmutter fädelt eine Hochzeit zwischen den beiden jungen Leuten ein. Danach übersiedeln sie nach Paris und Madame Raquin erwirbt ein Nähgeschäft ,indem sie auch Therese beschäftigt.  Camille findet eine Anstellung als Beamter. Die erzwungene Hochzeit stellt sich als leidenschaftslos heraus. Camille ist ein richtiges Müttersöhnchen, dürr, schwach und von Krankheit geprägt, Therese hingegen ist zu Beginn des Romans sehr verschlossen, aber ihre Sinnlichkeit wird immer wieder betont. Sie betrügt ihren Ehemann mit dem Maler und besten Freund ihres Mannes Laurent. Völlig von ihrer Leidenschaft getrieben, ertränken die beiden Camille bei einem Sonntagsausflug  und deklarieren den Mord als Unfall. Danach folgt ein stufenweiser Abstieg in die Hölle und sie werden von Alpträumen und Halluzinationen geplagt, diese sind so ausgeprägt, dass es am Schluss zum Selbstmord kommt. 

Meine Meinung:

Bei diesem Roman darf man keine Unterhaltungsliteratur erwarten, die sich um Ehebruch dreht, wie sie beispielsweise in anderen bekannten Romane zu finden ist. Die Absicht in diesem Roman ist eine psychologische Studie, die sich daraus ergibt, dass Emile Zola zwei komplett konträre Personen in einem Schauplatz platziert und beobachtet was passiert. Dabei geht es vor allem um Temperament und nicht um Charaktere. Im Nachwort sagt Emile Zola: "Ich habe Personen gewählt, die unumschränkt von ihren Nerven und ihrem Blut beherrscht werden, ohne freien Willen" Besonderes Augenmerk wird wie oben erwähnt darauf gelegt, dass Hässliche, Abartige und Kranke darzustellen, diese Elemente bekommen bei Zola eine neue Ästhetik. Vor allem für das Morbide hat der Schriftsteller eine Vorliebe. 

"die Morgue ist ein Spektakel für jeden Geldbeutel, das sich die armen wie die reichen Passanten umsonst leisten. Die Tür steht allen offen, mag eintreten, wer will. Sie hat ihre Liebhaber, die Umwege machen [...] Laurent kannte bald das Publikum, das hierher kam ..."

Die Leichen werden sehr detailreich beschrieben und auch an allen anderen Dingen, Landschaften, Häuser oder Menschen und Leidenschaft wird das Negative herausgehoben. Zola konzentriert sich in seiner Geschichte aber auch auf die Darstellung menschlicher Triebhaftigkeit, die ja die Protagonisten letztendlich sogar in den Selbstmord treibt. Das letzte Viertel des Buches beschreibt den geistigen Verfall der Protagonisten, wie sie alles Erdenkliche versuchen, um sich von der Schuld zu befreien und dabei zu Grunde gehen. Dieser Schonungslose Blick auf die Welt, ohne Beschönigungen hat mir sehr gut gefallen. Wie Zola die Hässlichkeit der Dinge wiedergibt und sich manchmal in Details verliert sind Beobachtungen eines großartigen Psychologen und Menschenkenner. 

Ich habe genüsslich gelesen, wie Zola seine Figuren in einem feuchten Loch wohnen lässt, wo es nach Friedhof riecht und wie er Schauplätze beschreibt, die gepflastert sind mit gelblichen, abgetretenen Steinplatten und Ecken, in die kein Sonnenlicht dringt. Süchtig las ich die Entwicklung, die Therese und Laurent durchleben und was für Gedanken in ihren Köpfen sie in den Wahnsinn treiben. Fasziniert davon, wie Zola dem Hässlichen der Welt eine eigene Ästhetik schenkt, konnte ich dieses Buch nicht mehr aus der Hand geben und werde demnächst wieder etwas von ihm lesen!

Fazit:

Emile Zola stellt hier eine Welt schonungslos ehrlich dar, vor allem auf das Hässliche geht er genau ein. Seine Protagonisten werden von ihren Dämonen getrieben und können den Kampf letztendlich nicht gewinnen. Ein schönes, schauriges Buch, das jeden Romantiker in den Wahnsinn treiben wird!

★ verschlungen!

Dienstag, 20. Dezember 2016

Hercule Poirots Weihnachten


In ein paar Tagen ist bereits Weihnachten und irgendwie mag die Weihnachtstimmung nicht so recht aufkommen. Sobald ich Instagram oder Pinterest aufmache, sehe ich nur schöne Bilder mit verschneiten Landschaften und elegant geschmückten Christbäumen, aber ein Blick aus dem Fenster und ich werde mit der traurigen Wahrheit konfrontiert. Alles grau in grau und keine kl Spur eines Schneeflöckchens! Was macht man da bloß? Auf den Weihnachstmarkt gehen, hat nicht so viel bewirkt und auch das Backen von leckeren Keksen konnte die Sehnsucht nach etwas Schnee nicht tilgen. Habt ihr denn in Eurer Gegend Schnee? Und wie ist das bei Euch so mit der Weihnachtsstimmung? Meine Nachbarn beispielsweise sind vor Jahren aus der Kirche ausgetreten und feiern gar kein Weihnachten mehr. Für mich käme das ganz und gar nicht in Frage!! Ich liebe Weihnachten! Wenn Ende November alles schön geschmückt ist und die Leute sind alle total motiviert, das mag ich einfach. Während der Feiertage hat man auch immer etwas Zeit für sich und kann stundenlang gemütlich lesen oder alte Filme schauen. Es laufen dann Weihnachtskomödien im TV und man kann einfach entspannt mit einer heißen Tasse Tee gammeln und nichts tun. Oder man macht es sich mit einem spannenden Krimi gemütlich. Lovelbooks hat gerade eine tolle Sammlung mit den spannendsten Krimis rund ums Fest. Einfach mal unter dem Link schmökern. Mit einem Lovelybooks account kann man auch für den besten Weihnachtskrimi abstimmen.

Mein Lieblingsdetektiv Mr. Hercule Poirot wird kurz vor Weihnachten um Hilfe gerufen und muss erkennen, dass die Suche nach dem Mörder diesmal etwas schwieriger ausfallen wird. Es sollte eigentlich ein Familientreffen werden. Der alte Mr. Simeon Lee möchte seine Famile dieses Weihnachten um sich haben und verschickt an alle Familienmitglieder Einladungskarten, denn wer weiß, ob er das nächste Weihnachten miterleben wird!? Allerdings hält sich die Freude der Verwandten in Grezen, denn niemand ist mit den anderen so im Grünen und der alte Mr. Lee ist ein richtiger Familientyrann. Als zu seiner Überraschung aber dann doch alle eintrudeln, hat der alte Herr nichts anderes zu tun als alle zu beleidigen und zu provozieren. Damit hat es aber schnell ein Ende, wenig später wird er tot aufgefunden. Nach der ersten Befragung stellt Poirot fest, hier hätte eigentlich so gut wie jeder Gründe den alten Mann zu hassen. 

Meine Meinung:

Agatha Christies Versprechen einmal einen besonders blutigen Krimi zu schreiben wurde hier definitiv umgesetzt. In keinem anderen Krimi von ihr wird so detailliert auf den Zustand der Leiche eingegangen. Aber einen Thriller darf man trotzdem nicht erwarten, Hercule Poirots Weihnachten besticht durch seinen englischen Erzählstil und die Verwicklungen und Eigenheiten der vorkommenden Personen. Wie so oft bei Christies Krimis spielt die Geschichte auf einem englischen Landgut, nämlich auf Gorstom Hall in der Grafschaft Middleshire. Also ein typischer englischer Krimi wiedermal mit Butler und Teezeit. Mr. Simeon Lee könnte nicht boshafter und grimmiger kreiert werden als von einer britischen Schriftstellerin. Auch alle anderen Personen sind typisch britisch. Sie sind alle so eigenartig, mal böse, mal gut oder ein Opfer ihrer selbst. Sympathisch fand ich eigentlich keinen so wirklich, bis auf Hercule Poirot natürlich. Da ist der alte Mr. Lee, der mit seinem Sohn Alfred und dessen Frau auf dem großen Anwesen lebt. Bei der Zusammenführung der Familie geht es ihm nicht um eine große Versöhnung, sondern eher um den Unterhaltungswert. Er weiß ja, dass sich niemand so wirklich ausstehen kann. Alfred hat die Firma vom Vater übernommen und ist eher der brave und ruhige Sohn, der nichts zu melden hat. Sein Bruder David interessiert sich für Musik und ist in den Augen des Vaters ein Schwächling. Dann gibt es noch Harry, der irgendwie so aus dem Nichts auftaucht, lange Zeit hielt man ihn für verschollen. Außerdem  George, der sich mit Alfred noch nie wirklich verstanden hat und in die Politik ging. Da sind auch ohne Mr. Lees Zutun Konflikte schon vorprogrammiert. Im Verlaufe der Geschichte tauchen noch einige unerwartete Personen auf, die zusätzlich nochmals für Verwirrung sorgen und auf die Ausfindung des Mörders dieses Mal besonders lange warten lassen. Es ist aber genau dieses besondere Element des Rätselratens, das Christie hier einbaut, was den Krimi so lesenswert macht. Lange Zeit kommt wirklich jedes Familienmitglied in Frage, immer wieder werden Geheimnisse gelüftet, die den einen oder die andere nochmals verdächtiger machen. Stückchen für Stückchen scheint sich das Puzzle zusammenzusetzen, aber ständig passt ein Teil nicht. Es bleibt bis zum Schluss super spannend. Originell fand ich dann die Auflösung des Mordes, als Leser hat man das einfach nie und nimmer vermutet. Herucle Poirots Weihnachten ist eines der besseren Christie-Bücher. Es hat den typischen Christie Charme, ihre direkte und ehrliche Sprache sticht diesmal besonders heraus.  Wer also noch nichts von der Queen of Crime gelesen hat, dem empfehle ich dieses Buch. Mit knappen 266 Seiten lässt es sich gut über die Weihnachtsfeiertage lesen. 

Weihnachtlich ist bei diesem Buch aber nur der Titel. Es wird weder ein üppiges und festliches Familienmahl beschrieben noch kommen Dekorationen vor oder irgendetwas das auf Weihnachten hindeuten würde. Weihnachten ist eher im Hintergrund.

Fazit:

Agatha Christie at her best! Dieser Krimi bleibt spannend bis zum Schluss und erzählt in schöner alter britischer Manier eine Mordsgeschichte, die sich auf einem alten Landgut abspielt, wo der Butler noch Tee serviert und alle Personen so eigenartig sind, wie man es in englischen Erzählungen liebt!
  
verschlungen!

Dienstag, 13. Dezember 2016

Der große Gatsby


Spätestens seit der Verfilmung mit Superstar und Oskargewinner Leonardo DiCaprio ist der große Gatsby zu einem richtigen Kultbuch geworden. Es hat mich also nicht verwundert als das Buch zur November-Lektüre in unsrem Buchclub mit großer Stimmenmehrheit gewählt wurde. Und da der Penguin Verlag gerade eine wunderschöne gebundene Ausgabe hat, hab ich mich auch sehr auf das Lesen gefreut. Das Buch konnte aber dann meine Erwartungen nicht so ganz erfüllen.

Über Fitzgerald war mir sehr wenig bekannt, er hatte aber wie so viele Schriftsteller mit Alkoholproblemen zu kämpften, führte anscheinend ein glamouröses Leben und sorgte dank seiner Ehe mit Zelda Fitzgerald immer wieder für Schlagzeilen. Fitzgerald verkörpert das Jazz-Age und thematisiert in seinen Büchern die Goldene Zeit der 20er.

In seinem Roman "Der große Gatsby" entführt er uns in eine schillernde Welt der 20er Jahre an die Ostküste Amerikas, nach New York. Die Stadt ist durch das Tal der Asche (Valley of Ashes)  zweigeteilt in East Egg und West Egg. Je nachdem in welchem Teil jmd lebt, sagt über ihn aus, ob er schon immer reich war oder zu den Neureichen gehört. Der Protagonist als auch Mr. Gatsby leben beide in West Egg, das unter den East Eggern nicht besonders angesehen ist. Sie empfinden die Leute als nicht gebildet, weil sie mit ihrem Geld protzen und aus keinem guten Hause stammen und deswegen auch nicht über die für hohe Gesellschaften typischen Manieren und Konventionen verfügen.


Mr. Gatsby ist der Prototyp der West Egger, reich, gut gekleidet, nicht besonders gebildet. Er lebt in einem großen Haus und gibt jeden Tag schillernde Parties. Woher sein umfangreiches Vermögen stammt, ist aber ein Misterium für sich, was natürlich für großen Tratsch und Klatsch sorgt. Aber nicht nur deswegen ist er in aller Munde, er fährt auch gerne protzige Autos spazieren und bleibt den Parties in seinem Haus fern. Auf der anderen Seite lebt Gatsbys Liebe-des Lebens, die schöne Daisy. Bevor Gatsby in den Krieg ziehen musste, verliebten sich die beiden und Daisy versprach auf ihn zu warten, was sie aber dann letztendlich nicht gemacht hat. In seiner Abwesenheit heiratete sie den reichen Football-Spieler Tom Buchanan und lebt seitdem in East Egg. Erzählt wird die Geschichte von Daisys Cousin Nik, der sich ein kleines Haus in Westegg kauft und zufälligerweise liegt dieses dann auch ein paar Meter entfernt von Mr. Gatsbys. Er ist zwar in seiner Erzählweise sehr objektiv, wird dann aber im Verlaufe der Geschichte ein Freund und Vertrauter Gatsbys. So fädelt er auch ein Treffen zwischen Daisy und Gatsby ein, indem er beide zum Tee in sein Haus einlädt. Dann beginnt eine erneute Romanze zwischen ihnen, die aber dann ein tragisches Ende findet. Aber das liest man am besten selbst nach!


Meine Meinung:

"Der große Mr. Gatsby" ist eine Liebesgeschichte mit viel Hollywood-Potenzial. Mir war das Buch leider zu unrealistisch, weshalb ich mich dann auch nicht ganz auf die Geschichte einlassen konnte. Banale Zufälle (der Ich-Erzähler zieht in ein kl. Bruchbude-mäßiges Haus, das neben der Villa Gatsbys liegt) machten es leider nicht besser. Seltsam fand ich auch, dass Daisy und Gatsby beide reich sind, in unmittelbarer Nähe leben, sich aber seit 5 Jahren nicht gesehen haben. Naja... Die erste Hälfte des Buches empfand ich als inhaltloses bla bla, es passiert nicht besonders viel, auch die Schreibweise ist eher einfach! Ein paar poetische Passagen heben das Niveau manchmal ab, aber das wars dann auch schon. Der großer Knaller blieb für mich leider aus. Mr. Gatsby bleibt zwar sehr lange misteriös und man fragt sich, woher denn diese ganze Kohle jetzt stammt, als der Schleier dann fällt, gibt es nichts Unerwartetes. Er ist auch nicht so besonders, wie er beispielsweise im Film dargestellt wird. Im Buch kommt Mr. Gatsby viel unscheinbarer daher, wenn nicht gerade etwas platt. Letztendlich dreht sich die ganze Geschichte um die Liebe zu Daisy, die sie aber meiner Meinung gar nicht Wert ist. Daisy war mir einfach viel zu sehr unsympathisch! Fitzgeralds Schreibstil ist karg, er sagt nur, was wirklich gesagt werden muss. Vieles bleibt verborgen und dem Leser überlassen. Auch die Beschreibung der Figuren fällt nicht so detailreich aus. Ab und an werden  Klassenunterschiede in der Gesellschaft der Vereinigten Staaten thematisiert, ebenso wie Probleme durch Alkoholismus oder Depressionen. Leider viiiel zu kurz. Vorherrschend sind dann trotzdem Schilderungen von Glanz und Glamour, Champagner und Prunk. Für mich leider ein oberflächliches Geplänkel ohne viel Tiefgang!

Im letzten Drittel des Buches passiert das Wesentliche und das Buch endet mit einem schönen Abschlusssatz:

"Gatsby believed in the green light, the orgastic future that year by year recedes before us. It eluded us then, but that's no matter - tomorrow we will run faster, stretch out our arms further ... And one fine morning - So we beat on, boats against the current, borne back ceaselessly into the past"

Fazit:

Das Buch wurde meiner Meinung zu unrecht gehypt, es ist vielleicht für den einen oder die andere eine schöne Geschichte mit Hollywood Manier, aber leider kein Knaller. Insgesamt konnte ich dem Autor die Geschichte irgendwie einfach nicht abnehmen, sie ist mir zu realitätsfern! Man kann es lesen, versäumt aber nicht viel, wenn man es nicht gelesen hat!

ok
Blogger Widget
Contact GitHub API Training Shop Blog About © 2016 GitHub, Inc. Terms Privacy Security Status Help