Sonntag, 18. Februar 2018

The Rum Diary


 Letztes Semester habe ich ein freies Wahlfach besucht, wobei ich mich viel mit teilnehmenden Beobachtungsstudien beschäftigt habe und über Umwege sozusagen auf Hunter S. Thompson gestoßen bin. Er war einer der Vertreter des Gonzo-Journalismus. Dabei begaben sich die Autoren und AutorInnen unter das Volk und legten vor allem Wert auf die subjektive Darstellung von erlebten Milieus. So vermischen sich autobiographische und fiktive Erlebnisse mit Polemik, Sarkasmus, Dialektsprache (Fäkalsprache, Slang usw), Zitaten und Poetik zu einem ganz eigenem Schreibstil. Wer vielleicht das Rolling Stone Magazin kennt, wird wissen, dass es genau durch diese Schreibweise so bekannt wurde. 

Mir gefiel dieser Schreibstil auch bei anderen amerikanischen Büchern besonders gut, also wollte ich dann unbedingt etwas von Thompson lesen. Sein wohl bekanntestes Buch ist Fear and Loathing in Las Vegas, das ich allerdings noch nicht gelesen habe. Während ich also im Internet nach weiteren Werken des Autors suchte, fand ich dann The Rum Diary und weil der Winter dieses Jahr schon lange dauert und ich bereit bin für Sommer und Frühling (hab schon alle Festivals rausgecheckt, die ich besuchen möchte, wuhu) hab ich wieder mal ein Sommerbuch gebraucht und so landete The Rum Diary in meinem Warenkorb.

The Rum Diary spielt genau in der oben erwähnten Welt des Gonzo-Journalismus. Zu Beginn des Buches lernen wir den Journalistem Paul Kemp kennen, der sich durch kurzfristige Jobs über Wasser hält, indem er hier und da einen Artikel für eine Zeitung verfasst. Es ist gerade Winter und der Protagonist seufzt über trübes New Yorker Wetter. Als er schließlich ein gut bezahltes Angebot erhält, verschlägt es ihn nach Puerto Rico, wo er sich zunächst einmal tagelang besäuft. Und überhaupt scheint auf dieser Insel jeder dem Rum verfallen zu sein. Am nächsten Tag trudelt er dann in der Redaktion ein, wo er den den Chef der Zeitung Lottermann, den fatalistischen Fotoreporter Bob Sala und den als verrückt geltenden Addison Yeamon kennenlernt. Durch die Begegnung mit besagten Typen wird der Protagonist in so manche Abenteuer verwickelt, da er auf nicht ganz legale Weise über Casinos, Migranten und Nutten Artikeln schreiben soll und ab und an wird er auch in eine Schlägerei verwickelt. 

Das ganze Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben und schildert einfach die Erlebnisse des Protagonisten, die für die damalige Zeit typisch waren. Der Protagonist fungiert hier sozusgen als Thompsons Alter Ego. In den 60er - Jahre reiste der Autor selbst als Sportjournalist nach San Juan und verarbeitet in The Rum Diary seine Erlebnisse und Eindrücke aus dieser Zeit. Der Erzählstil hat mich an Mafia-Filme erinnert und ich habe irgenwie die Welt, wie sie auch in "The Fellas" oder "Der Pate" gezeigt wird, wiedergefunden. 

Insgesamt fand ich die Handlung dieses Buch nicht besonders spannend, weil nicht viel passiert, außer einer Schlägerei hier und da und das ständig präsente  Saufen, das sich von der erste bis zur letzte Seite durchzieht. Allerdings mochte ich die realistische Schilderung der Insel mit ihren Plätzen und Orten, dem Klima und den Menschen. Das Buch hat irgendwie eine Sehnsucht bei mir ausgelöst und ich wollte unbedingt nach Südamerika reisen. Die Atmosphäre der beschriebenen Zeit ist total lebendig und das Buch ist sehr einfach geschrieben. Eine leichte Lektüre für zwischendurch! Mir fehlte aber leider der Tiefgang! Der Protagonist wirkt oberflächlich und das, was er denkt während er alleine trinkt, hat mehr gelangweilt! Hätte mir einfach insgesamt mehr Tiefgang gewünscht! 

★ ok

Donnerstag, 18. Januar 2018

Die Kameliendame



Die Kameliendame ist wohl einer der schwülstigsten Romane, den die französische Literatur zu bieten hat. Die Franzosen lieben den Pathos und nicht selten enden dann die Romane aus dem Land der Bon Amour recht tragisch und mit viel Drama. Zugegeben ist mir das teilweise zu dick aufgetragen. Als ich dieses Buch unterm Weihnachtsbaum fand, dachte ich still und heimlich, oh! nein, nicht noch ein Dumas! Hat mir doch sein Buch Der Graf von Monte Christo schon einige Probleme bereitet, weshalb ich das Buch dann auch nicht zu Ende gelesen habe. Darüber werde ich eventuell noch rezensieren. Bei dem Buch die Kameliendame hat aber dieser recht pompöse und zur Oppulenz neigende Schreibstil irgendwie ganz gut gepasst. Die Tatsache, dass in der story sogar autobiographische Züge versteckt sind, machte es im Vergleich zum Grafen von Monte Christo dann nicht so unglaubwürdig und abschließend konnte mich das Buch dann auch begeistern. Was es noch über diesen kurzen Roman zu sagen gibt, erfährt Ihr nun in den nächsten Zeilen. 


Dumas liebt den Überfluss. Es kann gar nicht genug Prunk, Geld und Wohlstand in den Büchern vorkommen. So verkehren auch seine Figuren in besseren Kreisen und geben sich ganz und gar ihrer Verschwendungssucht hin. Dass man mit Geld nun alles kaufen kann, sogar die Liebe, von dem erzählt die Geschichte der Kameliendame, die mitunter auch seine eigene ist. In seinen Mittzwanzigern verliebte sich Dumas selbst in eine Kurtisane und so wirkt die erzählte Geschichte dann auch recht glaubwürdig, was man ja seinen anderen Geschichten nicht nachsagen kann.  


Das Herzblatt des Protagonisten heißt Marguerite Gautier, die eine heiß umworbene Kurtisane ist, die man(n) nur mit einer bestimmten Sorte von Blumen beschenken darf, nämlich mit Kamelien. Daher rührt auch der Name des Buches. Marguerite ist zwar nicht von Haus aus betucht, gebildet oder mit den Manieren einer Dame ausgestattet, aber sie hat andere Qualitäten und weiß ganz genau, was zu tun ist, damit Männer in die Spendierhosen schlüpfen. So manch einer ist an seiner Freigebigkeit zu Grunde gegangen, denn Marguerite muss mann sich erstmals leisten können. Davon kann bald auch der Protagonist Armand Duval ein Liedchen singen. Nun ja, es dauert nicht lange, da hat er schon Schulden angehäuft und mit dem Vater einen Zwist angefangen, aber natürlich brennt in Frankreich das Feuer der Leidenschaft umso heißer und so setzt Armand alles aufs Spiel und gewinnt Marguerites Herz, was aber dieses Liebesdrama erst recht ins Rollen bringt. Marguerite versucht fortan ihr Leben zu ändern und mit Armand ein neues Leben zu beginnen. Die Vergangenheit soll ruhen und das Leben der Kurtisane schließlich ihr Ende finden. 

Allerdings macht der Vater ihnen einen Strich durch die Rechnung und Marguerite trennt sich von Armand und kehrt auf Wunsch des Vaters ohne Armand zu informieren in ihr altes Leben zurück. Hui, ja, das gibt Stress. Armand ist daraufhin so verletzt, dass er in tiefe Rache verfällt und Marguerite das Leben zur Hölle macht, bevor er schließlich am Sterbebett ihre wahren Beweggründe für die Trennung erfährt. 

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Die Geschichte ist lebendig geschrieben, bleibt spannend bis zum Schluss und hat die richtige Portion Drama, um nicht zu langweilen oder langatmig zu wirken. Darüber hinaus handelt es sich bei diesem Buch um einen Klassiker, der für sich steht. Es gibt wohl genügend Gründe, weshalb das Buch auch 2018 noch seine Leserschaft findet. Das Leben im Rotlichtmilieu hat auch heutzutage an Faszination nichts eingebüßt und so fragt man sich natürlich, wie denn diese Menschen so leben, was sie tun und den ganzen Tag treiben. Dies war auch im Frankreich des 18. Jahrhunderts nicht anders. Davon erfährt man ganz nebenbei auch so manches. Geschildert wird, wie die Menschen lebten und speisten, womit sie ihre Freizeit verbrachten und wonach sie strebten und trachteten. Ganz spannend fand ich auch die Figuren in dieser Lektüre. Den Protagonisten Armand, der sich ganz seiner Leidenschaft hingibt, für die Liebe alles bereit ist zu opfern und auf der anderen Seite seine Kontrahentin Marguerite, für die zumindest zu Beginn alles nur ein Spiel zu sein scheint, bis sie dann schließlich auch ihrer Leidenschaft verfällt. Und so brennen die beiden für die Liebe und verbrennen sich an diesem Feuer letztendlich. Ein echter französischer Roman halt, was habt Ihr denn erwartet?

Das Buch ist demnach sehr lesenswert und ich hatte es dann in wenigen Stunden durch, weil sich dann Dumas Flammen auch auf mich ausgebreitet haben und ich einfach wissen musste, wie die Geschichte endet und ob diese verheerende Liebe eine Chance hat. Lesen, lesen, lesen! 

★ verschlungen!

Montag, 25. Dezember 2017

Briefe vom Weihnachtsmann


Tolkiens Buch Briefe vom Weihnachtsmann hab ich eigentlich schon letztes Weihnachten bekommen, aber zeitmäßig ist es sich leider nicht ausgegangen, dass ich das Buch dann lese. Und so lag es nun ein ganzes Jahr auf meinem SUB. Als ich dann auf Bellas Blog die Leseaktion zu diesem Büchlein fand, musste ich mitmachen. Das Buch hat mir so gut gefallen und ich hab es sehr gerne gelesen. Aber ich lese Tolkien sowieso schon immer sehr gern und mag seine Geschichte einfach total. Wer noch nie ein Buch von ihm gelesen hat und nur die Filmtrilogien Herr der Ringe und Hobbit kennt, sollte das schleunigst ändern! Ich finde die Bücher um so viel besser als die Verfilmungen!!! Von Herr der Ringe (Film) war ich sogar ziemlich enttäuscht damals! 


Für die Kinder von J.R.R Tolkien war Weihnachten bestimmt eine aufregende Zeit, denn jedes Jahr erhielten sie Briefe vom Weihnachtsmann, die ihnen mit Worten und Bildern vom Leben auf dem Nordpol berichteten. Tolkien hat dabei seine Briefe immer mit lustigen und atmosphärischen Geschichten gespickt, die er sich für seine Kinder eigens ausgedacht hat. 1920 traf der erste Brief bei den Kindern ein und diesem Brief folgend, trudelte dann regelmäßig (20 Jahre lang!!!) Post vom Nordpol ins das Haus Tolkien ein. Wie genial ist das denn bitte? Und auch die Kinder schrieben regelmäßig an den Weihnachtsmann und teilten ihm seine Wünsche mit. Diese Briefe legten sie dann an den Kamin und wenn gerade niemand im Zimmer war, verschwanden sie einfach. 

Inhaltlich drehen sich die Geschichten um den Weihnachtsmann und seine Gehilfen, beispielsweise dem sympathischen Polarbären, der zwar immer etwas ausheckt und dem Weihnachtsmann so manche Probleme einbringt indem er die Vorräte verschlampt oder sich verirrt und dann muss der Weihnachtsmann die ganzen Geschenke selbst verpacken und verladen. Dennoch ist auch diese Figur total liebenswürdig gestaltet. Auch Schnee-Elben, Wichtel und Konolde tauchen in den Geschichten immer wieder mal auf. Dazu gibt es auch immer schöne illustrierte Bilder. 

das Buch enthält alle Briefe und Zeichnungen,
die von 1920 - 1943 vom Autor angefertigt wurden 

Mir hat das Lesen dieses Buches sehr viel Spaß gemacht! Tolkien ist einfach ein Genie und womöglich der beste Geschichtenerzähler, den es gibt! Dieses Buch ist sowohl für Kinder als auch für Erwachsene großer Lesespaß und ich kann mir gut vorstellen, dass ich das Buch nächstes Weihnachten wieder hervorhole und dann darin lese, denn auch dieses Weihnachtsbuch kann kapitelweise gelesen werden. Mit der Veröffentlichung dieses Buches ist Klett-Cotta und der Hobbit Presse ein schöner Streich gelungen, das Buch wird wahrscheinlich auch noch in 10 Jahren verkauft werden, was man ja von vielen Büchern, die heutzutage erscheinen, kaum erwarten kann. 


Tolkiens Buch eignet sich sehr schön zum gemütlichen Lesen, es kann an einem Tag ausgelesen werden und entführt in eine zauberhafte Weihnachtswelt an den Nordpol und berichtet über Elfen, Kobolde, Polarbären und manch andere Winterwesen und ist ganz im Tolkien Stil geschrieben. An manchen Stellen musste ich sehr schmunzeln über  die liebenswürdigen Figuren und die Schreibweise. Wer also Herr der Ringe oder den Hobbit gern gelesen hat, dem wird auch dieses kleine Weihnachtsbuch gut gefallen. 

★ verschlungen!

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Schöne Weihnachtsbücher

Ein guter Mix aus Klassik, Krimis & Märchenhaftem

Ach ich mag Weihnachten einfach total. Meistens kann ich es kaum erwarten bis die ersten Adventmärkte ihre Tore öffnen und das ganze lecker Essen, das es dann gibt, ist einfach unschlagbar. Auch die Gemütlichkeit, die mit dem Weinter und dem Advent einkehrt, ist mir mehr als willkommen. Kuschelige Decken, Duftkerzen und lauschiges Licht von geschmückten Häusern und Bäumen, dazu ein heißes Getränk oder ein wohltuendes Schaumband mit einem Buch in der Hand, das kann schon was. Was ich allerdings nicht mag, ist der Kitsch, weshalb ich immer darum bemüht bin, meine Weihnachtsdeko so minimalistisch wie möglich ausfallen zu lassen. Zu viel Krimskram kann ich nicht leiden! Das bezieht sich auch auf Geschenke. Meistens schenke ich nur Bücher her und freue mich auch sehr, wenn ich selbst welche geschenkt bekomme. Für dieses Jahr habe ich mich aber schon selbst mit Büchern beschenkt und mir einige schöne Weihnachtsbücher zum Lesen zugelegt. 

Vielleicht ist auch für Euch was dabei ;) Einige habe ich ja schon in den letzten Tagen vorgestellt, einige werde ich aber erst am Weihnachtsabend lesen. 



Mit dem Buch Christmas with the Savages hatte ich letzte Woche schon gemütliche Lesestunden und kann das Buch wirklich sehr empfehlen. Es ist eine lauschige Weihnachtsgeschichte, die sich an einem Tag lesen lässt, weil das Buch nur knappe 180 Seiten hat und mit einigen schönen Illustrationen versehen ist. Die komplette Rezension kann hier nochmals nachgelesen werden. Auch Dickens Wintergeschichten haben mir viel Spaß gemacht. Am Kamin kann schön kapitelweise gelesen werden, weil die Geschichten nicht zusammenhängen und außerdem eignen sich die Erzählungen auch zum Vorlesen. Die ausführliche Rezension ist hier nochmals abrufbar.

Seit Anfang Dezember lese ich Tolkiens Buch Briefe vom Weihnachtsmann und tausche mich dazu regelmäßig in einem Forum aus. Die Aktion fand ich auf Bellas Wonderworld Blog.  Bellas Leserunde war wie eine Art Adventskalender, wo jede/r bis zum Heiligen Abend nur ein Kapitel aus dem Buch lesen durfte. Bald ist das Buch also ausgelesen, vielleicht schaffe ich es ja dann die Rezension am Heiligen Abend auf dem Blog zu veröffentlichen. 

Ein Buch, das ich mir über die Feiertage vorgenommen habe, ist Little Women, das in Amerika ein Klassiker ist. Das Buch spielt um die Weihnachtszeit herum und ist im Deutschen unter dem Titel Bettys Schwestern zu finden. Die Geschichte erzählt vom Leben dreier Schwestern, die um die Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges leben und behandelt viele sozialkritische Themen, wie Armut, Habgier und Neid. Auf dieses Buch bin ich schon sehr gespannt, denn über diesem Aspekt soll es auch sehr weihnachtlich sein. 

Auf meinem Stoß an Weihnachtsbüchern dürfen auch weihnachtliche Krimis nicht fehlen. Da greife ich dann sehr gerne auf alte Britische Krimis zurück. Sie enthalten immer eine große Portion Nostalgie und meistens sind dann auch immer alle Familienmitgliedern zum Fest versammelt und der Leser bekommt viel weihnachtliche Stimmung ab, bevor das Buch dann mittels Wendung (die eben durch den Mord passiert) in einen Krimi übergeht. Georgette Heyer mag ich als Erzählerin sehr gerne und als ich im English Bookshop dann ihr Buch A Christmas Party entdeckte, musste es einfach mit. Mir gefiel das Umschlagbild schon so gut. Ich freue mich also schon darauf mit Inspector Hemingway von Scotland Yard auf die Suche des Mörders zu gehen. 

Bei alten englischen Krimis darf natürlich auch mein Lieblingsdetektiv Hercule Poirot nicht fehlen. Ich finde den Titel schon allein so britisch. The Adventures of the Christmas Pudding verspricht also wieder eine gemütliche Weihnachtserzählung zu werden, die sich auf einem alten englischen Gut abspielt und da erwarte ich mir allerlei Leckereien, wie Christmas Pudding. 

Neil Gaimans Buch Norse Mythology ist zwar nicht weihnachtlich, aber es passt trotzdem gut in diese Zeit. Ist denn die Weihnachtserzählung von Jesus, Maria und Josef nicht auch nur ein schöner Mythos? Die anderen Gaiman Bücher haben mich inhaltlich nicht so angesprochen, aber nordische Mythologie liebe ich sehr und habe diesbezüglich schon einiges gelesen. Umso gespannter bin ich also auf Neil Gaimans Version der Göttersagen und erhoffe mir, einmal zur Abwechslung nicht immer die üblichen Stories zu finden, sondern vielleicht etwas, das ich noch nicht so kenne. 

Und weil ich von Dickens einfach nie genug kriegen kann, hab ich am 13. Dezember dann zum Geburtstag diese schöne Penguin Clothbound Ausgabe von A Christmas Carol and other Christmas Writings bekommen. Darüber habe ich mich auch wahnsinnig gefreut. Zwar habe ich schon eine schöne Ausgabe vom Barnes & Noble Verlag der Weihnachtsgeschichte von Dickens, aber irgendwie wollte ich auch die vom Penguin Verlag dann haben. Mir gefallen weiße Bücher so gut und bei Leineneinband kann ich sowieso nie widerstehen. 

Habt Ihr schon eines der von mir vorgestellten Bücher gelesen oder lest Ihr total andere Lektüre zur Weihnachtszeit? Mich würde interessieren, welche Geschichten Euch die Weihnachtszeit versüßen. 

Montag, 18. Dezember 2017

Am Kamin (Wintererzählungen)

Aufbau Verlag / 5.Aufl. 2015 / 269 Seiten

Nachdem meine Spiegelreflexkamera nun endgültig den Geist aufgegeben hat, gibts hier mal vorerst (und schon seit einiger Zeit, wie vielleicht dem einen oder der anderen aufgefallen ist) Handyfotos. 

Ich bin einer der größten Dickens-Fans, den es gibt. Schon als Kind liebte ich seine Geschichten sehr, weshalb es für mich kein Weihnachten gibt ohne Geschichten des in Landport geborenen Schriftstellers. Dickens wuchs in armen Verhältnissen auf, weshalb sich seine Erzählungen meist der niederen Schicht des viktorianischen Englands widmen. Kinderarbeit, Hunger, Not und Armut sowie Kriminalität sind der Stoff aus dem die Erzählungen gewebt sind. Zumeist enden die Geschichten dann wie es in der viktorianischen Literatur oft der Fall ist, mit moralischen Weisheiten und Belehrungen. Ich mag sowas einfach. Dickens Tiefgründigkeiten und das Trachten nach Gerechtigkeit und die lebenslange Sehnsucht nach einer menschlicheren Gesellschaft gefallen mir einfach total gut, weil ich persönlich vielleicht dieselben Werte teile. 

Weihnachten am Kamin vereinbart zumeist Dickens Shortstorys, die durch das Werk Complete Ghost Stories erstmals an die Öffentlichkeit gelangten. Und wie man schon aus dem Namen herauslesen kann, sind viele dieser Erzählungen Kurzgeschichten, die dem gothic novel Genre zuzuordnen sind, da kann es dann schon mal vorkommen, dass Kobolde einen griesgrämigen Totengräber entführen und diesen zur Reue zwingen. Auch wird der Tod in einer anderen Geschichte personifiziert und ganz in der Dickens-Manier (die immer einen Hauch Humor innehat) hat es sich dieser zur Aufgabe gemacht, einen Verzweifelten von der Schönheit des Lebens zu überzeugen. 

So begegnen wir in diesem schönen Büchlein 12 Geschichten, die sich Leute in England um die Weihnachtszeit erzählten, während man sich versuchte am Kamin zu wärmen, denn zumeist war nur ein Raum beheizt und die Menschen im 18. Jahrhundert mussten eng zusammen rücken, wenn sie den Winter überleben wollten. Die Winter waren damals lang und kalt und viele hatten nichts zu essen und mussten  die Zeit bis zum Sommer und den Tagen, wo es wieder wärmer werden sollte, mit Geschichten totschlagen. 

Neben der Geschichte mit den Kobolden und dem Totengräber fand ich die Erzählung von den vier Gespenstern sehr lesenswert. Sie hat irgendwie auch einen mystischen Touch  und handelt mitunter von einer edlen geheimnisumwitterten Dame, die einem Künstler bei der Zugfahrt begegnet und ihn bittet, ein Portrait von ihr zu malen. Es stellt sich dann heraus, dass sie einer, der vier Geister ist. 

Wirklich weihnachtlich ist aber fast keine der Geschichten. Natürlich wird Weihnachten hier und da erwähnt, bleibt aber vermehrt im Hintergrund. Vielleicht liegt ein Duft nach gerösteten Kastanien und anderen guten, gemütlichen Dingen in der Luft, denn es sind ja Wintergeschichten, aber man könnte das Buch auch an jedem anderen Tag lesen. 

Fazit: 

Mich haben Dickens Erzählungen wieder in das viktorianische England entführt und ganz im Stile dieser Zeit handeln die Geschichten von Geistern und Toten, von Armut und Magie. Sie sind konzipiert Spannung und Staunen zu verbreiten und man kann sie sehr gut vorlesen aber auch allein lesen, außer man hat Angst vor Gespenstern :) 

★ verschlungen!

Samstag, 9. Dezember 2017

Christmas with the Savages


Die letzten Tage hab ich mit Fieber im Bett verbracht und ganz viele Bücher gelesen. Es war schön mal wieder einfach nichts zu tun und so viel Zeit zum Lesen zu haben. Heute stand ich gemeinsam mit meiner Schwester und Mama in der Küche und verbrachte viel Zeit in der Weihnachtsbäckerei. 4 Sorten Kekse macht viel Arbeit. Morgen dann nochmals 4 Sorten und dann sind alle Lieblingskekse gebacken! Umso mehr freue ich mich dann beim Lesen gemütlich einen kleinen Teller mit selbstgemachten Keksen schlemmen zu können. 

Christmas with the Savages hab ich in der Auslage des English Bookshops entdeckt und fand das Cover des Buches gleich anziehend. Erwartet hab ich mir von diesem Buch ganz im englischen Stil eine schräge Familiengeschichte und dies bekam ich auch. Dass es sich bei diesem Buch um eine Geschichte aus dem viktorianischen England handelt, machte es noch verführerischer für mich. 

Das Buch erzählt die Geschichte der 8-jährigen Evelyn, die dieses Jahr das Weihnachtsfest nicht zu Hause verbringen soll, sondern bei den Bekannten ihrer Eltern, den Savages. Evelyn ist zwar noch ein Dreikäsehoch, aber wenn es nach ihr geht, redet sie lieber mit Erwachsenen als mit lärmenden Kindern zu spielen. Die Welt der Kindheit ist der altklugen kleinen Protagonistin dieser Geschichte total unzugänglich und sie kann sie irgendwie nicht verstehen. Im viktorianischen Zeitalter hatten Kinder aus gutem Hause immer eine Nanny, die nur für sie zuständig war. Geschwister hatten alle jeweils eine eigene Nanny und so verwundert es nicht, dass Evelyn sich schwer tut mit anderen Kindern, die lieber im Dreck spielen anstatt Poesie zu lesen und über Kunst zu sprechen. Nun ja, als Evelyn in das Haus der Savages kommt, trifft sie auf viele Kinder und muss sich nun mit denen beschäftigen, denn die Erwachsenen kapseln sich ab und Evelyn befürchtet, dass es für sie das schlimmste Weihnachten werden wird, das sie je erlebt hat. 

Dann sind auch noch die Kinder der Savages alle total doof und nervig, so versucht Evelyn sich zu den Erwachsenen anzunähern, aber dann endet schließlich doch alles in Kinderspielen. 

A puffin Book by Penguin House 1955

Ich habe mit dieser Geschichte viel Vergnügen gehabt. Sie ist mit einer guten Prise britischem Humor gewürzt, gibt die Sicht einer 8-Jährigen auf die Welt wieder und zwischen den Seiten versteckt sich hier und da sogar etwas weihnachtliche Stimmung. 

Slowly, slowly the door opened and, to our astonishment, who should come in but Father Christmas. We big ones naturally guessed at once that it must be someone dressed up, but it didn’t look like anyone we knew and it did look exactly like Father Christmas.”

Davon hätte es meiner Meinung etwas mehr sein können, denn besonders diese Kapiteln las ich total gerne. Beschreibungen von gefüllten Weihnachtssocken, verführerisch schmeckende Nougatcremes und üppiges Essen oder  der Besuch von Santa Clause machen Lust auf die Weihnachtszeit. Besonders das 6. Kapitel über den Weihnachtsabend hab ich dann verschlungen ! 


Das Buch wird vermutlich nicht meine Lieblingsweihnachtserzählung werden, da lese ich dann einfach zu gerne Dickens, aber für einen kuscheligen Tag im Bett kann ich es ohne Widersprüche empfehlen. Da es außerdem nur knappe 180 Seiten hat, bietet es eine schöne Unterhaltungslektüre die genau in die Weihnachtszeit passt. Zusammenfassend ist es vor allem die Geschichte eines kleinen Mädchens, das am Ende die Kindheit findet. Und die Familie Savages ist außerdem so exzentrisch, dass das Lesen einfach schon allein deshalb Spaß macht, weil man nie weiß, was sie als nächstes aushecken. 

Christmas mit den Savages ist eine schöne und nette Weihnachtslektüre, die man sich zugute führen sollte, da das Buch schön weihnachtlich ist und keine 0815 Erzählung parat hat, die ohne dem sonst bekannten Kitsch auskommt. 

★ sehr lesenswert :)

Sonntag, 12. November 2017

Über die Melancholie


Ich mag Sonntage einfach nicht. Meistens weiß ich nichts mit mir anzufangen und gammle den ganzen Tag im Bett. Am Sonntag stirbt meine Motivation wie ein verwelktes Blatt und generell scheint alles tot zu sein an diesem Tag. In einem Beitrag habe ich mal gelesen, dass es vielen anderen Menschen auch so geht, nur wurde darin allgemein von einer Wochenendeneurose gesprochen. Ich fühle mich da nicht zugehörig. Über mich selbst würde ich behaupten, dass ich einen Hang zur Melancholie habe. Ich bade förmlich in ihr. Somit bin ich total gerne in dieser Stimmung und mag alles Düstere, schon seit immer. Als Ausgleich zum normalen Alltags-Happiness-Hype und als Gefühl, um mit dem Weltschmerz zurechtzukommen. Im Alltag ist nämlich kein Platz für Traurigkeit. In allen Bereichen soll man fröhlich sein und wenn man nichts zum Lachen hat, dann muss es eben künstlich her. Wir dürfen auch nicht mehr trauern, wenn die eigenen Eltern oder Verwandten sterben, sollte man spätestens nach dem Begräbnis wieder fit im Job stehen und funktionieren und schafft man das nicht, werden einem halt Antidepressiva verschrieben. Ich glaube auch, dass viele Menschen Angst davor haben, Melancholie wirklich zuzulassen. 

In der Kunst ist Melancholie aber kaum wegzudenken. Die Liste, der Menschen, die mittels Melancholie ihre besten Werke zustande brachten, ist ewig lang.  Hemmingway, Kafka, Melville, Flaubert, Trakl - alles bekennende Melancholiker. Melancholie ist die Muse großer Werke der Literatur, Malerei und Musik. Ihr entspringen schöpferische Anstöße, nie vernommene Erkenntnisse, der ganz andere Blick auf die Welt und uns selbst. In diesem Post möchte ich ein bisschen offenlegen, warum Melancholie manchmal ganz schön sein kann. Ein Gemütszustand, der es erlaubt über sich und die Welt nachzudenken, würde meiner Meinung nach vielen Menschen guttun. Jeder sollte sich hin und wieder dafür Zeit nehmen. In diesem Zustand ist man ganz bei sich. Wer den ganzen Tag aufgedreht war, kann das Schwelgen in Melancholie als guten Ausgleich nutzen, um wieder etwas runterzukommen. Melancholie hilft beim Verarbeiten von schlechten Zeiten und ist notwendig. Das wird einem jeder Psychotherapeut bestätigen. Probiert es aus! Dreht die traurigste Musik auf, die ihr finden könnt, macht das Fenster auf wenn es regnet und hört einfach stundenlang dem Regen zu und gebt euch euren Gedanken hin. Danach ist man viel entspannter. Bilder der Vergangenheit werden spürbar und man erkennt, dass das Leben doch wundervoll ist. Es wird euch so gehen wie Hemmingway und Kafka, ganz neue Persepektiven eröffnen sich. 

Es kann auch hilfreich sein, ein melancholisches Buch zu lesen. Diesbezüglich kann ich 10 außerordentlich melancholische Werke empfehlen:


1) Sten Nadolny - Die Entdeckung der Langsamkeit 


Das Buch erzählt die Geschichte des Entdeckers und Forschers John Franklin, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Nord-West-Passage in der Arktis suchte. Er hatte seine ganz eigene Zeit, die um vieles langsamer lief als die der restlichen Welt und das Buch enstand als Kritikwerk für die schnelllebige Zeit. Der Protagonist gibt sich darin ganz seinem eigenen Tempo hin. Eine gewisse Melancholie begleitet ihn sein ganzes Leben lang. Ich mochte das Buch total gerne.

2) Joseph Conrad - Die Schattenlinie


Ein Buch, das ich gerade lese und das vom Hanser Verlag neu übersetzt wurde, ist das Werk Die Schattenlinie von Joseph Conrad. Darin macht sich ein verträumter junger Mann auf seine erste Reise als Schiffskapitän auf, um eine günstige Ladung von hier nach Singapur zu transportieren. Auf dieser Reise geschehen viele unvorhersehbare Dinge und der junge Mann wird gezwungen plötzlich erwachsen zu werden. Ich bin zwar noch nicht ganz durch mit dem Buch, aber ich finde die Gedanken des Protagonisten total interessant und auch die abenteuerliche Stimmung in diesem Buch gefällt mir sehr gut.


3) Gedichte von Georg Trakl 


Bei Trakl verbinden sich Gedanken und Bilder von Verfall und Tod mit melancholischer Schönheit und musikalischem Wohlklang. Ich empfehle sie an einem verregneten Tag zu lesen!


4) Mark Twain - Leben auf dem Mississippi 


Ein alter Mann blickt wehleidig auf sein Leben zurück. Erinnert sich an Dinge, die es schon lange nicht mehr gibt. Mit einem gewissen Lebensalter gehts uns allen so, wie dem Protagonisten in diesem Buch. Genau in diesen Momenten erkennt man, dass das Leben doch erfüllt ist und einem wird bewusst, was man schon alles Schöne erlebt hat. Das Leben bekommt einen neuen Wert.

5) Albert Camus - Der Fremde 


«Mir wurde klar, dass ich das Gleichgewicht des Tages zerstört hatte, die außergewöhnliche Stille eines Strandes, an dem ich glücklich gewesen war. Da habe ich noch viermal auf einen leblosen Körper geschossen, in den die Kugeln eindrangen, ohne dass man es ihm ansah. Und es war wie vier kurze Schläge, mit denen ich an das Tor des Unglücks hämmerte.» Das Buch ist die Geschichte eines jungen Franzosen, der zum Mörder wird. Das Besondere an diesem Buch ist der Protagonist, der total unempathisch durch die Lektüre führt. Dieses Buch habe ich hier schon einmal vorgestellt.

6) Dostojewski - Aufzeichnungen aus dem Kellerloch 


In diesem Werk rechnet Dostojewski mit dem modernen Menschen und der von ihm konstruierten Gesellschaft ab. Dabei sitzt der Erzähler in einem Kellerloch und kommentiert bitterböse den Zustand der Gesellschaft und hegt dabei Aggressionen und Rachelust gegen sie. Der eigenen Verfall wird als notwendig geschildert und obwohl diese Aufzeichnungen eigentlich nur für sich selbst zustande kommen, wird auch der Leser direkt angesprochen. Ein Rückblick auf vergangene Lebensepisoden wird dem Leser auch gegeben. Dostojewskis Werk wurde sehr gelobt und fand viele Anhänger, besonders in der Psychologie. Nietzsche war ein großer Fan dieses Werkes.

7) Thomas Hardy - Tess (Rezension)


Bei Hardy taucht man ein in eine ländliche Welt, deren idyllische Eigenheiten der Zerstörung durch den Fortschritt der Zeit ausgeliefert sind. In dem Werk Tess verfällt die Protagonistin in heidnischen Gedanken, die total schön sind und Lust machen auf verlassene Landschaften, in denen man nur Schafen begegnet. Dabei entspinnt sich eine Story über Liebe, Sehnsucht und  Fragen nach moralischen Ansätzen in der Gesellschaft. Im Allgemeinen sind aber alle Werke von Hardy mit einer gewissen Melancholie behaftet und an dieser Stelle könnte ich irgendein Buch von ihm emfehlen, denn sie sind alle sehr lesenswert.

8) Hemmingway  - Der alte Mann und das Meer


Die Grundstimmung in diesem Buch ist total melancholisch. Schon allein der Ausgangspunkt der Geschichte löst beim Leser eine gewisse Schweere aus. Der Protagonist, ein alter Fischer, der in einem heruntergekommenen Haus lebt und seit 85 Tage nichts gefangen hat, kämpft ums Überleben. Als ihm an dem besagten Tag dann doch ein Fisch anbeisst, bricht ein Kampf Mann gegen Fisch aus. An diesem Buch mochte ich die realistischen Schilderungen und Hemmingways karge Schreibart hat total gut zu seinen Figuren gepasst.


9) Emily Bronte - Sturmhöhe (Rezension)


Ein Anwesen auf einer windgepeitschten Anhöhe und Figuren, die im Umgang miteinander alles andere als warmherzig sind, macht dieses Buch zum melancholischen Klassiker. Der immerkreischende Wind und die Schilderungen der Natur machen das Buch zu einer düsteren Lektüre, die aber sehr schön zu lesen ist.


10) Flaubert - Madame Bovary 


Eine Roman über die eheliche Untreue und schließlich den Selbstmord einer jungen Frau. Die komplette Rezension kann man hier nochmals durchlesen.


Und wie sieht das bei Euch so aus? Welchen Bezug habt Ihr zum Thema Melancholie? Und vor allem, lest ihr gerne melancholische Bücher oder Gedichte? Welche schönen Werke würdet Ihr meiner Liste hinzufügen? Ich freue mich über Eure Kommentare!!!!
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