Montag, 21. November 2016

Lady Chatterley


"Lady Chatterley" stand eigentlich gar nicht so auf meiner Leseliste, naja zumindest nicht bis ich dieses kleine Büchlein um knappe 4 Eur in einer Buchhandlung fand. Das Buch lag dann einige Monate auf meinem SUB. Ja, was wusste ich denn über diesen Roman bevor ich das erste Kapitel las? Nur dass es umstritten ist, weil der Inhalt fast als Porno durchgehen könnte. So hörte ich zumindest andere Leser darüber sprechen. Dieser Roman gilt als das erste seriöse Buch der Weltliteratur, das menschliche Sexualität detailreich und ausdrücklich schildert. Geschrieben wurde es um 1928 herum und wie man sich denken kann auch sogleich verboten. Von dieser Geschichte gibt es mehrere Fassungen, je nachdem welche man hat, fällt die Geschichte anders aus. 

Hintergrund der Erzählung ist ein England der Zwischenkriegszeit. Great Britain befindet sich in einer Wirtschaftskriese, es gibt kaum Arbeit und die Stimmung ist sehr düster. Immer wieder werden Arbeiter beschrieben, Fabriken und ein von Kohledampf schwarz gefärbter Himmel verleitet die Figuren zu manch trüben Stimmungen. Das "gute alte England" mit seinem Adel ist nur noch ein Schatten seiner selbst. 

Eine der letzten adeligen Familien lebt auf Wragby Hall in der Nähe von Teversal. Sie hat eine dramatische Geschichte zu erzählen. 1917 heiraten Sir Clifford Chatterley und die aus gutem Hause stammende Constance (Conny) Reid. Bereits nach den Flitterwochen zieht Clifford in den Krieg und kehrt als gelähmter und impotenter Mann nach Wragby Hall zurück, wo er sich fortan als Schriftsteller versucht.  Das Leben der beiden verläuft ohne große Aufregungen, Frühstück, Teezeit, Mittag- und Abendessen wechseln sich ab. Dazwischen ist noch Zeit für Unterhaltung, Cliffort diskutiert gern mit seiner Frau über Politik und Zeitgeschehen. Sie sind beide gebildet und zu Beginn der Erzählung hat man das Gefühl, dass sie gut zusammen passen. Connie beginnt sich aber allmählich zu langweilen, ihr Ehemann ist ihr mit seinen Ansichten bald zuwider und sie hält ihn für einen geistig verkommenen Mann, der der Vergangenheit nachtrauert und nicht bereit ist dem Fortschritt und Wechsel der Zeit eine Chance zu geben. Sie selbst ist viel gereist, liebt Kunst und schrille Gesellschaften. Bald fängt sie an ihrer Jugend nachzutrauen, sie denkt an die Kunstaustellungen, an ihren Vater und ihre Schwester. Zudem fühlt sie sich immer einsamer und sehnt sich nach Liebe, sexueller Erfahrung und Intimität. Das alles kann ihr Clifford nicht mehr geben, um weniger Zeit mit ihm verbringen zu müssen, engagiert Connie eine Pflegerin für ihren Ehemann. 

Die dazugewonnene Zeit verbringt sie mit Spaziergängen. Cliffort hingegen verbindet eine tiefe Zuneigung zu seiner Pflegerin, wenn auch distanziert. Er sieht in ihr einen Menschen niederen Ranges und hat seinen Spaß daran, dass sie ihm so unterwürfig ist. Ganz anders als seine Ehefrau. Er veranstaltet Treffen und ladet  sich andere Schriftsteller auf sein Anwesen ein um sich mit ihnen auszutauchen. Mit einem der Gäste fängt Connie dann eine Affäre an, die aber nicht das emotionale Verlangen stillen kann, das tief in ihr schlummert. Doch es weckt ihr Verlangen. Als sie dann schließlich auch eine  Affäre mit dem Heger Mellors anfängt, nimmt die Geschichte einen anderen Lauf. Zunächst wird der Beischlaf als pragmatischer Akt beschrieben, den die Frau zu erdulden hat.

"Der Beischlaf ist etwas, was die einfachen Menschen machen, die oberen Schichten ergötzen sich am Intellekt. "

Nach und nach entwickeln sich aber echte Gefühle zwischen Ihnen und Connie lässt sich völlig darauf ein. Dann behandelt das Buch diese Liebesgeschichte, den Bruch der alten Konventionen und die Auswirkungen davon.

Meine Meinung:

Um ein Buch verstehen zu können bzw die Motivation hinter dem Schreiber erahnen zu können, muss man sich immer auch mit der Person selbst beschäftigen. Lawrence nimmt seine philosophischen Weltansichten in den Roman Lady Chatterley ohne Zweifel auf. So sagte er doch selbst einmal über sich selbst: "Meine Religion ist der Glaube an das Blut, an das Fleisch, das klüger ist als der Intellekt... Was unser Blut fühlt... ist immer richtig." Und genau das behandelt dieser Klassiker. Kontrastiert wird die höhere Gesellschaft, die in diesem Fall für Intellek steht, und die arbeitende, animalisch geleitete,  untere Gesellschaft, die keinen Geist besitzt und nur von Gefühlen gelenkt wird. Lawrence hat mit Sir Clifford einen Vertreter für ersters geschaffen, während dann die neue Liebe von Constance für zweiteres steht.

"Das geistige Leben...dieser Schwindel!" Doch fangen die Schwierigkeiten hier erst an, der Skandal rollt auf die beiden Liebenden unaufhaltbar zu.

 Der Roman bricht mit allen Konventionen, was nicht verwundert, dass er der Zensur zum Opfer fiel. Jedoch ist es nicht so, dass man einfach behaupten könnte er sei pornographisch. Er besitzt Stil und Geschmack und geht behutsam mit der Wortwahl um, die den Liebesakt beschreiben. Es ist aber schon der Fall, dass man manchmal mit geöffneten Mund dasitzt und sich seinen Teil denkt. Stellenweise mischen sich auch plumpe und sprachlich schwache Formulierungen mit ein, vielleicht liegt das an der Übersetzung, ich weiß es nicht. Die Hauptbotschaft meiner Meinung nach ist, dass die Menschen lernen sollten im Einklang mit der Natur zu leben, weil das Geld keine Rolle spielt. (Clifford hat zwar Geld, aber sonst ist er arm, arm an Empathie, arm an Einsicht, arm, weil er nicht teilhaben kann an Genüssen, die man mit Geld eben nicht erwerben kann)

FAZIT:

Sehr lesenswertes Buch, unkonventionell und spannend bis zum Schluss. Wer einmal Abwechslung sucht, ist bei diesem Klassiker total gut aufgehoben.

verschlungen!

rorygilmorereadingchallenge: gelesen 61/300

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