Dienstag, 24. Januar 2017

Schafe im Schnee

das Original erschien 2009 unter dem Titel Færeyskur dansur

oder vom Alleinereisen

Huldar Breiðfjörð ist Isländer und begibt sich auf eine Reise auf die 18 Färöer Inseln mit dem Ziel, den vermeintlichen Unterschieden zwischen Färingern und Isländern nachzugehen. Einen Monat ist er alleine unterwegs und trifft auf seinen Erkundungstouren auf schweigsame Fischer, störrische Schafe, zockende Deathmetal-Fans, Einsamkeit und schlechtes Wetter.

Es ist ein besonderer Menschenschlag auf den Färöern, der dem schlechten Wetter trozt und sich wohlfühlt in der Abgeschiedenheit und Einsamkeint. Über 300 Regentage verzeichnet man dort jährlich und an den regenfreien Tagen muss es nicht unbedingt trocken sein, denn dann versinken die schroffen Gipfeln im Nebel und nicht einmal Cafes gibt es, wo man sich aufwärmen kann. Nur wenige Touristen wagen sich hin, die überschaubare Auswahl an Unterkünften machts abgesehen von Torshavn (Hauptstadt) schwer ein Bett zu finden. Der Autor und Ich Erzähler findet sich daher in einer Wohngemeinschaft wieder. Dort bezieht er ein kleines Zimmer, die Küche teilt er sich mit den anderen Mitbewohnern, die alle Einheimische sind. Da gibt es zwei verrückte Deathmetaller, ein Pärchen und einen Straßenbauarbeiter, mit dem er sich schließlich auch anfreundet. Von dort macht er sich auf und streift wochenlang in der Hauptstadt herum, sucht das einzige Cafe auf, schlendert im Regen und findet sich in Untergrundkellern wieder, wo der berühmte Färöische Tanz getanzt wird.

Bei diesem Buch darf man keinen Reisebericht erwarten, der einen motivieren soll auf die Färöer Inseln zu fahren, es ist vielmehr ein Erlebnisbericht, der sich ergibt, wenn man alleine und ohne wirklichen Plan 1 Monat irgendwo verbringt, wo es nicht wirklich was zu tun gibt. Hier geht es mehr um die Reise selbst, das Reflektieren der eigenen Person und des Fremden. Primär erzählt Breiðfjörð von den Menschen und ihren Eigenarten. Ich würde sagen, dass die Art wie der Autor reist eine eigene Philosophie des Reisens darstellt, und zwar die des "slow-travelling" . Sie spielt sich jenseits von Massentourismus und Top-10 Attraktionen ab. Der Autor nutzt verschiedene Fortbewegungsmitteln, gibt sich dem Zufall und Chaos der Natur aus und entwickelt dabei einen eigenen Blick, den er in diesem kleinen Büchlein dokumentiert. Durch die neuen Freundschaften, die er dabei knüpft, erfährt der Leser indirekt etwas über die Geschichte, Wirtschaft und Kultur der Färöinger. Wie ein Schatten folgt man Breiðfjörð stets auf veschneiten Pfaden und lauscht die Gespräche mit und auch in den einsamen Stunden ist man gegenwärtig.

Meine Meinung:

Da ich kommenden Sommer eine Reise auf die Färöer Inseln geplant habe, lese ich momentan viele Sachbücher darüber und blättere in der Bibliothek durch so manches Fotobuch und bin ganz fasziniert von der schönen Landschaft und Einsamkeit. "Schafe im Schnee" geht dann noch tiefer und offenbart uns die wirkliche Welt der Färöern und ihren Menschen. Besonders gut gefallen hat mir der ironische Schreibstil, der einfach gewürzt ist mit nordischem Humor. Im Internet fand ich nur wenige Rezensionen zu diesem Buch und die, die ich gefunden habe, fallen oft sehr negativ aus. Ich bin aber froh, mir das Buch dennoch gekauft zu haben, weil es mir sehr gut gefällt. Es hat mich oft an meine Reisen erinnert, da ich auch seit letztes Jahr das Alleinereisen für mich entdeckt habe. Die Vorteile liegen darin, dass man viel offener auf Menschen zugeht und wenn man allein unterwegs ist, lernt man oft schräge Personen kennen und das Abenteuer ergibt sich ganz von alleine. Durch dieses Buch hab ich so einiges über die Färöeische Seele erfahren, das man so in keinem Reiseführer findet. Das Buch ist sehr lesenswert und würde von mir die Höchstpunktezahl erhalten, wäre da nicht dieses Kapitel Nr 32, das irgendwie für Verwirrung sorgt. Der Autor befindet sich darin wieder in Island, in einem Hotel und versucht ein Resümee der Reise zu ziehen, als er aber dann behauptet die Geschichte einer Reise zu erzählen, die nie stattgefunden hat, macht es das Buch irgendwie unglaubwürdig. Dieses Kapitel hätte meiner Meinung entfernt werden sollen!

Fazit:

Eine schöne literarische Reise, wer Schnee, Skandinavien & Einsamkeit liebt, der wird das Buch genüsslich lesen und sich über den Humor freuen. Ein Roman über slow-travelling und die Abenteuer, die sich dabei ergeben.

sehr lesenswert :)

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