Mittwoch, 13. September 2017

Seven Gothic Tales

Penguin Verlag / first published 1934 / Republished 2003 / 364 Seiten

Hand hoch, wer hätte gewusst, dass Isak Dinesen oder wie sie wirklich hieß, Karen Blixen die Autorin von Jenseits von Afrika ist? Ich muss gestehen, ich wusste es nicht. Ihr Buch 7 Gothic Tales habe ich beim Stöbern auf thebookpeople.com gefunden. Es war mir völlig unbekannt, aber nach dem Lesen der Kurzbeschreibung, ließ ich mir das Buch dann bequem per Post zukommen und erhielt dann wenige Tage später eine gebrauchte Ausgabe, die sogar mit dem Originalstempel des Karen Blixen Museeum (Dänemark) versehen ist. In Wirklichkeit handelt es sich bei diesem Buch aber gar nicht so ganz um "gothic tales", denn es beinhalten eigentlich nur ganz wenige Geschichten dann auch tatsächlich Elemente dieses Litaraturgenres. Tatsächlich sind es mehr phantastische Geschichten, da ist dann zur Abwechslung mal die deutsche Übersetzung 7 phantastische Geschichten viel treffender als der original englische Titel. Karen Blixen schrieb diese Geschichten nicht in ihrer Muttersprache Dänisch, sondern wählte bewusst Englisch als Erzählsprache. Was es sonst noch über dieses Buch zu sagen gibt, erfährt Ihr nun in den folgenden Zeilen: 

Irgendwie ist es gar nicht so einfach dieses Buch zu bewerten. Als Leserin fühle ich mich aber leider in die Irre geleitet und muss deswegen schon einfach mal überlegen, wie ich das Buch nun bewerte. Nun ja, es befinden sich 7 Geschichten darin, wovon mir gerade mal 2 wirklich gefallen haben.

Den Einstieg macht die Erzählung The Roads Round Pisa, die sich auf 52 Seiten erstreckt. Ich fand die Geschichte sehr verwirrend und hätte sie nicht als Einstieg in das Buch gewählt. Erzählt wird die Geschichte von einem impotenten Prinzen, der seine Stellung gefährdet sieht, weil er seine Gattin betreffend Liebesglück nicht ganz zufrieden stellen kann. In seiner Miserie sucht er seinen Freund Graf Nico auf, den er dann für Liebesangelegenheiten in die Dienste seiner Frau stellt. Komischerweise trifft aber die besagte Dame derselbe Geistesblitz und an ihrer Stelle liegt eine Freundin für sie im Bett. Der Graf aber lässt sich nicht täuschen und wirft seinem Freunde vor, sich nicht an die Abmachungen gehalten zu haben und der Prinz, der sich irnoischerweisee Prince Potenziani nennt, wird aufgefordert sich zu duellieren. Die Geschichte ist in 9 kleinere Unterkapitel unterteilt und gibt in jedem Kapitel die Sicht aus der Perspektive einer anderen Figur wieder. So eröffnet das erste Kapitel (The smelling-Bottle) die Welt des Prinzen Potenziani. Ich habe diese Geschichte wie bereits erwähnt etwas verwirrend empfunden und es war nicht so leicht dem Plot zu folgen. Auch dass die Geschichte in Italien spielt und eher ohne das typische Setting für gothic novels, bestehend aus regnerischen Tagen, einsamen Landschaften oder verlassenen Schlösser, auskommt, hat mich gestört und ich empfand die Geschichte irgendwie in einem Buch, das sich 7 gothic novels nennt, als Fehl am Platz.

Mehr diesem Literaturgenre ensprechend ist dann die nächste Geschichte, die mir auch am besten gefallen hat. The Old Chevalier handelt von einer tragischen Liebe, wobei aber feministische Aspekte in den Mittelpunkt treten. Mit der Schilderung eines verregneten Paris um 1987  wird man in die Geschichte eingeführt. Ein junger Mann trifft auf der Straße eine geheimnisvolle Frau, die gehüllt ist in die schönsten Kleider dieser Zeit. Dem Leser bzw der Leserin wird die Frau als unschuldige, bezaubernde, junge Frau mit engelhaftem Wesen vorgestellt. Völlig von dieser Frau in den Bann gezogen, nimmt der Mann sie in sein Apartment mit und bemerkt, dass ihre Kleider völlig durchnässt sind. Dann umschreibt Karen Blixen die zarten Stoffe, die Mieder, das Korsett und die Geschichte verwandelt sich, wie auch schon die vorherige, in eine erotisch literarische Erlebnisphantasie. Nachdem die beiden ein Liebsabenteuer gemeinsam verbringen, lässt die junge Frau den Mann ohne irgendwelche Emotionen zurück und verschwindet im Dunkeln der Nacht. Was bei dieser Geschichte auffällt, ist wie selbstbewusst die junge Frau sich dann letztendlich entpuppt. Für mich war diese Erzählung besonders stimmig. Ein verregnetes Paris, alte Kleider, Kerzenschein, eine misteriöse Frau und ein Wein von dunklem Rot, hier hat einfach alles gepasst und ich habe das von mir so geliebte gothic novel setting bekommen, das ich auch von diesem Buch erwartet habe.

Auch die nächste Geschichte The Monkey verdient mehr denn alle anderen das Attributiv gothic. Sie handelt von einer Priorin, die ganz im Stile des faustischen Paktes ihre Seele an den Teufel verkauft und so machens einbüßen muss. Leider hat mich diese Geschichte irgendwie gelangweilt, bzw fiel es mir einfach schwer mich auf die Geschichte einzulassen und ihr zu folgen, was mitunter ein Grund dafür war, dass ich sie dann letztendlich abbrechen musste. Dies war auch bei der folgenden Geschichte The Deluge at Norderney notwendig, die von einer Flut handelt und mehr dem Fantasy-Genre entspricht.

The Supper at Elsinore hingegen präsentiert wieder eine Gothic-novel-Erzählung par excellance. Sie schildert die Begebenheit zweier Schwestern, die sich eines Abend mit dem Geist des verstorbenen Bruders Mortin unterhalten. Erzählt werden seine Abenteuer als Pirat und Waffenschmuggler  auf hoher See. Die Geschichte kontrastiert die Leben der beiden Schwestern Elizabeth und Fanny, da Fanny nie ein wirklich aufregendes Leben hatte und macht deutlich, dass Erlebnislücken auch mittels fiktiver Erzählungen gefüllt werden können. Man muss quasi nicht selbst auf Abenteuer gehen, um ein abenteuerliches Leben zu führen. 

Den Abschluss des Buches machen dann die Kurzgeschichten The Dreamers und The Poet. In ersterer tauchen wir ein in das tragische Leben einer Opernsängerin oder Diva, die ihre Stimme nach einem Hausbrand verliert und danach unermüdlich auf der Suche nach einer neuen Identität durch die Welt zieht. Am Schluss stirbt die Helding nach einigen gelebten Abenteuern und am besten findet man selbst heraus, welche Identität sie letztendlich dann annimmt. The Poet war die zweite Geschichte, die mir wirklich gefallen hat, weil sie von einer tragischen Liebesgeschichte ganz im Stile Shakespeares handelt. 


Fazit: 

Irgendwie konnte mich das Buch nicht vollkommen begeistern. Zu weit entfernt vom angekündigten Genres bewegen sich die meisten Geschichten darin. Auch konnte ich bei der ein oder anderen nur vage die Handlung erschließen, da sie mich verwirrt zurückließen. Loben kann ich zwei Erzählungen in diesem Buch, wobei The Old Chevalier mein Favorit bleibt. Karen Blixens Schreibstil hat mir zwar gefallen, aber ich hätte mir für dieses Buch dann einfach mehr Gothic-Novel-Elemente gewünscht. 

  naja...

Kommentare:

  1. Liebe Tinka,
    ich bin neu hier - danke für diese interessante Buchbesprechung!
    Für den Fall, dass du noch nicht viel von ihm kennst, möchte ich dir Edgar Allen Poe ans Herz legen. Ist zwar amerikanische Literatur, aber Poe war ein wahrer Meister der gothic tales und ich LIEBE seine Geschichten! :)
    Viele Grüße,
    Jasmin

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    1. Liebe Jasmin! ICH LIEBE EDGAR ALLAN POE !!! hab auch schon fast alles von ihm gelesen und auch eine Seminararbeit zu ihm verfasst :) Dass ist ja total cool, dass du den auch so magst ! vielen lieben Dank für deinen Post ^^

      Tinka

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  2. Oh wunderbar! Ja, Poe ist großartig. (Und natürlich hatte ich ALLAN schreiben wollen - shame on me) :)
    Hast du einen Lieblingstext von ihm? Ich mag die bekannten Geschichten, wie "The Tell-Tale Heart" und "The Murders in the Rue Morgue". Aber mir gefällt z.B. auch "The Oval Portrait" sehr gut!
    Viele Grüße,
    Jasmin

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    1. ja, das kann passieren. Hab auch oben Dass statt das geschrieben XD Hab einige Geschichte von ihm, die ich bestimmt schon fast 10 Mal gelesen habe. Dazu gehört die Kurzgeschichte "Eleonora", das Gedicht "The Raven" und "The Murders in the Rue Morgue". Meine Seminararbeit hab ich zur Geschichte "The Gold-Bug" geschrieben. Aber ich mag eigentlich fast alles von ihm, sein Schreibstil trifft einfach zu 200% meinen Geschmack :)

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