Montag, 18. Dezember 2017

Am Kamin (Wintererzählungen)

Aufbau Verlag / 5.Aufl. 2015 / 269 Seiten

Nachdem meine Spiegelreflexkamera nun endgültig den Geist aufgegeben hat, gibts hier mal vorerst (und schon seit einiger Zeit, wie vielleicht dem einen oder der anderen aufgefallen ist) Handyfotos. 

Ich bin einer der größten Dickens-Fans, den es gibt. Schon als Kind liebte ich seine Geschichten sehr, weshalb es für mich kein Weihnachten gibt ohne Geschichten des in Landport geborenen Schriftstellers. Dickens wuchs in armen Verhältnissen auf, weshalb sich seine Erzählungen meist der niederen Schicht des viktorianischen Englands widmen. Kinderarbeit, Hunger, Not und Armut sowie Kriminalität sind der Stoff aus dem die Erzählungen gewebt sind. Zumeist enden die Geschichten dann wie es in der viktorianischen Literatur oft der Fall ist, mit moralischen Weisheiten und Belehrungen. Ich mag sowas einfach. Dickens Tiefgründigkeiten und das Trachten nach Gerechtigkeit und die lebenslange Sehnsucht nach einer menschlicheren Gesellschaft gefallen mir einfach total gut, weil ich persönlich vielleicht dieselben Werte teile. 

Weihnachten am Kamin vereinbart zumeist Dickens Shortstorys, die durch das Werk Complete Ghost Stories erstmals an die Öffentlichkeit gelangten. Und wie man schon aus dem Namen herauslesen kann, sind viele dieser Erzählungen Kurzgeschichten, die dem gothic novel Genre zuzuordnen sind, da kann es dann schon mal vorkommen, dass Kobolde einen griesgrämigen Totengräber entführen und diesen zur Reue zwingen. Auch wird der Tod in einer anderen Geschichte personifiziert und ganz in der Dickens-Manier (die immer einen Hauch Humor innehat) hat es sich dieser zur Aufgabe gemacht, einen Verzweifelten von der Schönheit des Lebens zu überzeugen. 

So begegnen wir in diesem schönen Büchlein 12 Geschichten, die sich Leute in England um die Weihnachtszeit erzählten, während man sich versuchte am Kamin zu wärmen, denn zumeist war nur ein Raum beheizt und die Menschen im 18. Jahrhundert mussten eng zusammen rücken, wenn sie den Winter überleben wollten. Die Winter waren damals lang und kalt und viele hatten nichts zu essen und mussten  die Zeit bis zum Sommer und den Tagen, wo es wieder wärmer werden sollte, mit Geschichten totschlagen. 

Neben der Geschichte mit den Kobolden und dem Totengräber fand ich die Erzählung von den vier Gespenstern sehr lesenswert. Sie hat irgendwie auch einen mystischen Touch  und handelt mitunter von einer edlen geheimnisumwitterten Dame, die einem Künstler bei der Zugfahrt begegnet und ihn bittet, ein Portrait von ihr zu malen. Es stellt sich dann heraus, dass sie einer, der vier Geister ist. 

Wirklich weihnachtlich ist aber fast keine der Geschichten. Natürlich wird Weihnachten hier und da erwähnt, bleibt aber vermehrt im Hintergrund. Vielleicht liegt ein Duft nach gerösteten Kastanien und anderen guten, gemütlichen Dingen in der Luft, denn es sind ja Wintergeschichten, aber man könnte das Buch auch an jedem anderen Tag lesen. 

Fazit: 

Mich haben Dickens Erzählungen wieder in das viktorianische England entführt und ganz im Stile dieser Zeit handeln die Geschichten von Geistern und Toten, von Armut und Magie. Sie sind konzipiert Spannung und Staunen zu verbreiten und man kann sie sehr gut vorlesen aber auch allein lesen, außer man hat Angst vor Gespenstern :) 

★ verschlungen!

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