Sonntag, 18. Februar 2018

The Rum Diary


 Letztes Semester habe ich ein freies Wahlfach besucht, wobei ich mich viel mit teilnehmenden Beobachtungsstudien beschäftigt habe und über Umwege sozusagen auf Hunter S. Thompson gestoßen bin. Er war einer der Vertreter des Gonzo-Journalismus. Dabei begaben sich die Autoren und AutorInnen unter das Volk und legten vor allem Wert auf die subjektive Darstellung von erlebten Milieus. So vermischen sich autobiographische und fiktive Erlebnisse mit Polemik, Sarkasmus, Dialektsprache (Fäkalsprache, Slang usw), Zitaten und Poetik zu einem ganz eigenem Schreibstil. Wer vielleicht das Rolling Stone Magazin kennt, wird wissen, dass es genau durch diese Schreibweise so bekannt wurde. 

Mir gefiel dieser Schreibstil auch bei anderen amerikanischen Büchern besonders gut, also wollte ich dann unbedingt etwas von Thompson lesen. Sein wohl bekanntestes Buch ist Fear and Loathing in Las Vegas, das ich allerdings noch nicht gelesen habe. Während ich also im Internet nach weiteren Werken des Autors suchte, fand ich dann The Rum Diary und weil der Winter dieses Jahr schon lange dauert und ich bereit bin für Sommer und Frühling (hab schon alle Festivals rausgecheckt, die ich besuchen möchte, wuhu) hab ich wieder mal ein Sommerbuch gebraucht und so landete The Rum Diary in meinem Warenkorb.

The Rum Diary spielt genau in der oben erwähnten Welt des Gonzo-Journalismus. Zu Beginn des Buches lernen wir den Journalistem Paul Kemp kennen, der sich durch kurzfristige Jobs über Wasser hält, indem er hier und da einen Artikel für eine Zeitung verfasst. Es ist gerade Winter und der Protagonist seufzt über trübes New Yorker Wetter. Als er schließlich ein gut bezahltes Angebot erhält, verschlägt es ihn nach Puerto Rico, wo er sich zunächst einmal tagelang besäuft. Und überhaupt scheint auf dieser Insel jeder dem Rum verfallen zu sein. Am nächsten Tag trudelt er dann in der Redaktion ein, wo er den den Chef der Zeitung Lottermann, den fatalistischen Fotoreporter Bob Sala und den als verrückt geltenden Addison Yeamon kennenlernt. Durch die Begegnung mit besagten Typen wird der Protagonist in so manche Abenteuer verwickelt, da er auf nicht ganz legale Weise über Casinos, Migranten und Nutten Artikeln schreiben soll und ab und an wird er auch in eine Schlägerei verwickelt. 

Das ganze Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben und schildert einfach die Erlebnisse des Protagonisten, die für die damalige Zeit typisch waren. Der Protagonist fungiert hier sozusgen als Thompsons Alter Ego. In den 60er - Jahre reiste der Autor selbst als Sportjournalist nach San Juan und verarbeitet in The Rum Diary seine Erlebnisse und Eindrücke aus dieser Zeit. Der Erzählstil hat mich an Mafia-Filme erinnert und ich habe irgenwie die Welt, wie sie auch in "The Fellas" oder "Der Pate" gezeigt wird, wiedergefunden. 

Insgesamt fand ich die Handlung dieses Buch nicht besonders spannend, weil nicht viel passiert, außer einer Schlägerei hier und da und das ständig präsente  Saufen, das sich von der erste bis zur letzte Seite durchzieht. Allerdings mochte ich die realistische Schilderung der Insel mit ihren Plätzen und Orten, dem Klima und den Menschen. Das Buch hat irgendwie eine Sehnsucht bei mir ausgelöst und ich wollte unbedingt nach Südamerika reisen. Die Atmosphäre der beschriebenen Zeit ist total lebendig und das Buch ist sehr einfach geschrieben. Eine leichte Lektüre für zwischendurch! Mir fehlte aber leider der Tiefgang! Der Protagonist wirkt oberflächlich und das, was er denkt während er alleine trinkt, hat mehr gelangweilt! Hätte mir einfach insgesamt mehr Tiefgang gewünscht! 

★ ok

Kommentare:

  1. Guten Tag (:

    Ich bin durch Zufall auf deinen Blog gekommen und gleich geblieben. Ich hab mich seit gestern kreuz und quer durch deine Posts geschmökert. Danke für deine schönen Beiträge, tolle Buchtipps und das Korvapuusti-Rezept (hab ich mir gleich rausgeschrieben und wird am Wochenende ausprobiert). Als ebenfalls sehr literaturbegeisterte Grazerin mit ähnlichen Interessen hast du in mir sicherlich eine neue treue Leserin gefunden. (:
    LG Christina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu

      liebe Christina, das freut mich sehr :))) und auch, dass du das Korvapuusti Rezept ausprobierst :-D ich wünschte, ich hätte momentan auch etwas mehr Zeit zum Backen! Ich komme momentan so wenig zum Lesen und Bloggen, hoffe das ändert sich bald wieder! Vielen lieben Dank für deinen Kommentar, ich freue mich sehr über deine lieben Worte und wünsche dir noch ein schönes (trotz Regenwetter und Wintereinbruch) Wochenende!

      LG

      Löschen

Blogger Widget
Contact GitHub API Training Shop Blog About © 2016 GitHub, Inc. Terms Privacy Security Status Help